Krieg in Mali Islamisten setzen auf Guerillataktik

Der Norden Malis war bereits befreit - doch jetzt schlagen die Extremisten zurück. Mit Selbstmordattentaten und gezielten Nadelstichen wollen sie ihre einstige Hochburg Gao erneut erobern. Ihre Taktik: Guerilla statt offener Konfrontation.


Bamako/Paris - Französische und afrikanische Truppen hatten die Städte im Norden Malis in wenigen Wochen eingenommen. Doch nun versuchen Extremisten mit aller Gewalt, ihre einstige Hochburg Gao zurückzuerobern. Am Sonntag lieferten sich französische und malische Soldaten heftige Schusswechsel mit islamistischen Aufständischen in der Stadt am Fluss Niger. Die Islamisten sollen der "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" angehören, hieß es.

Zuvor war ein Militärposten am Stadtrand innerhalb von 48 Stunden zweimal von Selbstmordattentätern angegriffen worden. "Islamisten sind in die Stadt eingesickert und versuchen, unsere Stellungen anzugreifen. Aber wir schlagen zurück", sagte ein malischer Offizier der Nachrichtenagentur Reuters. Die Extremisten waren offenbar mit Booten in die Stadt gekommen.

Das Zentrums Gaos sei am Abend wieder "unter Kontrolle" der malischen Streitkräfte gewesen, sagte ein Sprecher des französischen Militärs. Die Franzosen hätten die malische Armee gegen die Extremisten unterstützt und Journalisten in Sicherheit gebracht, die bei den Kämpfen eingeschlossen worden seien, hieß es. Das französische Militär habe sich am Abend auf den örtlichen Flughafen zurückgezogen.

Stunden zuvor war in der Stadt ein Selbstmordattentäter ums Leben gekommen. Zum Ablauf des Angriffs gab es widersprüchliche Angaben: Augenzeugen berichteten, dass der Täter in der Nacht zum Sonntag erschossen wurde, noch bevor er seinen Sprengsatz habe zünden können. Der französische Sender RFI berichtet unter Berufung auf Militärangaben, dass sich der Attentäter in die Luft gesprengt habe. Neben dem Angreifer habe es keine weiteren Opfer gegeben, hieß es.

Es war bereits der zweite Selbstmordattentäter seit Beginn der französischen Militärintervention am 11. Januar. Erst am Freitag hatte sich ebenfalls in Gao ein 16 Jahre alter Attentäter an einem Kontrollpunkt in die Luft gesprengt und mehrere Menschen verletzt.

Extremisten in Nordmali setzen auf Guerillataktik

Der Einsatz der Selbstmordattentäter nährt die Sorge, dass die Islamisten eine offene Konfrontation meiden und verstärkt auf eine Guerillataktik setzen. Die französischen Soldaten haben in den vergangenen Wochen zusammen mit regulären malischen Truppen die islamistischen Rebellen immer weiter in den Norden Malis zurückgedrängt und die großen Städte weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht.

Die auf mehrere tausend Mann geschätzten Rebellen, unter denen sich auch viele Islamisten aus dem Ausland befinden sollen, haben sich offenbar in unwegsames Gebirgsgelände im Adrar des Ifoghas in der Sahara zurückgezogen, um sich neu zu gruppieren.

Die Lage erinnert an die Situation in Afghanistan im Jahr 2001. Auch dort hatten sich Vertreter von al-Qaida, zusammen mit den radikalislamischen Taliban, im Tora-Bora-Gebirgsmassiv verschanzt und den westlichen Streitkräften Widerstand geleistet. Die USA vermuteten zudem den Qaida-Führer Osama Bin Laden in dem Höhlensystem unter den Bergen. Nur durch den geballten Einsatz von internationalen Spezialeinheiten und Luftschlägen konnte die Schlacht von Tora Bora gewonnen werden. Allerdings zogen sich die Extremisten auch damals nur kurzzeitig zurück und nutzten ihre Kenntnis der Topografie, um sich rasch wieder andernorts zu sammeln.

