SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

23. August 2011, 11:44 Uhr

Krieg in Libyen

Rebellen verwüsten Gaddafis Machtzentrale

Sie schießen, plündern, zertrümmern die Machtsymbole des verhassten Diktators: Nach stundenlangen Gefechten haben die libyschen Rebellen Gaddafis Residenz in Tripolis erobert. Die letzte Bastion des Despoten ist gefallen. Lesen Sie die Ereignisse im Minutenprotokoll.

+++ Ölanlagen nicht beschädigt +++

[20:49] Bei der Eroberung von Ras Lanuf durch die Rebellen hat es offenbar keine größeren Schäden an den Ölanlagen gegeben. Vertreter der Aufständischen äußerten sich entsprechend gegenüber Reuters. Lediglich in der nahe gelegenen Stadt Brega habe ein Tank in einem Öllager Feuer gefangen.

+++ BBC berichtet von Plünderungen +++

[20.32] Offenbar kommt es im eroberten Machtzentrum Gaddafis nun doch zu größeren Plünderungen. Der BBC-Nahost-Bürochef Paul Danahar berichtet, er habe gesehen, wie vom Palastgelände Gemälde, Schmuck, eine Kristallkaraffe und andere wertvolle Gegenstände davongetragen wurden.

+++ Berlusconi will Rebellenführung treffen +++

[20.04] Der italienische Premier Silvio Berlusconi will sich am Donnerstag mit der Führungsriege der libyschen Rebellen treffen. Das Gespräch mit Mahmud Dschibril soll in Mailand stattfinden. Bereits am Mittwoch wird Dschibril mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zusammentreffen.

+++ Rebellen verwüsten Gaddafis Machtzentrale +++

[19.41] Die Aufständischen haben in der Anlage Bab al-Asisija eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Ihre Wut gilt allem, was die Herrschaft Gaddafis verherrlicht. Sie reißen Bilder von den Wänden, werfen Statuen um und treten gegen das Denkmal für die US-Luftangriffe auf das Palast-Gelände. Außer Waffen aus den Lagern wird bisher offenbar kaum geplündert. CNN und al-Dschasira zeigen Bilder von Aufständischen, die Waffen und Munition aus der Anlage tragen. Wertsachen seien kaum mitgenommen worden, meinte eine CNN-Reporterin. Allerdings zeigte all-Dschasira Bilder eines Rebellen, der ein vergoldetes Kalaschnikow-Sturmgewehr erbeutet hatte.

+++ Paris plant internationale Libyen-Konferenz +++

[19.32] Zur Unterstützung des libyschen Volks wird es nach Angaben des Elysée-Palastes in Kürze eine internationale Konferenz in Paris geben. Dabei soll Hilfe für den Aufbau eines "neuen, demokratischen und pluralistischen Libyen" organisiert werden.

+++ Rebellen spotten über Gaddafi +++

[19.13] Mit der Eroberung des Gaddafi-Palastes zeigen die Rebellen ihre Verachtung für den früheren Machthaber. Auf Live-Bildern bei al-Dschasira ist zu sehen, wie einige von ihnen eine vergoldete Gaddafi-Maske hin und her kicken. Einige von ihnen sind auf dem Denkmal zu sehen, das Gaddafi im Gedenken an die US-Luftangriffe der Reagan-Ära errichten ließ - eine goldene Faust, die ein Flugzeug zerquetscht.

+++ Sarkozy kündigt weitere Militäraktionen an +++

[19.04] Frankreich und die USA wollen die Aufständischen bis zum endgültigen Sieg unterstützen. "Solange Gaddafi und sein Clan die Waffen nicht niedergelegt haben, werden die militärischen Anstrengungen fortgesetzt", ließ Sarkozy am Dienstagabend nach einem Telefongespräch mit US-Präsident Barack Obama mitteilen. Beide seien sich einig in der Einschätzung, dass das Ende des Regimes "unausweichlich und nah" sei.

+++ Ölhafen Ras Lanuf erobert +++

[18.55] Auch außerhalb der Hauptstadt konnten die Aufständischen Boden gewinnen. Eigenen Angaben zufolge eroberten sie den Ölhafen Ras Lanuf östlich von Tripolis.

