Krieg in Libyen Menschenrechtler werfen Rebellen Gewalt gegen Zivilisten vor

Im Kampf gegen Libyens Diktator Gaddafi werden sie von der Nato unterstützt, doch auch die Rebellen des nordafrikanischen Landes verstoßen offenbar gegen Menschenrechte: Die Organisation Human Rights Watch macht die Regimegegner für Gewalt gegen Zivilisten und Plünderungen verantwortlich.
Libysche Rebellen: Verstoß gegen Menschenrechte?

Libysche Rebellen: Verstoß gegen Menschenrechte?

Foto: ESAM OMRAN AL-FETORI/ REUTERS

New York/Bengasi - Sie sollen einige Häuser, Krankenhäuser, Wohnungen und Geschäfte angezündet und Zivilisten in eroberten Städten geschlagen haben: Gegen die libyschen Rebellen werden von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schwere Vorwürfe erhoben.

Die Organisation war nach eigenen Angaben Zeuge einiger Übergriffe. Sie hätte Zeugen befragt und mit einem Rebellenkommandeur gesprochen. Der Oberst habe zugegeben, dass es Übergriffe gegeben habe. Dabei seien Befehle für die Rebellenstreitkräfte missachtet worden. Er verwies darauf, dass einige Leute bestraft worden seien. Er habe jedoch nicht gesagt, um wie viele Menschen es sich gehandelt habe und um welche Delikte es gegangen sei, hieß es in der Mitteilung von Human Rights Watch. Die Menschenrechtsverletzungen der Rebellen sollen sich Human Rights Watch zufolge in den Monaten Juni und Juli bei der Offensive in den Bergen von Nafusa südlich von Tripolis ereignet haben.

Human Rights Watch rief die libyschen Rebellen zum Schutz von Zivilisten und Krankenhäusern in den von ihnen kontrollierten Gebieten auf. Wie die Organisation am Mittwoch auf ihrer Web-Seite mitteilte, sollten die Rebellen-Streitkräfte jeden, der in ihren Reihen für Plünderungen, Brandstiftungen und die Verletzung von Menschenrechten in kürzlich eroberten Städten verantwortlich ist, zur Rechenschaft ziehen. Joe Stork, stellvertretender Direktor von Human Rights Watch für den Nahen Osten und Nordafrika, sagte: "Die Oppositionsführer sollten alle Misshandlungen durch Rebellen stoppen und bestrafen." Die Rebellenführer hätten die Pflicht, Zivilisten und ihr Eigentum zu schützen.

Regimegegner bringen Orte im Westen unter ihre Kontrolle

Die Rebellen werden bei ihrem Kampf gegen die Herrschaft von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi vom Westen unterstützt. Eine internationale Koalition unter Führung der Nato fliegt seit Mitte März Luftangriffe auf Truppen von Gaddafi, Frankreich beliefert die Aufständischen mit Waffen. Mehrere Länder, darunter Deutschland, haben den Übergangsrat der Rebellen als Vertretung des libyschen Volkes anerkannt.

Gegen Gaddafi ermittelt inzwischen der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag. Dem Machthaber werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Die Kämpfe zwischen Gaddafi-Truppen und Rebellen halten in dem nordafrikanischen Land unvermindert an. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP konnten die Regimegegner zuletzt mehrere Gebirgsorte im Westen des Landes unter ihre Kontrolle bringen. Die Gaddafi-Streitkräfte seien so von einer wichtigen Ölpipeline abgeschnitten worden, hieß es demnach in US-Sicherheitskreisen. Deshalb könnte den Streitkräften innerhalb eines Monats der Treibstoff ausgehen. Zudem gehe der libyschen Regierung das Geld aus, um ihre Soldaten und Minister zu bezahlen, hieß es weiter. Deswegen habe es schon kleinere Proteste in Tripolis gegeben. Angaben von gefangengenommenen Soldaten und Deserteuren sei zu entnehmen, dass die Kampfmoral der Truppe nur noch gering sei.

hen/dpa/dapd/AFP
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