Die malische Staatsanwaltschaft hat inzwischen internationale Haftbefehle gegen 28 Rebellenführer erlassen. Unter den Gesuchten seien vor allem Mitglieder islamistischer Kampfgruppen, aber auch Vertreter der Tuareg-Separatisten im Norden Malis, hieß es in einer Mitteilung.

lei/dpa/Reuters



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Seite 1
abraxas63 10.02.2013
1.
Zitat von sysopAFPDer Norden Malis war bereits befreit - doch jetzt schlagen die Extremisten zurück. Mit Selbstmordattentaten und gezielten Angriffen wollen sie ihre einstige Hochburg Gao erneut erobern. Ihre Taktik: Guerilla statt offene Konfrontation. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-mali-islamistische-rebellen-setzen-auf-guerillataktik-a-882527.html
Wer irgendetwas anderes erwartet hatte, hat wohl geträumt.
G-Kid 10.02.2013
2. Tja,
Zitat von sysopAFPDer Norden Malis war bereits befreit - doch jetzt schlagen die Extremisten zurück. Mit Selbstmordattentaten und gezielten Angriffen wollen sie ihre einstige Hochburg Gao erneut erobern. Ihre Taktik: Guerilla statt offene Konfrontation. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-mali-islamistische-rebellen-setzen-auf-guerillataktik-a-882527.html
in Libyen haben die Franzosen die Extremisten an die Macht gebombt und mit Kriegstechnik versorgt und nun haben sie die gleichen Leute als Gegner. Nichts von den Amis gelernt, die ihre heutigen Gegner in Afghanistan auch erst mit Waffen ausgerüstet haben, mit denen sie jetzt bekämpft werden... Hauptsache die Waffen-Industrie macht ihre Geschäfte!
user124816 10.02.2013
3.
Zitat von sysopAFPDer Norden Malis war bereits befreit - doch jetzt schlagen die Extremisten zurück. Mit Selbstmordattentaten und gezielten Angriffen wollen sie ihre einstige Hochburg Gao erneut erobern. Ihre Taktik: Guerilla statt offene Konfrontation. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-mali-islamistische-rebellen-setzen-auf-guerillataktik-a-882527.html
was will uns der autor damit sagen? das die kämpfer ganz normale kriegstaktiken anwenden, oder soll uns das vermitteln das sie verschlagen handeln? unsere soldatenhelden wenden die gleichen taktiken an: sie gehen *nicht* offen auf den feind zu, sondern benutzen aus dem hinterhalt und mit überraschungseffekt entsprechende waffen - vor allem bomben. jeder kämpfer mit einem gramm hirn im schädel wird aus dem hinterhalt agieren - um die anderen zu töten und dabei selbst nicht in gefahr zu kommen getötet zu werden.
a.vomberg 11.02.2013
4. Darf ich lachen?
»Der Einsatz der Selbstmordattentäter nährt die Sorge, dass die Islamisten eine offene Konfrontation meiden und verstärkt auf eine Guerillataktik setzen.« Offene Konfrontation mit einem High-Tech gerüstenen Gegner? Es war doch klar, dass es jetzt zu einem jahrelangen, schmutzigen Bürgerkrieg kommt. Das ist nicht unsere Schuld, aber so zu tun, als wäre es unerwartet, ist verlogen.
smu77 11.02.2013
5.
Zitat von sysopAFPDer Norden Malis war bereits befreit - doch jetzt schlagen die Extremisten zurück. Mit Selbstmordattentaten und gezielten Angriffen wollen sie ihre einstige Hochburg Gao erneut erobern. Ihre Taktik: Guerilla statt offene Konfrontation. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-mali-islamistische-rebellen-setzen-auf-guerillataktik-a-882527.html
Betrachtet man die gewaltigen Unterschiede der Kriegsmaschinerie, gibt es in der heutigen Kriegsführung keine andere Möglichkeit, als die Guerillataktik! Die sind doch auch nicht doof.
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