Krieg in Syrien Assads Armee setzt massenhaft Streubomben ein

Human Rights Watch schlägt Alarm: In Syrien sterben immer mehr Zivilisten durch den Einsatz von Streubomben. Das Assad-Regime wirft die international geächteten Sprengkörper auch über Wohngebieten ab. Bei den jüngsten Attacken starben zwei Frauen und fünf Kinder.
Sprengkörper aus Streubombe (bei Aleppo): Vorwürfe gegen Assad-Regime

Sprengkörper aus Streubombe (bei Aleppo): Vorwürfe gegen Assad-Regime

Foto: STRINGER/ REUTERS

Damaskus - Im Kampf gegen die Aufständischen in Syrien schreckt Diktator Baschar al-Assad auch vor dem Einsatz von Streubomben nicht zurück. Dabei sterben regelmäßig unbeteiligte Zivilisten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Die Streitkräfte des Regimes setzten die Sprengkörper auch in Wohngebieten ein, was zu einer wachsenden Zahl ziviler Opfer führe, erklärte HRW am Samstag.

Die Menschenrechtswächter haben beunruhigende Zahlen zusammengetragen. In den vergangenen sechs Monaten seien landesweit an mindestens 119 Orten rund 150 Streubomben abgeworfen worden.

Streubomben werden von vielen Staaten geächtet, weil sie wenig zielgenau sind und nicht explodierte Kleinbomben auch lange nach dem Ende eines Konflikts noch eine Gefahr für Zivilisten darstellen.

Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden zwei solcher Attacken bekannt: In Deir Dschamal bei Aleppo wurden am 28. Februar zwei Frauen und fünf Kinder getötet. Mitarbeiter von Human Rights Watch besuchten Anfang März den Angriffsort und befragten Zeugen und Überlebende. Dort konnten sie auch Fotos von Überresten der Sprengkörper machen. Anhand dieser Aufnahmen konnte der Sprengkörper als RBK-250/275-Streubombe identifiziert werden.

Wenige Tage später forderte in Talbiseh bei Homs ein weiterer Angriff mit Streubomben zivile Opfer. Vier Menschen starben, 26 weitere erlitten teils schwere Verletzungen. Auch hier besuchten HRW-Mitarbeiter die Überlebenden im Krankenhaus. Viele hatten durch die herumfliegenden Bombenteile schwere innere Verletzungen davon getragen. Sie berichteten von mindestens zwei Bomben, die von einem Kampfjet abgeworfen wurden. Die Klein-Sprengsätze hätten sich über sieben Straßenzüge verteilt. Viele seien beim Aufprall nicht explodiert.

Hunderte Videos analysiert

Für die Untersuchung hat Human Rights Watch mehr als 450 Videofilme ausgewertet, die online abrufbar sind. Allerdings ist bei solchen Clips die Quellenlage nicht immer eindeutig zu klären.

Im Januar hatten Videoaufnahmen zum ersten Mal in dem Konflikt auch den Einsatz von SAKR-Raketen vermuten lassen. Die in Ägypten produzierten Kriegsgeräte werden aus einiger Distanz abgefeuert und verteilen ihre Mini-Sprengsätze dann im Zielgebiet.

Syrien hat die internationale Konvention zum Verbot der Kampfmittel nie ratifiziert. Die im Mai 2008 von 107 Staaten verabschiedete Konvention verbietet den Einsatz, die Herstellung, die Lagerung und die Weitergabe derartiger Waffen. Sie trat 2010 in Kraft.

jok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.