Krieg in Syrien Uno-Bericht wirft Assads Milizen Massenmord vor

Ein Uno-Bericht benennt neue Gräuel aus dem Bürgerkrieg in Syrien. Demnach lässt die syrische Regierung ihre verbündeten Milizen gezielt Massenmorde verüben. Doch auch die Rebellen bringen offenbar in vielen Fällen gefangen genommene Regierungssoldaten und Milizionäre um.

Regierungstreue Milizen nahe Aleppo: schwere Vorwürfe der Uno
REUTERS

Regierungstreue Milizen nahe Aleppo: schwere Vorwürfe der Uno


Genf - Die syrische Regierung greift offenbar zu immer grausameren Mitteln, um ihre Macht zu erhalten. Uno-Ermittler beschuldigen das Regime von Präsident Baschar al-Assad nun, mit Hilfe von Milizen Massenmorde zu verüben. Gezielt würden dabei einzelne Bevölkerungsgruppen ins Visier genommen. Die Taten würden von sogenannten Volkskomitees begangen, von denen einige offenbar von der Regierung ausgebildet und bewaffnet worden seien, heißt es in einem am Montag vorgestellten Bericht einer Syrien-Kommission der Vereinten Nationen.

Doch auch die Rebellen verüben dem Bericht zufolge Verbrechen: In vielen Fällen seien gefangen genommene syrische Soldaten und Milizionäre exekutiert worden. Die Aufständischen unterhielten zudem Haftanstalten in Homs und Aleppo. Zudem - so der Uno-Bericht weiter - würden sie ihre Stellungen direkt in oder nahe bei dicht besiedelten Gebieten aufbauen, was gegen internationales Recht verstoße.

Der seit zwei Jahren anhaltende Konflikt stecke in einem "zerstörerischen Patt" fest. Die Ermittler erklärten, es gebe einen "beunruhigenden und gefährlichen Trend", dass einige der angeblich von den Volkskomitees begangenen Massenmorde sich gezielt gegen bestimmte Volksgruppen richteten. So seien Menschen von regierungsnahen Milizen belästigt oder festgenommen worden, nur weil sie aus Regionen stammten, die den Aufständischen als wohlgesonnen gelten.

Die Revolte, die sich zu einem Bürgerkrieg ausgewachsen hat, wird in erster Linie von sunnitischen Muslimen getragen, während Präsident Assad ein Alawit ist. Es lägen Berichte zu Volkskomitees aus ganz Syrien vor, hieß es in dem zehnseitigen Bericht, den die Ermittler dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf präsentierten. Die Gruppen sollen an Hausdurchsuchungen, Personenkontrollen, Massenfestnahmen und Plünderungen beteiligt gewesen sein oder Informanten gestellt haben. "Rücksichtsloser und weit verbreiteter Beschuss, die regelmäßige Bombardierung von Städten, Massenmorde und das absichtliche Schießen auf zivile Ziele" seien mittlerweile typisch für das tägliche Leben der Zivilisten in Syrien, sagte der Vorsitzende der Untersuchungskommission, Paulo Pinheiro.

Die Ermittler betonten, dass beide Seiten Verstöße gegen Zivilisten begangen hätten. Gegenwärtig würden etwa 20 Massaker untersucht, darunter allein drei, die seit Beginn des Jahres in der einstigen Rebellenhochburg Homs verübt wurden. Einige der Leichen seien verbrannt oder in Flüsse geworfen worden.

Kidnapping nimmt stark zu

Auch die Zahl der Entführungen ist in Syrien stark gestiegen. Immer mehr Menschen würden von politischen Gegnern gekidnappt. Vor allem stieg aber dem Bericht zufolge die Zahl der Lösegelderpressungen. Seit Beginn des Konfliktes ließen sich korrupte Beamte für die Freilassung von Gefangenen bezahlen. Auch die regierungstreuen "Volkskomitees" seien inzwischen an Entführungen beteiligt.

