Krieg in Libyen Mehr als 1300 Bootsflüchtlinge erreichen Lampedusa

Italien erlebt einen Flüchtlingsansturm aus Libyen: Allein am Wochenende haben mehr als 1300 Menschen die Insel Lampedusa über das Mittelmeer erreicht. Im Kriegsgebiet eskalieren die Kämpfe zwischen Gaddafis Truppen und Rebellen nach einer flammenden Rede des Despoten.

Flüchtlingsboot bei Lampedusa: Viele Frauen und Kinder an Bord
DPA

Flüchtlingsboot bei Lampedusa: Viele Frauen und Kinder an Bord


Lampedusa - Unter ihnen sind viele Schwangere und Kinder: Mehr als 1300 Bootsflüchtlinge aus Libyen haben am Wochenende die kleine Insel Lampedusa südlich von Sizilien erreicht. Damit befanden sich am Sonntag rund 2050 Immigranten auf der selbst nur etwa 4000 Einwohner zählenden Insel, berichteten italienische Medien. Unter ihnen waren 176 Frauen und 514 Minderjährige.

Der neuerliche Flüchtlingsansturm am Wochenende erfolgte in zwei Schüben: Am frühen Sonntagmorgen erreichten rund 300 Bootsflüchtlinge die Insel. Die Küstenwache geleitete die Menschen sicher in den Hafen. Zuvor hatten die Beamten ein an Bord des Flüchtlingsbootes ausgebrochenes Feuer gelöscht. In der Nacht zum Samstag waren vier Boote mit insgesamt 1041 illegalen Einwanderern auf der Insel angekommen. Die Menschen seien aus Libyen geflohen, hieß es.

Die Flüchtlinge verbringen allerdings nur wenig Zeit auf der kleinen Insel: Der Großteil der Flüchtlinge sollte von Sonntagabend bis Montagmorgen mit einer Fähre nach Sizilien und auf das italienische Festland gebracht werden, um in anderen Flüchtlingslagern unterzukommen. Regierungschef Silvio Berlusconi sagte einen für Samstag geplanten Besuch kurzfristig ab, um die Hilfsmaßnahmen nicht durch seine Anwesenheit zu behindern.

Seit Beginn der Umwälzungen in Nordafrika sind 43.000 Menschen mit Booten an Italiens Küsten gestrandet. Vor allem aus dem umkämpften Libyen kommt in den letzten Wochen ein Großteil der Flüchtlinge.

Gaddafi droht mit Anschlägen in Europa

Bereits am Freitag hatte Libyens Machthaben Muammar al-Gaddafi seine Anhänger in einer flammenden Rede eindringlich zum Durchhalten aufgerufen - und der Nato Vergeltung angedroht. Hunderte seiner Landsleute könnten in Europa angreifen und zu Märtyrern werden, sagte er in einer vom Staatsfernsehen gesendeten Audio-Ansprache. "Auge um Auge, Zahn um Zahn. Aber wir werden ihnen noch eine Chance geben, zur Besinnung zu kommen."

Die Nato hatte diese Woche erklärt, die Gaddafi-Truppen seien durch die Luftschläge des Militärbündnisses in ihrem Operationsradius schon stark eingeschränkt. Zu einer großen Offensive seien sie nicht mehr fähig. Gaddafi erwiderte in seiner Rede, Tripolis sei die Stadt der Standhaftigkeit und des Sieges. "Sie denken, dass das libysche politische System mit Gaddafi endet, aber so ist es nicht, denn es ist die Herrschaft des Volkes", erklärte er.

In Tripolis hatten zuvor Tausende Anhänger Gaddafis am islamischen Mittagsgebet auf dem Grünen Platz teilgenommen. "Die Stunde des Dschihad ist gekommen", rief der Imam in seiner Predigt und forderte die Gläubigen auf, die Städte in Hand der Rebellen zu befreien. "Unser Land ist in den Händen der Kreuzfahrer unterstützt von Verrätern", sagte der Imam. Nach dem Gebet rief die Menge Slogans wie "Das Volk will Oberst Gaddafi".

Schwere Gefechte bei Misurata

Die Aufständischen sind bei ihrem Vormarsch auf die Hauptstadt Tripolis in der Nähe der Stadt Misurata unter schweren Beschuss der Regierungstruppen geraten. Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters berichteten am Samstag den fünften Tag in Folge von Artillerie- und Raketeneinschlägen. Nach Angaben der Aufständischen in Misrata stieg die Zahl der Toten auf sieben von sechs am Vortag. Mindestens 17 Menschen seien verletzt.

