Krieg in Libyen Viele Tote bei Raketenbeschuss in Misurata

Die Regierung hatte den Rückzug des Militärs angekündigt, doch die Kämpfe in der libyschen Hafenstadt Misurata gehen unvermindert weiter. Am Montag beschossen Gaddafis Truppen Wohnviertel in der Rebellenhochburg.

AP

Misurata - Die Kämpfe um die strategisch wichtige libysche Hafenstadt Misurata haben am Montag angedauert. Trotz einer angekündigten Feuerpause waren am Sonntag fast ununterbrochen Raketenexplosionen und Maschinengewehrfeuer zu hören, wie AFP-Reporter berichteten.

Einem Augenzeugen zufolge wurden am Montag mindestens 30 Menschen durch Angriffe der Regierungssoldaten getötet. Wohnviertel würden massiv mit Raketen beschossen, sagte ein Mitarbeiter einer oppositionellen Radiostation dem TV-Sender al-Arabija. Zwei Schulen im Stadtteil Abbad wurden laut Augenzeugenberichten zerstört. Nato-Maschinen flogen laut einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN Angriffe auf Ziele in Misurata.

Die Rebellen gewannen in der rund 200 Kilometer von Tripolis entfernten Stadt dennoch an Boden, so dass es ihnen etwa am Sonntagnachmittag gelang, mehrere Menschen zu befreien, die sich aus Angst vor Scharfschützen seit Tagen in ihren Häusern verschanzten. Zwei gefangengenommene regierungstreue Soldaten sagten AFP, die Moral bei Gaddafis Leuten sei derzeit "auf dem Tiefpunkt". Viele Soldaten würden aufgeben wollen, hätten aber zu viel Angst davor, wegen Verrats umgebracht zu werden.

In der vergangenen Woche hatte der stellvertretende libysche Außenminister Chaled Kaim die Belagerung von Misurata für beendet erklärt und einen Rückzug der Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi angekündigt. Am Samstag hatten die Rebellen die Befreiung der Stadt verkündet. Später revidierte Kaim seine Aussage; die Regierungstruppen hätten sich nicht aus Misurata zurückgezogen. "Sie haben lediglich ihre Operationen eingestellt." So solle den einheimischen Stämmen Zeit gegeben werden, eine "friedliche Lösung" zu finden.

Der militärische Sprecher des oppositionellen Nationalen Übergangsrats, Omar Bani, bezeichnete diese Ankündigung als Trick. Gaddafi spiele ein "wirklich falsches Spiel", sagte er AFP. Seine Truppen hätten sich vielmehr hinter die Frontlinie zurückgezogen und bereiteten sich auf neue Angriffe vor.

Seit rund sieben Wochen liefern sich die Regierungstruppen in Misurata zermürbende Kämpfe mit den Rebellen. Die Hafenstadt galt lange als Symbol für den aussichtslos scheinenden Kampf der Aufständischen im Westen des Landes. Die Regierung räumte ein, dass die Luftangriffe der Nato die Kämpfe entscheidend beeinflusst hätten - bisher konnte sich jedoch keine Seite entscheidend durchsetzen.

wbr/AFP/Reuters/dapd/dpa



insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
unclevanya 25.04.2011
1. Rebellen schossen wieder nur mit Knallplätzchen...
- falls man der SPIEGEL-Diktion Glauben schenkt. Trotzdem: "Die Rebellen gewannen in der rund 200 Kilometer von Tripolis entfernten Stadt dennoch an Boden... " (SPIEGEL) Also eine wahrlich "gentlemanlike" Kriegsführung auf Seiten der Rebellen, vergleichbar den "Päzisions"-Bomben der NATO. Kein Wunder also, daß es auf der "Gaddafi-Seite" nie Tote oder Verwundete gibt. Jedenfalls laut SPIEGEL...
sagichned 25.04.2011
2. thema
Zitat von sysopDie Regierung hatte den Rückzug des Militärs angekündigt, doch die Kämpfe in der libyschen Hafenstadt Misurata gehen unvermindert weiter. Am Montag beschossen Gaddafis Truppen Wohnviertel in der Rebellenhochburg. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758902,00.html
Viele tote. Warum fehlt hier die floskel: Allerdings ist es nicht durch *unabhendige Expterten* bestätigt worden.
Medianet 25.04.2011
3. .
Zitat von unclevanya- falls man der SPIEGEL-Diktion Glauben schenkt. Trotzdem: "Die Rebellen gewannen in der rund 200 Kilometer von Tripolis entfernten Stadt dennoch an Boden... " (SPIEGEL) Also eine wahrlich "gentlemanlike" Kriegsführung auf Seiten der Rebellen, vergleichbar den "Päzisions"-Bomben der NATO. Kein Wunder also, daß es auf der "Gaddafi-Seite" nie Tote oder Verwundete gibt. Jedenfalls laut SPIEGEL...
Tote gibt es auf beiden Seiten..ändert das nun etwas an der grundsätzlichen Lage????
wurzlbrunft 25.04.2011
4. Wundersame Freischärler
Tja, wenn man der Berichterstattung glauben mag, gewinnen die Freischärler ohne einen Schuss zu vergeuden ständig an Boden und die Gaddafitruppen schießen sich aus Angst vor den anrückenden Freischärlern permanent selbst ins Knie. Die libysche Zivilbevölkerung sitzt in der ersten Reihe und sieht dem Spektakel zu. So oder ähnlich wollen uns das die vor Ort kriegsberichterstattenden Journalisten weiß machen. Da referiert doch glatt der in Tripolis positionierte Chefreporter über die Greueltaten in Misrata, die er sich per Handy von ein paar Freischärlern hat übermitteln lassen, der selbst gesehen hat, wie Gaddafi persönlich ein paar Frauen und Kinder erschoß, derweilen die NATO Gaddafi's Wohnsitz in Tripolis bombardiert, wobei nicht einem umliegenden Haus auch nur ein Körnchen Mörtel gekrümmt wird! Ach, es ist doch alles so schön - das Wetter, ....
xxyxx 25.04.2011
5. Eine Waffenruhe funktioniert nur, wenn beide Seiten dies wollen
Zitat von sysopDie Regierung hatte den Rückzug des Militärs angekündigt, doch die Kämpfe in der libyschen Hafenstadt Misurata gehen unvermindert weiter. Am Montag beschossen Gaddafis Truppen Wohnviertel in der Rebellenhochburg. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758902,00.html
Aus dem Rückzug der libyschen Regierungstruppen aus dem Stadtzentrum von Misurata hätte -wie von der libyschen Regierung angekündigt- eine zeitweilige und punktuelle Einstellung der Kampfhandlungen werden können, wenn die Rebellen dies gewollt hätten. Es versteht sich aber von selbst, daß die Kämpfe nicht enden können, bzw. sogar noch an Intensität zunehmen, wenn die Rebellen den zurückziehenden Regierungstruppen nun folgen oder sogar versuchen, ihnen den Rückzugsweg abzuschneiden. Zumindest ist es seitens der Rebellen heuchlerisch, wenn sie einerseits dies tun, und andererseits dann darüber jammern, daß der Beschuß dann weitergeht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.