Krieg in Libyen Rebellen verwüsten Gaddafis Machtzentrale

Sie schießen, plündern, zertrümmern die Machtsymbole des verhassten Diktators: Nach stundenlangen Gefechten haben die libyschen Rebellen Gaddafis Residenz in Tripolis erobert. Die letzte Bastion des Despoten ist gefallen. Lesen Sie die Ereignisse im Minutenprotokoll.


+++ Ölanlagen nicht beschädigt +++

[20:49] Bei der Eroberung von Ras Lanuf durch die Rebellen hat es offenbar keine größeren Schäden an den Ölanlagen gegeben. Vertreter der Aufständischen äußerten sich entsprechend gegenüber Reuters. Lediglich in der nahe gelegenen Stadt Brega habe ein Tank in einem Öllager Feuer gefangen.

+++ BBC berichtet von Plünderungen +++

[20.32] Offenbar kommt es im eroberten Machtzentrum Gaddafis nun doch zu größeren Plünderungen. Der BBC-Nahost-Bürochef Paul Danahar berichtet, er habe gesehen, wie vom Palastgelände Gemälde, Schmuck, eine Kristallkaraffe und andere wertvolle Gegenstände davongetragen wurden.

+++ Berlusconi will Rebellenführung treffen +++

[20.04] Der italienische Premier Silvio Berlusconi will sich am Donnerstag mit der Führungsriege der libyschen Rebellen treffen. Das Gespräch mit Mahmud Dschibril soll in Mailand stattfinden. Bereits am Mittwoch wird Dschibril mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zusammentreffen.

+++ Rebellen verwüsten Gaddafis Machtzentrale +++

[19.41] Die Aufständischen haben in der Anlage Bab al-Asisija eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Ihre Wut gilt allem, was die Herrschaft Gaddafis verherrlicht. Sie reißen Bilder von den Wänden, werfen Statuen um und treten gegen das Denkmal für die US-Luftangriffe auf das Palast-Gelände. Außer Waffen aus den Lagern wird bisher offenbar kaum geplündert. CNN und al-Dschasira zeigen Bilder von Aufständischen, die Waffen und Munition aus der Anlage tragen. Wertsachen seien kaum mitgenommen worden, meinte eine CNN-Reporterin. Allerdings zeigte all-Dschasira Bilder eines Rebellen, der ein vergoldetes Kalaschnikow-Sturmgewehr erbeutet hatte.

+++ Paris plant internationale Libyen-Konferenz +++

[19.32] Zur Unterstützung des libyschen Volks wird es nach Angaben des Elysée-Palastes in Kürze eine internationale Konferenz in Paris geben. Dabei soll Hilfe für den Aufbau eines "neuen, demokratischen und pluralistischen Libyen" organisiert werden.

+++ Rebellen spotten über Gaddafi +++

[19.13] Mit der Eroberung des Gaddafi-Palastes zeigen die Rebellen ihre Verachtung für den früheren Machthaber. Auf Live-Bildern bei al-Dschasira ist zu sehen, wie einige von ihnen eine vergoldete Gaddafi-Maske hin und her kicken. Einige von ihnen sind auf dem Denkmal zu sehen, das Gaddafi im Gedenken an die US-Luftangriffe der Reagan-Ära errichten ließ - eine goldene Faust, die ein Flugzeug zerquetscht.

+++ Sarkozy kündigt weitere Militäraktionen an +++

[19.04] Frankreich und die USA wollen die Aufständischen bis zum endgültigen Sieg unterstützen. "Solange Gaddafi und sein Clan die Waffen nicht niedergelegt haben, werden die militärischen Anstrengungen fortgesetzt", ließ Sarkozy am Dienstagabend nach einem Telefongespräch mit US-Präsident Barack Obama mitteilen. Beide seien sich einig in der Einschätzung, dass das Ende des Regimes "unausweichlich und nah" sei.

+++ Ölhafen Ras Lanuf erobert +++

[18.55] Auch außerhalb der Hauptstadt konnten die Aufständischen Boden gewinnen. Eigenen Angaben zufolge eroberten sie den Ölhafen Ras Lanuf östlich von Tripolis.

+++ Gaddafi noch in Tripolis vermutet +++

[18.48] Der Verbleib Muammar al-Gaddafis ist weiter unklar. Die Rebellen gehen jedoch davon aus, dass er noch in Tripolis oder zumindest in der Nähe der Hauptstadt ist. Ein Sprecher sagte BBC: "Wir glauben nicht, dass er das Land verlassen hat." Früher oder später werde er gefasst. "Entweder wir fassen in lebendig und verhaften ihn - das ist der Ausgang, den wir uns wünschen - oder er wird getötet, wenn er sich wehrt."

+++ Rebellen rechnen noch mit Gegenwehr +++

[18.43] Der Uno-Gesandte der libyschen Oppositionskräfte, Ibrahim Dabbaschi, sagte in New York, der Bab-al-Asisija-Komplex sei nun "voll und ganz in der Hand der Revolutionäre". Ihre Anführer rechnen aber noch mit der Gegenwehr loyaler Gaddafi-Soldaten in dem weitläufigen Komplex. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die verbliebenen Truppen des früheren Machthabers blieben gefährlich, auch wenn Gaddafi kaum noch Befehle geben könne.