+++ Gaddafi noch in Tripolis vermutet +++

[18.48] Der Verbleib Muammar al-Gaddafis ist weiter unklar. Die Rebellen gehen jedoch davon aus, dass er noch in Tripolis oder zumindest in der Nähe der Hauptstadt ist. Ein Sprecher sagte BBC: "Wir glauben nicht, dass er das Land verlassen hat." Früher oder später werde er gefasst. "Entweder wir fassen in lebendig und verhaften ihn - das ist der Ausgang, den wir uns wünschen - oder er wird getötet, wenn er sich wehrt."

+++ Rebellen rechnen noch mit Gegenwehr +++

[18.43] Der Uno-Gesandte der libyschen Oppositionskräfte, Ibrahim Dabbaschi, sagte in New York, der Bab-al-Asisija-Komplex sei nun "voll und ganz in der Hand der Revolutionäre". Ihre Anführer rechnen aber noch mit der Gegenwehr loyaler Gaddafi-Soldaten in dem weitläufigen Komplex. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die verbliebenen Truppen des früheren Machthabers blieben gefährlich, auch wenn Gaddafi kaum noch Befehle geben könne.

+++ Einschusslöcher im Palast +++

[18.27] Immer mehr Rebellenkämpfer stürmen in die Gaddafi-Anlage. Auf Live-Bildern ist bei Al-Dschasira die von Einschusslöchern übersäte Fassade von Gaddafis Haus zu sehen. Davor versuchen Kämpfer eine Statue, die ein Flugzeug in einer goldenen Hand hält, umzustürzen.

+++ Rebellen hissen ihre Flagge +++

[18.15] Die Rebellen innerhalb der Residenz feiern nach Angaben von al-Dschasira den Sturm der Gaddafi-Residenz mit Freudenschüssen. Sie rufen: "Gott ist groß". Der Sender zitierte eine Rebellen-Sprecherin, inzwischen seien 70 Prozent der riesigen Anlage Bab al-Asisija unter Kontrolle. Auf dem Palast soll bereits die Flagge der Kämpfer wehen. Inzwischen sollen sie laut Reuters die Waffenlager des Geländes geplündert haben. Unabhängige Bestätigungen gibt es nicht.

+++ Hunderte Rebellen stürmen Gaddafis Festung +++

[17.57] Laut Nachrichtenagentur AP haben Hunderte Kämpfer der libyschen Rebellen das Hauptquartier Gaddafis gestürmt. Ein Reporter berichtete, erst hätten die Aufständischen die Tore des Komplexes aufgesprengt und seien dann eingerückt.

Noch ist nicht klar, wie weit sie bereits auf dem Anwesen in Tripolis vorgedrungen sind. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtet, die Kämpfer hätten bereits die Privatresidenz Gaddafis erobert. Doch dafür gibt es noch keine Bestätigung. Auf dem Anwesen Bab al-Asisija befinden sich neben Privatquartieren Gaddafis auch militärische Einrichtungen.

+++ Rebellen dringen in Gaddafis Palast ein +++

[17.31] Die Rebellen in Tripolis sind nach eigenen Angaben in den Palast von Gaddafi eingedrungen. Sie kontrollierten einen der Zugänge zu der Festungsanlage im Stadtteil Bab al-Asisija, sagte ein Sprecher. Einige Rebellen vermuten Gaddafi in einem Bunker in der Anlage.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass sich im Kampf um den Gaddafi-Palast nach Rebellenangaben erste Kämpfer der Regierungstruppen ergeben hätten. Die Männer seien abgeführt worden, teilten die Aufständischen auf einer Internetseite mit. Eine unabhängige Bestätigung gibt es noch nicht.

+++ Reporter: Rebellen feiern in Gaddafi-Festung +++

[17.17] Ist den Aufständischen der Durchbruch gelungen? Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichten, dass Rebellen innerhalb der Gaddafi-Festung Bab al-Asisija Freudenschüsse abgeben. Die Meldung kann jedoch noch nicht unabhängig bestätigt werden.

+++ CNN-Reporterin: Exodus aus Tripolis +++

[17.01] CNN-Reporterin Sara Sidner, die live mit Schutzhelm auf Sendung geht, twittert: "Hier tobt ein Straßenkampf (…) Einwohner verlassen Tripolis in Scharen."

