Krieg in Syrien IS erobert wichtiges Gasfeld in Syrien

Nach Monaten der Verluste kann der "Islamische Staat" rund um die Oasenstadt Palmyra in Syrien erstmals Eroberungen melden. Die USA schicken neue Spezialkräfte - für die Rückeroberung der IS-Hochburg Rakka.

Kampfjet startet vom Flugzeugträger "Charles de Gaulle" in den Kampf gegen den IS
AP

Kampfjet startet vom Flugzeugträger "Charles de Gaulle" in den Kampf gegen den IS


Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat nach heftigen Kämpfen mit syrischen Regierungstruppen eines der wichtigsten Gasfelder des Landes eingenommen. Die Extremisten hätten nordwestlich der historischen Oasenstadt Palmyra in Zentralsyrien das Feld Dschihar erobert, melden die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und armeenahe Kreise. Auch das IS-Sprachrohr Amak berichtete von dem Vormarsch der Terrormiliz.

Der IS hatte vor zwei Tagen eine Offensive in der Region um Palmyra begonnen - und kann seitdem zum ersten Mal seit Jahresbeginn wieder Gebietsgewinne verkünden. Mittlerweile sind die Extremisten unterschiedlichen Berichten zufolge von Süden her bis auf etwa acht Kilometer an die Oasenstadt herangerückt. Ein Grund für den schnellen Vormarsch könnte sein, dass Russland zuletzt seine Militärberater aus Palmyra abgezogen haben soll, obwohl der IS zeitgleich seinen Vormarsch vorbereitete. Und ohne russische Hilfe sind die Soldaten und Milizionäre des Assad-Regimes offenbar kaum imstande, umkämpftes Territorium zu halten.

Während der IS am Boden auf Palmyra vorrückt, fliegen von den USA angeführte Streitkräfte Luftangriffe auf die Infrastruktur der Terrormiliz. Nach eigenen Angaben hat die Militärkoalition dabei 168 Tanklaster des IS zerstört. Durch die Zerstörung der Tanklaster seien der Terrormiliz Öl-Einnahmen im Volumen von rund zwei Millionen Dollar entgangen.

US-Soldaten sollen Opposition für Rückeroberung von Rakka ausbilden

Der IS hält in Syrien und im Irak jeweils Teile des Landes besetzt, in denen Öl gefördert wird. Neben der Erhebung von Steuern und Zöllen auf seinen Gebieten, der Erpressung von Lösegeld und dem Handel mit Antiquitäten gehört der Verkauf von Öl zu den wichtigsten Einnahmequellen des IS.

Syrische Regierungstruppen hatten Palmyra im März vom IS zurückerobert. Während der Herrschaft der Dschihadisten über die Stadt zerstörten sie zahlreiche einzigartige historische Kulturgüter aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Die Ruinen der früheren Handelsmetropole gehören zum Unesco-Weltkulturerbe.

Die USA wollen ihre Schlagkraft gegen den IS in Syrien erhöhen. Verteidigungsminister Ashton Carter kündigte an, rund 200 zusätzliche Soldaten in das Land zu entsenden. Dabei handele es sich um Spezialkräfte, Ausbilder, Militärberater und Sprengstoffexperten, so Carter auf einer Sicherheitskonferenz im Golfstaat Bahrain. Die US-Truppe solle syrische Oppositionskräfte für die Rückeroberung der syrischen IS-Hochburg Rakka ausbilden, ausrüsten und beraten. Die Soldaten kämen zu den 300 US-Spezialkräften hinzu, die bereits in Syrien stationiert seien. Diese Entscheidung sei "ein weiterer wichtiger Schritt, um unsere Partner in die Lage zu versetzen, dem IS eine bleibende Niederlage zuzufügen", sagte Carter. Er betonte, dass die Oppositionstruppen nur noch 15 Kilometer von Rakka entfernt seien.

Frontverläufe in Syrien
SPIEGEL ONLINE

Frontverläufe in Syrien

Assad-Armee in Ost-Aleppo weiter auf dem Vormarsch

Wegen der anhaltenden Offensive des syrischen Militärs in der Metropole Aleppo kündigte die EU an, ihre Sanktionen gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad auszuweiten. Die Strafmaßnahmen richteten sich gegen Organisationen und Personen, die Assad unterstützen, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini in Brüssel.

Im belagerten Ost-Aleppo ist die syrische Armee weiter auf dem Vormarsch. Bei der Offensive gegen die Rebellen wird sie von der russischen Luftwaffe unterstützt. Viele westliche Staaten haben das Vorgehen Syriens und seiner Verbündeten kritisiert. Die Regierungen in Damaskus und Moskau beharren dagegen darauf, dass sich ihre Offensive gegen Extremisten richte.

anr/dpa/Reuters/AFP

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