+++ Einschusslöcher im Palast +++

[18.27] Immer mehr Rebellenkämpfer stürmen in die Gaddafi-Anlage. Auf Live-Bildern ist bei Al-Dschasira die von Einschusslöchern übersäte Fassade von Gaddafis Haus zu sehen. Davor versuchen Kämpfer eine Statue, die ein Flugzeug in einer goldenen Hand hält, umzustürzen.

+++ Rebellen hissen ihre Flagge +++

[18.15] Die Rebellen innerhalb der Residenz feiern nach Angaben von al-Dschasira den Sturm der Gaddafi-Residenz mit Freudenschüssen. Sie rufen: "Gott ist groß". Der Sender zitierte eine Rebellen-Sprecherin, inzwischen seien 70 Prozent der riesigen Anlage Bab al-Asisija unter Kontrolle. Auf dem Palast soll bereits die Flagge der Kämpfer wehen. Inzwischen sollen sie laut Reuters die Waffenlager des Geländes geplündert haben. Unabhängige Bestätigungen gibt es nicht.

+++ Hunderte Rebellen stürmen Gaddafis Festung +++

[17.57] Laut Nachrichtenagentur AP haben Hunderte Kämpfer der libyschen Rebellen das Hauptquartier Gaddafis gestürmt. Ein Reporter berichtete, erst hätten die Aufständischen die Tore des Komplexes aufgesprengt und seien dann eingerückt.

Noch ist nicht klar, wie weit sie bereits auf dem Anwesen in Tripolis vorgedrungen sind. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtet, die Kämpfer hätten bereits die Privatresidenz Gaddafis erobert. Doch dafür gibt es noch keine Bestätigung. Auf dem Anwesen Bab al-Asisija befinden sich neben Privatquartieren Gaddafis auch militärische Einrichtungen.

+++ Rebellen dringen in Gaddafis Palast ein +++

[17.31] Die Rebellen in Tripolis sind nach eigenen Angaben in den Palast von Gaddafi eingedrungen. Sie kontrollierten einen der Zugänge zu der Festungsanlage im Stadtteil Bab al-Asisija, sagte ein Sprecher. Einige Rebellen vermuten Gaddafi in einem Bunker in der Anlage.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass sich im Kampf um den Gaddafi-Palast nach Rebellenangaben erste Kämpfer der Regierungstruppen ergeben hätten. Die Männer seien abgeführt worden, teilten die Aufständischen auf einer Internetseite mit. Eine unabhängige Bestätigung gibt es noch nicht.

Fotostrecke

19  Bilder
Rebellen in Tripolis: Der Sturm auf Gaddafis Festung
+++ Reporter: Rebellen feiern in Gaddafi-Festung +++

[17.17] Ist den Aufständischen der Durchbruch gelungen? Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichten, dass Rebellen innerhalb der Gaddafi-Festung Bab al-Asisija Freudenschüsse abgeben. Die Meldung kann jedoch noch nicht unabhängig bestätigt werden.

+++ CNN-Reporterin: Exodus aus Tripolis +++

[17.01] CNN-Reporterin Sara Sidner, die live mit Schutzhelm auf Sendung geht, twittert: "Hier tobt ein Straßenkampf (…) Einwohner verlassen Tripolis in Scharen."

+++ Ashton spricht über Rebellen-Macht +++

[16.52] Wie viel Kontrolle haben die Rebellen wirklich über Tripolis? Die Aufständischen geben an, sie hätten die Gaddafi-Truppen nahezu vollständig zur Kapitulation gedrängt. Doch entscheidend sind das Zentrum der Stadt, wichtige Knotenpunkte wie Hafen, Flughafen und das Hauptquartier Gaddafis. Von dort werden heftige Gefechte gemeldet. EU-Außenkommissarin Catherine Ashton sagt auf einer Pressekonferenz, etwa vier Fünftel von Tripolis seien in Hand der Rebellen.

+++ Al-Arabija: Rebellen durchbrechen Tor von Gaddafi-Festung +++

[16.31] Die Rebellen haben ein erstes Tor der Gaddafi-Festung durchbrochen, das meldet der arabische Fernsehsender al-Arabija. Im Anwesen befinden sich Privatquartiere Gaddafis sowie militärische Einrichtungen.

+++ Gaddafi telefoniert mit Russland +++

[16.22] Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax soll Gaddafi in einem Telefonat mit Moskau erklärt haben, er halte sich weiter in Tripolis auf - und werde "bis zum Ende" kämpfen. "Ich bin am Leben, ich bin gesund, ich bin in Tripolis, und ich werde Tripolis nicht verlassen", zitiert Interfax den Diktator. Gaddafi und sein Sohn Mohammed sollen demnach mit Kirsan Ilyumzhinow telefoniert haben, einem russischen Multimilliardär, Gaddafi-Vertrauten und Präsident des Weltschachverbandes.