+++ Ashton spricht über Rebellen-Macht +++

[16.52] Wie viel Kontrolle haben die Rebellen wirklich über Tripolis? Die Aufständischen geben an, sie hätten die Gaddafi-Truppen nahezu vollständig zur Kapitulation gedrängt. Doch entscheidend sind das Zentrum der Stadt, wichtige Knotenpunkte wie Hafen, Flughafen und das Hauptquartier Gaddafis. Von dort werden heftige Gefechte gemeldet. EU-Außenkommissarin Catherine Ashton sagt auf einer Pressekonferenz, etwa vier Fünftel von Tripolis seien in Hand der Rebellen.

+++ Al-Arabija: Rebellen durchbrechen Tor von Gaddafi-Festung +++

[16.31] Die Rebellen haben ein erstes Tor der Gaddafi-Festung durchbrochen, das meldet der arabische Fernsehsender al-Arabija. Im Anwesen befinden sich Privatquartiere Gaddafis sowie militärische Einrichtungen.

+++ Gaddafi telefoniert mit Russland +++

[16.22] Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax soll Gaddafi in einem Telefonat mit Moskau erklärt haben, er halte sich weiter in Tripolis auf - und werde "bis zum Ende" kämpfen. "Ich bin am Leben, ich bin gesund, ich bin in Tripolis, und ich werde Tripolis nicht verlassen", zitiert Interfax den Diktator. Gaddafi und sein Sohn Mohammed sollen demnach mit Kirsan Ilyumzhinow telefoniert haben, einem russischen Multimilliardär, Gaddafi-Vertrauten und Präsident des Weltschachverbandes.

+++ CNN: Flughafen unter heftigem Beschuss +++

[16.07] Der US-Sender CNN zeigt Bilder von Rauchschwaden, die über dem internationalen Flughafen in Tripolis stehen. Noch ist unklar, ob diese von Kämpfen zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen stammen, oder von Nato-Bombardements verursacht wurden. Reporter des Senders berichten außerdem von einem "Massen-Exodus" in der Millionen-Metropole - Menschen würden Tripolis in großer Zahl verlassen.

+++ Nato: "Gaddafi ist nicht mehr so wichtig" +++

[15.41] Die Nato weiß nach eigenen Angaben nicht, wo sich Muammar al-Gaddafi versteckt hält. Das sei aber auch nicht so wichtig, sagte ein Sprecher des Bündnisses. "Gaddafi wird wohl kein Teil der Lösung sein, er ist keine Schlüsselfigur mehr", sagte der Sprecher in Neapel, von wo aus der Nato-Einsatz in Libyen koordiniert wird.

+++ Rebellen: 2000 Tote in Tripolis +++

[15.27] Beim Kampf um Tripolis sind nach unbestätigten Informationen der libyschen Rebellenführung bisher bis zu 2000 Menschen getötet worden. Genaue Angaben zu den Opfern beider Seiten gebe es aber noch nicht, sagte ein Sprecher des Übergangsrates. Von unabhängiger Seite gab es für die Opferangaben keine Bestätigung.

Nato nimmt Gaddafi-Palast unter Feuer

+++ Nato nimmt Gaddafi-Palast unter Feuer +++

[15.15] Die internationale Militärallianz setzt ihre Angriffe in Tripolis offenbar fort: Al-Dschasira zufolge lässt die Nato den Palast Gaddafis heftig bombardieren. Zuvor hatte ein AFP-Reporter über Kampfflieger berichtet, die über der Hauptstadt kreisten. Allerdings herrscht über die Strategie des Bündnisses Unklarheit: Zwar hat die Nato versichert, sie führe die Sicherung des Luftraumes wie gehabt fort - Berichte über einen angeblichen Luftangriff in den frühen Morgenstunden hatte die Allianz jedoch später wieder dementiert.

+++ Westerwelle verspricht schnellen Kredit +++

[14.47] Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat dem Übergangsrat der Rebellen ein Darlehen über 100 Millionen Euro versprochen. Das Geld solle in den nächsten Tagen freigegeben werden, sagte er nach einem Telefon mit Mahmud Dschibril vom Nationalen Übergangsrat. Westerwelle forderte auch eine rasche Freigabe des international eingefrorenen Vermögens Libyens. Dafür sei eine neue Uno-Resolution erforderlich.