Oft kommt es vor, dass Sunniten und Alawiten aus benachbarten Gebieten Angehörige der jeweils anderen Konfession verschleppen. Glaubwürdige offizielle Zahlen zur Zahl der Entführungen liegen nicht vor.

Syriens Vertreter Faisal Chabazz wies den Bericht zurück. Er basiere auf Informationen nicht vertrauenswürdiger Quellen. Er warf zudem Katar vor, Zehntausende Söldner aus 30 Ländern finanziert zu haben. Die Türkei habe Militärstützpunkte zur Verfügung gestellt und die Kämpfer "auf ihren Dschihad nach Syrien" geschickt.

Russland kritisierte den Bericht als nicht ausgewogen. Es lägen zudem Beweise vor, dass die bewaffnete Opposition sexuelle Gewalt als Waffe einsetze und Kindersoldaten ausbilde. Die Europäische Union und die USA forderten, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Notfalls solle der Internationale Strafgerichtshof eingeschaltet werden, sagte eine EU-Vertreterin.

Mehr als 70.000 Menschen wurden nach Angaben der Uno in dem Konflikt bislang getötet, über eine Million Syrer sind vor der Gewalt ins Ausland geflohen. Die Rebellen kontrollieren inzwischen viele ländliche Gebiete vor allem im Norden des Landes. Assads Truppen scheinen sich darauf zu konzentrieren, die wichtigsten Städte zu halten.

