Krieg in Sri Lanka Helfer warnen vor Flüchtlingskatastrophe

Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und tamilischen Rebellen in Sri Lanka gefährden zahlreiche Zivilisten - Zehntausende Kinder sind nach Uno-Angaben in akuter Lebensgefahr. Befreiungstiger und Armee machen sich gegenseitig schwere Vorwürfe - doch die sind nur schwer zu überprüfen.


Colombo - Die Tamilen-Rebellen im Nordosten Sri Lankas wehren sich erbittert gegen ihre drohende Niederlage. Die Armee rückt immer weiter gegen die einst als beinahe unbesiegbar geltenden "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) vor. Uno-Schätzungen zufolge befinden sich noch mehr als 100.000 Menschen zwischen den Fronten im Kampfgebiet.

Flüchtling aus der Kampfzone (Armee-Foto): Mehr als 100.000 Menschen sind nach Uno-Schätzungen zwischen die Fronten geraten
AFP

Flüchtling aus der Kampfzone (Armee-Foto): Mehr als 100.000 Menschen sind nach Uno-Schätzungen zwischen die Fronten geraten

"Unsere größte Sorge ist, dass das Schlimmste noch bevor steht", sagte Dan Toole, Regionaldirektor für Südasien des Uno-Kinderhilfswerks Unicef. "Wenn so viele Menschen auf engstem Raum zusammengedrängt ausharren müssen, werden noch mehr Kinder dem Bürgerkrieg zum Opfer fallen."

Die Verantwortung für das Leid der Zivilisten im Kampfgebiet schieben sich Rebellen und Armee gegenseitig zu. Die Armee kritisiert, die Tamilen-Rebellen würden auf Zivilisten schießen, die das Kampfgebiet verlassen wollen. Am Montag hätten sich drei Selbstmordattentäter der Rebellen inmitten von Flüchtlingen in die Luft gesprengt und 17 Zivilisten mit in den Tod gerissen.

DER SPIEGEL
Die LTTE warf den Regierungstruppen in einer am Dienstag verbreiteten Erklärung vor, allein am Montag rund tausend Zivilisten getötet zu haben. Das Verteidigungsministerium in Colombo wies die Vorwürfe zurück. Die Aussagen der Konfliktparteien sind kaum zu überprüfen, weil das Militär Journalisten und anderen unabhängigen Beobachtern den Zugang zum Kampfgebiet seit Monaten verweigert.

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch berichtete am Dienstag unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen im Kampfgebiet, die Armee beschieße das von ihr selber einst als "Schussfreie Zone" deklarierte Gebiet, in das sich die verbliebenen Rebellen zurückgezogen haben, mit schwerer Artillerie.

Die LTTE wiederum verweigere Zivilisten weiterhin die Flucht. Dass es am Montag und Dienstag trotzdem Zehntausenden Zivilisten gelang, das LTTE-Gebiet zu verlassen, dürfte darauf hindeuten, wie geschwächt die Rebellen inzwischen sind. Bilder im Staatsfernsehen zeigten verzweifelte Menschen, die durch Lagunen wateten, ihre wenigen Habseligkeiten zum Schutz gegen das Wasser in Bündeln über dem Kopf haltend.

In Sri Lanka kämpft die LTTE seit fast vier Jahrzehnten für einen unabhängigen Tamilenstaat. Nach einer Großoffensive haben die Regierungstruppen die Rebellen auf ein wenige Quadratkilometer großes Gebiet im Norden des Landes zurückgedrängt. Seit dem 20. Januar kamen bei den Kämpfen nach Uno-Angaben mindestens 2800 Zivilisten ums Leben.

sac/dpa/AFP

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