+++ Rebellen haben Gaddafi-Palast offenbar eingekreist +++

[14.11] Laut dem Fernsehsender al-Dschasira haben die Rebellen nun das gesamte Anwesen Bab al-Asisija umstellt. Es wird vermutet, dass Gaddafi sich in der Residenz aufhält und dass sich unter dem Anwesen ein Bunker- und Tunnelsystem befindet - sicher ist dies allerdings nicht.

+++ Bericht: Rebellen greifen Palasttor an +++

[13.59] Der arabische Fernsehsender al-Arabija meldet, Aufständische hätten die Tore der Anwesens Bab al-Asisija angegriffen, in dem Gaddafi vermutet wird. Die Rebellen wollen das alte Tor auf der Westseite durchbrechen, sagte einer der Kämpfer dem Sender. Auch CNN meldet, dass die Rebellen die Gaddafi-Festung nun direkt angreifen.

+++ Dschalil: "Ich werde der Erste sein" +++

[13.34] Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrates, Mustafa Abd al-Dschalil, hat die Rebellen erneut aufgerufen, keine Racheakte zu verüben. Alle Gefolgsleute Gaddafis müssten sich vor Gericht verantworten, sobald die Lage stabil sei. "Und ich werde der Erste sein. Für meine Fehler werde ich mich verantworten müssen, weil ich vier Jahre für Gaddafi gearbeitet habe. Aber ich rufe alle Libyer auf, das Recht nicht in die eigenen Hände zu nehmen", sagte Dschalil bei einem Treffen mit dem türkischen Außenminister in Bengasi. Dschalil war nach einer Karriere im libyschen Justizwesen 2007 zu Gaddafis Justizminister ernannt worden.

+++ Nothilfe des Roten Kreuzes +++

[13.26] Das Internationale Rote Kreuz beginnt mit Sonder-Hilfslieferungen an die Krankenhäuser in Tripolis. Das teilt die Organisation über ihren Twitter-Account mit.

+++ EU beruft Krisensitzung ein +++

[13.23] Die Botschafter der EU-Länder wollen zu einer Dringlichkeitssitzung zu Libyen zusammenkommen. Dabei werden sie der Bevölkerung Hilfe für den Wiederaufbau und die Demokratisierung nach dem Ende des Gaddafi-Regimes zusichern, verlautete vorab aus Diplomatenkreisen.

Zugleich wird ein Aufruf an die Rebellen erwartet, in der Umbruchphase keine Rache an Anhängern Gaddafis zu nehmen und die Menschenrechte zu wahren.

EU-Außenpolitikchefin Catherine Ashton will in Tripolis eine EU-Mission einrichten, sobald es die Sicherheitslage zulässt. Vor Ort soll dann die konkrete Hilfe der Europäer für Libyen auf den Weg gebracht werden.

+++ Rauchwolken über Gaddafi-Palast +++

[13.03] In Tripolis sind nach Berichten internationaler Nachrichtensender schwere Kämpfe um den Stützpunkt Bab al-Asisija entbrannt, in dem Gaddafi vermutet wird. Bilder auf al-Dschasira zeigten dichte Rauchwolken über dem Stützpunkt. Reporter des Senders berichteten, Aufständische kämpften sich langsam in die stark befestigte Anlage vor. Die Stadt werde von Flugzeugen überflogen, berichtet ein AFP-Reporter.

Der britische Sender BBC berichtet von Gefechten auch in anderen Stadtteilen. Unter anderem seien Explosionen und Schießereien in der Nähe des Hotels Rixos zu hören, in dem westliche Journalisten untergebracht sind.

+++ Iran warnt vor "ausländischen Mächten" +++

[12.59] Iran hat die libyschen Rebellen davor gewarnt, nach einem Sieg gegen das Gaddafi-Regime ausländische Kräfte ins Land zu lassen. "Iran beglückwünscht das muslimische Volk Libyens zu den jüngsten Entwicklungen, appelliert aber auch an es, die Hegemonial-Mächte davon abzuhalten in das post-revolutionäre Libyen einzugreifen", teilte das Außenministerium mit. Teheran hat die libyschen Aufständischen von Anfang an unterstützt, aber die militärische Offensive der Nato verurteilt.