Noch am Donnerstag hatten die Rebellen Bodengewinne gemeldet und erklärt, sie seien inzwischen im Süden bis auf 50 Kilometer an die Hauptstadt Tripolis herangerückt. Auch die Nato bestätigte, dass die Rebellen im Westen die Initiative übernommen hätten. Zugleich warnte das Militärbündnis, dass die Regierungstruppen sich erneut bewaffneten und neu organisierten.

fdi/dpa/Reuters/dapd/AFP

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Seite 1
Wanax, 11.07.2011
1. huch...Dschihadisten
---Zitat--- "Die Stunde des Dschihad ist gekommen", rief der Imam in seiner Predigt und forderte die Gläubigen auf, die Städte in Hand der Rebellen zu befreien. "Unser Land ist in den Händen der Kreuzfahrer unterstützt von Verrätern", sagte der Imam. ---Zitatende--- " Huch..und ich dachte die Dschihadisten gibts nur auf Seiten der Rebellen ^^
...und gut ist`s 11.07.2011
2. Bezahlt Brüssel seine Abgeordneten schon in Schweizer Franken?
Bei 1300 Flüchtlingen schon von einem Ansturm zu sprechen ist vielleicht etwas übertrieben. Fachleute rechnen mit mehreren 100000 Flüchtlingen, die Afrika verlassen und nach Europa kommen wollen. Bisher hat der Tyrann G. aus L. diese Leute ja davon abgehalten ihre Lebensumstände zu verbessern. In ihren Heimatländern gibt es keine Arbeit und in Europa brauchen sie nicht zu arbeiten. Da ist es doch verständlich, dass sie sich lieber in der EU aufhalten wollen. Wir haben ja in mühevoller Kleinarbeit, die Gesetze geschaffen, die diesen Menschen einen würdevollen Aufenthalt in Europa ermöglichen. Nun sind die Gesetze da, nun sollen sie auch kommen.
otto huebner 11.07.2011
3. und warum werden ................
Zitat von sysopItalien erlebt einen Flüchtlingsansturm aus Libyen: Allein am Wochenende haben mehr als 1300 Menschen aus dem Kriegsgebiet*die Insel Lampedusa über das Mittelmeer erreicht. Die Kämpfe zwischen Gaddafis Truppen und Rebellen eskalieren nach einer flammenden Rede des Despoten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,773538,00.html
diese leute nicht sofort zureuck geschickt ?
bleifuß 11.07.2011
4. ...
---Zitat von sysop--- Seit Beginn der Umwälzungen in Nordafrika sind 43.000 Menschen mit Booten an Italiens Küsten gestrandet. Vor allem aus dem umkämpften Libyen kommt in den letzten Wochen ein Großteil der Flüchtlinge. ---Zitatende--- Mir kann keiner erzählen das die Flüchtlinge nicht irgendein Zweck dienen, Druckmittel oder aber als späterer Sündenbock wenn sich die EU samt Sparvermögen aufgelöst hat. Wenn das Land sich nicht mal vor ein paar Schaukelbooten sichern kann, was soll dann erst im Krieg passieren?
kundennummer 11.07.2011
5. Nur 25.000
Zitat von sysopItalien erlebt einen Flüchtlingsansturm aus Libyen: Allein am Wochenende haben mehr als 1300 Menschen aus dem Kriegsgebiet*die Insel Lampedusa über das Mittelmeer erreicht. Die Kämpfe zwischen Gaddafis Truppen und Rebellen eskalieren nach einer flammenden Rede des Despoten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,773538,00.html
Es sind doch nur 25.000.... Wie kann man nur so xenophobisch sein wegen 25.000 Flüchtlingen.... Die Festung Europa macht dicht... Dänemark errichtet eisernen Vorhang... Phrasen unserer Poilt- und Presseeliten als es losging mit den Putschen made by CIA. Während Italien für die Fachkräfte zu unattraktiv scheint zwingt die Schweiz Familien aus ihren Wohnungen in denen sie teilweise seit 30 - 40 Jahren leben um diese Neubürger einzuquartieren. Das Konzept der Sammelstellen hatte sich als weltfremd gezeigt. Jedoch stellt sich Bern gegenüber den drängender werdenden Hilferufen der Gemeinden mit Auffanglager taub. Weitere Berichte über die "nur 25.000" die inzwischen lt. seriösen Schätzungen ca. 60.000 zählen und täglich mehr werden findet man in der Auslandspresse, nur in der deutschen Jubelpresse nicht. Man hört wieder Feindsender um zu wissen was vorgeht...Schland 2011
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