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03. Oktober 2013, 07:28 Uhr

Aufständische in Syrien

Propagandaoffensive der islamistischen Rebellen

Von , Beirut

Der Aufstand gegen Syriens Diktator Assad wandelt sich: Waren vor wenigen Monaten nur einzelne Kampfverbände islamistisch, finden die Radikalen nun immer mehr Anhänger. Extremisten haben jetzt eine "Armee des Islam" gegründet. Das ist in erster Linie ein gut kalkulierter PR-Coup.

Das Bild wirkt auf den ersten Blick wie ein normales Gruppenfoto: Etwa 70 Männer drängen sich im Halbkreis vor der Kamera. Einer bietet seinem Nachbarn ein Stück Pizza an, andere albern herum, als der Fotograf abdrückt.

Doch hier ist keine harmlose Versammlung abgebildet. Das Foto zeigt die Gründung der "Armee des Islam", in der sich am Sonntag 43 Einheiten radikaler syrischer Rebellen im Großraum Damaskus zusammengeschlossen haben. Die islamistische Truppe veröffentlichte Videos ihrer Gründungskonferenz im Internet. Vorsitzender des Bündnisses ist den Angaben zufolge der Milizionär Sahran Allusch, der Anführer der bedeutenden "Liwa al-Islam" ist. Diese Brigade kämpft im Großraum Damaskus gegen das Assad-Regime.

Die Gründung der "Armee des Islam" ist in erster Linie ein Propaganda-Coup. Die meisten Gruppen, die sich da zusammengeschlossen haben, bestehen nur aus einer Handvoll Kämpfer. Viele von ihnen hatten sich schon zuvor unter den Oberbefehl von Kommandeur Allusch gestellt. Ihre Brigaden wurden nun noch einmal öffentlichkeitswirksam seinen Truppen angegliedert.

Doch die selbstbewusste Selbstbezeichnung des Bündnisses als "Armee des Islam" ist ein weiteres Indiz für den Wandel, den der seit zweieinhalb Jahren tobende syrische Bürgerkrieg vollzogen hat. Als im Frühjahr 2011 der Aufstand gegen das Regime Baschar al-Assads begann, wurde er von der Zivilgesellschaft getragen und geprägt. 31 Monate später treten die islamistischen Rebellenverbände immer selbstbewusster auf.

Dass die Islamisten nun sogar Dachverbände gründen, ist eine neue Entwicklung: Vor nur wenigen Monaten konnten nur einige wenige Rebellengruppen in Syrien als radikalislamistisch gelten. Diese, allen voran die Qaida-nahe Nusra-Front, hatten Probleme, bei der oftmals nicht sehr an religiösen Belangen interessierten Bevölkerung Sympathien zu gewinnen.

Kleine Gruppen hoffen auf Geld und Waffen

Doch das hat sich geändert. Je länger die vom Westen versprochene Hilfe für gemäßigte Rebellen ausblieb, desto mehr Einfluss haben islamistische Einheiten gewonnen. Gerade nach dem im vergangenen Monat erst angekündigten und dann abgesagten US-Militärschlag gegen das Assad-Regime haben sich noch einmal viele Rebellen zutiefst enttäuscht von der internationalen Gemeinschaft abgewandt. Sie suchen nun Anschluss an radikalere Gruppen.

Der Gesinnungswandel in Richtung Religion lohnt sich für die Rebellen. Die in den Syrien-Konflikt verwickelten Golfstaaten, allen voran Saudi-Arabien, fördern die radikaleren Kämpfergruppen mit Waffenlieferungen und Geldgeschenken. Allerdings haben gerade kleine Verbände im Flächenstaat Syrien logistische Schwierigkeiten, der Hilfe habhaft zu werden. Daher die Gründung der "Armee des Islam": Durch den Beitritt zu einer Dachorganisation hoffen die kleinen Gruppen auf bessere Versorgung mit Geld und Nachschub. Die großen dagegen werden ihre Einflusssphäre ausweiten können - wichtig, wenn es in eroberten Gebieten ans Verteilen der Pfründe geht.

Der Zusammenschluss der Brigaden im Großraum Damaskus ist der zweite schwere Schlag innerhalb weniger Tage für die Syrische Nationale Koalition, den Vertreter der zivilen Opposition. Die soll eigentlich gegenüber dem Ausland die Belange der Assad-Gegner vertreten. Doch vergangenen Mittwoch kündigten 13 nordsyrische Verbände - darunter auch die Nusra-Front - der Koalition und der Übergangsregierung ihre Loyalität auf.

Die Kämpfer der 13 Gruppen beschworen ihre Einheit innerhalb eines "islamischen Rahmens" und sprachen sich für die Einführung der islamischen Scharia als einziger Rechtsgrundlage aus. Diese neue, islamistische Nordallianz soll über etwa 50.000 Kämpfer verfügen und wäre damit der stärkste Verband innerhalb der Assad-Gegner.

Die Neustrukturierung der islamistischen Verbände im Norden und jetzt auch in der Provinz Damaskus dämpft Hoffnungen, dass es unter der Ägide der Weltgemeinschaft eine politische Lösung des syrischen Konflikts geben könnte. Die Freie Syrische Armee, deren gemäßigte Kämpfer der Westen zumindest in der Theorie unterstützt, ist vorerst an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt worden.

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