+++ Nato dementiert Angriff auf Gaddafi-Palast +++

[12.49] Die Nato hat bestritten, dass ihre Flugzeuge in der Nacht zum Dienstag das Anwesen Gaddafis im Stadtteil Bab al-Asisija in Tripolis angegriffen haben. "Wir haben das Gelände nicht bombardiert", sagte ein Militärsprecher.

+++ Al-Dschasira: Rebellen kurz vor Gaddafi-Residenz +++

[12.26] Die Rebellen in Tripolis sind offenbar bis kurz vor die Gaddafi-Residenz vorgedrungen: Sie seien nur noch 500 Meter vom Anwesen Bab al-Asisija entfernt, berichtet ein Korrespondent des Fernsehsenders al-Dschasira.

+++ Den Haag: Saif-Berichte "doppeldeutig" +++

[12.10] Noch mehr Verwirrung um Gaddafi-Sohn Saif: Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) erklärt, man habe nie eindeutige Berichte der Festnahme von den Rebellen empfangen. "Wir bekamen verschiedene Antworten vom Nationalen Übergangsrat, alles war etwas doppeldeutig", sagte ein Sprecher. Dabei hatte Chefankläger Luis Moreno-Ocampo am Montag die Festsetzung von Saif al-Islam bestätigt - und mit dem Übergangsrat sogar über eine mögliche Überstellung Saifs nach Den Haag gesprochen.

+++ Gefechte vor Palast+++

[12.10] Reporter von al-Dschasira und der BBC bestätigen Berichte, dass neue Kämpfe rund um Gaddafis Residenz ausgebrochen seien. Die Rebellen geben an, nach ihrem Einmarsch bis zu 95 Prozent der libyschen Hauptstadt zu kontrollieren - doch der Hauptsitz des Diktators auf einem schwer gesicherten Militärgelände ist weiter in der Hand der Regierungstruppen. Ein Bunkersystem unter der Anlage gilt als ein möglicher Aufenthaltsort Gaddafis.

Rätselraten über Gaddafis Verbleib

+++ Rebellen empfangen türkischen Minister +++

[12.04] Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu ist in der Rebellenhochburg Bengasi eingetroffen. Er erklärt, der Einsatz der Nato in Libyen werde fortgesetzt, bis die Lage völlig sicher sei.

+++ Evakuierung abgeblasen +++

[11.54] Die geplante Evakuierungsaktion für Ausländer und Gastarbeiter in Tripolis ist vorerst abgesagt. Ein Schiff, das die Hilfsorganisation IOM gechartert hatte, sollte am Dienstag im Hafen der Hauptstadt anlegen und etwa 300 Menschen aufnehmen. IOM-Chef Jean-Philippe Chauzy sagte, das Schiff werde vor der Küste liegen bleiben, bis sich die Sicherheitslage gebessert habe.

+++ Kämpfe gehen offenbar weiter +++

[11.18] Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von Schüssen und Explosionen in der Nähe von Gaddafis Hauptresidenz in Bab al-Asisija im Süden von Tripolis. Es wird angenommen, dass sich Gaddafi in dem Gebäudekomplex versteckt hält.

+++ Gaddafi-Sohn Mohammed soll frei sein +++

[11.12] Der unter Hausarrest gestellte Gaddafi-Sohn Mohammed ist einem Fernsehbericht zufolge von Truppen des Regimes befreit worden. Soldaten seien ihm zur Hilfe gekommen, berichtet al-Arabija unter Berufung auf Rebellenkreise.

Der Gaddafi-Sohn hatte am Vortag in einem Telefoninterview mit al-Dschasira gesagt, eine Gruppe von Rebellen habe sein Haus umstellt. Während des Gesprächs war Gewehrfeuer zu hören, danach brach der Telefonkontakt ab.

Gaddafi-Sohn Saif al-Islam war in der Nacht zum Dienstag überraschend in Tripolis erschienen - eigentlich sollte er laut Aufständischen in Gewahrsam der Rebellen sein.