ler/Reuters/dpa



insgesamt 205 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ernst August 11.03.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSEin Uno-Bericht benennt neue Gräuel aus dem Bürgerkrieg in Syrien. Demnach lässt die syrische Regierung ihre verbündeten Milizen gezielt Massenmorde verüben. Doch auch die Rebellen bringen offenbar in vielen Fällen gefangen genommene Regierungssoldaten und Milizionäre um. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-uno-bericht-wirft-assads-milizen-massenmord-vor-a-888168.html
Ich weiß nicht ob der Autor des Artikels den Bericht über deutsche/europäische Salafisten und Dschihadisten und deren Aufrufe zum Dschihad in Syrien gelesen hat. Er sollte es tun. Ansonsten ist die Sache klar. Souveräner Staat. Das Gewaltmonopol liegt wie überall in jedem Land beim Staat. Der Staat wird von außen angegriffen (Lager in Nachbartländern, Waffen, Geld u.s.w.). Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
si tacuisses 11.03.2013
2. Schon die bewußten Weglassungen in der Überschrift
Zitat von sysopREUTERSEin Uno-Bericht benennt neue Gräuel aus dem Bürgerkrieg in Syrien. Demnach lässt die syrische Regierung ihre verbündeten Milizen gezielt Massenmorde verüben. Doch auch die Rebellen bringen offenbar in vielen Fällen gefangen genommene Regierungssoldaten und Milizionäre um. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-uno-bericht-wirft-assads-milizen-massenmord-vor-a-888168.html
sind Zensur. Weil die Rebellen aka Terroristen nur peng machen. Ihr seid das gleiche Kaliber wie die fDP: "Nein, der Satz über die Ungleichverteilung von Vermögen in D wurde nicht weggelassen." Er erscheint jetzt nur auf Seite 336 des Armutsberichtes. Was für eine beschissene Presse die Bevölkerung doch aushalten muss.
eldiabolo 11.03.2013
3. Ja genau
Saudi Arabien, Katar, die Türkei, Amerika, und auch Europa machen sich Mitschuldig daran. Hätte man keine Ausländischen Dschihadisten und keine Waffen geliefert die nun den Kampf führen, dann wäre der ganze "aufstand" schon nach den ersten Monaten vorbei gewesen und es wäre bei den "paar" Toten geblieben die es 2011 gab. Aber Nein. Der Politische Westen setzte auf Eskalation. Und jeder der hier was anderes behauptet soll mal nach Syrien fliegen. Die USA und Europa wussten von anfang an genau dass Russland sich nicht einfach zurückziehen wird und Assad fallen lassen wird. Genauso wusste man dass der Iran nicht von Assad weichen wird. Als Pink damals das Lied Mr President schrieb, da hatte sie recht mit Bush, aber unser angeschissener Friedensnobelpreisträger, oder besser gesagt, mit der EU unsere beidenen Freidensnobelpreisträger, haben 70.000 Menschen auf dem Gewissen. Nich Assad, sondern Amerika und die EU. Denn sie haben Wissentlich einen Bürgerkrieg entfacht den es in diesem Ausmaße selten wo gab. Ich hoffe Gott wird für jene Menschen die Gerechte Strafe haben und sie abweisen auf dass sie ewig in der Hölle schmoren werden. 70.000!!!!!!!! Tote auf dem Konto des Westens. Dass nenne ich eine Reife Leistung. Und dann auch noch so Heuchlerisch behaupten man wolle die Zivilbevölkerung schützen. Mit Waffen und Munition anstelle von Nahrung und Unterkünften.
bammy 11.03.2013
4.
Zitat von Ernst AugustIch weiß nicht ob der Autor des Artikels den Bericht über deutsche/europäische Salafisten und Dschihadisten und deren Aufrufe zum Dschihad in Syrien gelesen hat. Er sollte es tun. Ansonsten ist die Sache klar. Souveräner Staat. Das Gewaltmonopol liegt wie überall in jedem Land beim Staat. Der Staat wird von außen angegriffen (Lager in Nachbartländern, Waffen, Geld u.s.w.). Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Worauf wollen Sie hinaus? Sollen jetzt Meldungen der UNO unterschlagen werden? So klar ist die Sache nicht. Es gibt keinem Staat auf der Welt das Recht, seine Bevölkerung abzuschlachten. Souveränität und Gewaltmonopol hin oder her. Vor allem wenn man die Armee gegen die eigene Bevölkerung schickt.
bammy 11.03.2013
5.
Zitat von eldiaboloSaudi Arabien, Katar, die Türkei, Amerika, und auch Europa machen sich Mitschuldig daran. Hätte man keine Ausländischen Dschihadisten und keine Waffen geliefert die nun den Kampf führen, dann wäre der ganze "aufstand" schon nach den ersten Monaten vorbei gewesen und es wäre bei den "paar" Toten geblieben die es 2011 gab. Aber Nein. Der Politische Westen setzte auf Eskalation. Und jeder der hier was anderes behauptet soll mal nach Syrien fliegen. Die USA und Europa wussten von anfang an genau dass Russland sich nicht einfach zurückziehen wird und Assad fallen lassen wird. Genauso wusste man dass der Iran nicht von Assad weichen wird. Als Pink damals das Lied Mr President schrieb, da hatte sie recht mit Bush, aber unser angeschissener Friedensnobelpreisträger, oder besser gesagt, mit der EU unsere beidenen Freidensnobelpreisträger, haben 70.000 Menschen auf dem Gewissen. Nich Assad, sondern Amerika und die EU. Denn sie haben Wissentlich einen Bürgerkrieg entfacht den es in diesem Ausmaße selten wo gab. Ich hoffe Gott wird für jene Menschen die Gerechte Strafe haben und sie abweisen auf dass sie ewig in der Hölle schmoren werden. 70.000!!!!!!!! Tote auf dem Konto des Westens. Dass nenne ich eine Reife Leistung. Und dann auch noch so Heuchlerisch behaupten man wolle die Zivilbevölkerung schützen. Mit Waffen und Munition anstelle von Nahrung und Unterkünften.
Können Sie da konkreter werden? Was genau hat der Westen, Amerika, Europa und was Sie sonst noch Alles in einen Topf werfen und bestraft sehen möchten, konkret angestellt, um den Bürgerkrieg in Syrien anzuzetteln und den braven Assad so dikredetiert. Ich bin schon erstaunt, über welche detaillierten Informationen hier einige Foristen verfügen, über die man uns (Mainstreammedien informierte) aber nur andeutungsweise teilhaben lässt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.