+++ CNN: Flughafen unter heftigem Beschuss +++

[16.07] Der US-Sender CNN zeigt Bilder von Rauchschwaden, die über dem internationalen Flughafen in Tripolis stehen. Noch ist unklar, ob diese von Kämpfen zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen stammen, oder von Nato-Bombardements verursacht wurden. Reporter des Senders berichten außerdem von einem "Massen-Exodus" in der Millionen-Metropole - Menschen würden Tripolis in großer Zahl verlassen.

+++ Nato: "Gaddafi ist nicht mehr so wichtig" +++

[15.41] Die Nato weiß nach eigenen Angaben nicht, wo sich Muammar al-Gaddafi versteckt hält. Das sei aber auch nicht so wichtig, sagte ein Sprecher des Bündnisses. "Gaddafi wird wohl kein Teil der Lösung sein, er ist keine Schlüsselfigur mehr", sagte der Sprecher in Neapel, von wo aus der Nato-Einsatz in Libyen koordiniert wird.

+++ Rebellen: 2000 Tote in Tripolis +++

[15.27] Beim Kampf um Tripolis sind nach unbestätigten Informationen der libyschen Rebellenführung bisher bis zu 2000 Menschen getötet worden. Genaue Angaben zu den Opfern beider Seiten gebe es aber noch nicht, sagte ein Sprecher des Übergangsrates. Von unabhängiger Seite gab es für die Opferangaben keine Bestätigung.

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Seite 1
peddersen 23.08.2011
1. lklmklkmeen
Zitat von sysopDie Kämpfe in Tripolis gehen weiter - Reporter berichten von Explosionen rund um Gaddafis Hauptresidenz. Doch vom Machthaber selbst fehlt jede Spur. Der überraschende Auftritt von Gaddafi-Sohn Saif zeigt, wie unübersichtlich die Gefechtslage ist. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781821,00.html
Das ist wohl die Dreistigkeit übertrieben seitens SPON: Erst im Zuge der allgemeinen Kriegshetze Siege und Gefangennahmen verkünden, die es gar nicht gibt - und dann das auf die "unübersichtliche Gefechtslage" schieben. Ja gehts noch?
Antaris, 23.08.2011
2. Saif ist nicht nur vorgefahren
sondern, wie die SZ meldet: "Der Sohn von Machthaber Gaddafi lud die Journalisten zu einer Fahrt durch die Stadt in seinem Konvoi ein. Der Konvoi aus gepanzerten Geländewagen fuhr durch Straßen voller bewaffneter Gaddafi-Gefolgsleute und durch das Viertel Bu Slim, das als Hochburg der Regimetreuen gilt. Vor Gaddafis Gebäudekomplex Bab al-Asisija warteten mindestens hundert Männer auf Waffen, die an Freiwillige zur Verteidigung des Regimes verteilt wurden." Ich meine, das ist eine sehr wichtige Information, die man auch als Spon-Leser kennen sollte. Es ergibt sich doch dadurch eine ganz andere Sicht auf die tatsächliche Situation in Tripolis.
Pandora 23.08.2011
3. ...
Zitat von peddersenDas ist wohl die Dreistigkeit übertrieben seitens SPON: Erst im Zuge der allgemeinen Kriegshetze Siege und Gefangennahmen verkünden, die es gar nicht gibt - und dann das auf die "unübersichtliche Gefechtslage" schieben. Ja gehts noch?
Das war wohl nötig, um Merkels angebliche "Blamage" zu feiern. Wer letzten Endes der Blamierte ist, wird sich erst weisen.
benn01 23.08.2011
4. ......
Zitat von peddersenDas ist wohl die Dreistigkeit übertrieben seitens SPON: Erst im Zuge der allgemeinen Kriegshetze Siege und Gefangennahmen verkünden, die es gar nicht gibt - und dann das auf die "unübersichtliche Gefechtslage" schieben. Ja gehts noch?
Dazu kommt noch, dass seit 3 Tagen immer der selbe Typ auf den Bildern zu sehen ist. Ich meine den mit dem rot schwarzen Basecap.
Rodelkoenig 23.08.2011
5. Füttert öfter Eure Fische!
Naja. Mal unabhängig von den ganzen politischen Sachen finde ich es ziemlich beeindruckend, mit welchem improvisierten Waffen die Rebellen da unterwegs und anscheinend auch erfolgreich sind gegen eine reguläre Armee. Da werden ganze Flugabwehrkanonen und Vierlings-FLAKs, für die noch im 2. Weltkrieg riesige Halbkettenfahrzeuge notwendig waren, Raktenwerfer, die offenbar von sowjetischen Mil24-Kampfhubschraubern stammen, schwere MGs, Panzerabwehrwaffen und viele andere Dinge auf die Ladefläche von stinknormalen PickUps geschraubt. Und das funktioniert auch noch und kann gegen eine reguläre Armee mit Panzern, schweren LKWs und Kettenfahrzeugen bestehen, auch wenn die Verluste bei den Rebellen sicherlich um einiges höher sind als bei Gaddafis Truppen. Allein das ist schon eine große Leistung, selbst wenn die NATO-Luftwaffe da an vielen Stellen mithilft. Viele Grüße
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