Unklar ist der Aufenthaltsort von Saadi al-Gaddafi, einem weiteren Bruder. Auch diesen haben die Rebellen nach eigenen Angaben gefangen genommen. Über seinen Verbleib gibt es bisher keine Informationen.

+++ Wo sind Gaddafis Waffen? +++

[11.07] Die USA sorgen sich um das Waffen-Arsenal des Gaddafi-Regimes. Mike Rogers, Vorsitzender des Geheimdienst-Ausschusses im Repräsentantenhaus, warnte davor, "dass Chemie- und Hightech-Waffen sowie Sprengstoff in die falschen Hände fallen" könnten. Laut einem US-Regierungsvertreter, den die Agentur Reuters zitiert, werden die Chemie-Waffen noch von Gaddafi-Truppen bewacht. Am Montag hatten libysche Truppen drei Scud-Raketen nahe Gaddafis Heimatstadt Sirte abgefeuert.

+++ Gefechte in Gaddafis Heimatstadt +++

[10.59] Der Sender al-Arabija berichtet über heftige Gefechte nahe Gaddafis Geburtsstadt Sirte. Rebellen hätten sich mit Gaddafi-Truppen bekämpft, heißt es. Auch rund 80 Kilometer westlich von Tripolis, in der Stadt Odschailat, werden Gefechte gemeldet.

+++ Westerwelle will fairen Prozess +++

[10.53] Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat einen fairen Prozess für Gaddafi und seine Söhne gefordert. Für den frühen Nachmittag hat Westerwelle eine Pressekonferenz angekündigt.

+++ China sorgt sich um Investitionen +++

[10.50] China hat die libyschen Rebellen aufgefordert, seine Investitionen in dem Land nach einer Machtübernahme zu schützen. Die Regierung in Peking hoffe, dass Libyen nach einer Rückkehr in die Stabilität, die Interessen und Rechte der chinesischen Investoren respektiere, sagte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums. China wolle die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Libyen fortsetzen. Am Montag hatte ein Rebellen-Vertreter mit der Kündigung von Ölverträgen gedroht, weil China die Aufständischen im Kampf gegen Gaddafi nicht unterstützt habe.

+++ Auslieferung von Lockerbie-Attentäter diskutiert +++

[10.28] US-Politiker haben den Nationalen Übergangsrat zur Auslieferung von Basset Ali al-Megrahi aufgefordert. Der Drahtzieher des Anschlags auf die Pan-Am-Passagiermaschine über dem schottischen Lockerbie 1988 müsse festgenommen und ausgeliefert werden, damit es "endlich Gerechtigkeit" geben könne, erklärte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney. Die USA haben kein Auslieferungsabkommen mit Libyen.

+++ Google benennt Grünen Platz um +++

[10.23 Uhr] Google hat im Kartendienst Maps den Platz im Zentrum von Tripolis in "Martyr's Square" umbenannt. Dies war der ursprüngliche Name des Platzes, der gerade zum Zentrum der Endphase der libyschen Revolution wird. "Green Square" hatte Gaddafi den Platz taufen lassen. Ein Nutzer hatte nach dem Einmarsch der Rebellen in die Hauptstadt den Namen geändert, teilte Google mit - und das Unternehmen habe den Titelwechsel genehmigt.

+++ Verwirrung um Gaddafi-Clan +++

[10.12] Kurzer Rückblick in die vergangene Nacht: Der Häuserkampf in Tripolis ist in die zweite Runde gegangen, unterbrochen vom spektakulären Auftritt von Gaddafi-Sohn Saif al-Islam. Am frühen Dienstagmorgen war dieser in einem gepanzerten Fahrzeug vor der Residenz seines Vaters vorgefahren. Eigentlich war Saif von den Rebellen für gefangen genommen erklärt worden. Der Aufenthaltsort Gaddafis selbst bleibt weiter unklar. Aufständischen zufolge soll Gaddafis ältester Sohn Mohammed seinen Bewachern entkommen sein. Außerdem kursieren Gerüchte über den Tod von Brigade-Führer und Gaddafi-Sohn Chamis.

amz/fab/Reuters/dapd/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung