Save the Children Syriens Kinder leiden unter "toxischem Stress"

Sie haben panische Angst, nehmen Drogen, machen ins Bett: Viele Kinder und Jugendliche in Syrien leiden unter der gefährlichsten Form von Stress, zeigt eine Studie. Sie warnt vor einer "zerbrochenen Generation".
Kinder in Aleppo (Archivbild)

Kinder in Aleppo (Archivbild)

Foto: ABDALRHMAN ISMAIL/ REUTERS

Kinder und Jugendliche in Syrien können sich möglicherweise nie wieder von den Folgen des Bürgerkriegs erholen. Viele von ihnen leiden an "toxischem Stress", der gefährlichsten Form von Stress, hat eine Studie im Auftrag der Hilfsorganisation Save the Children ergeben.

"Nach sechs Jahren Krieg sind wir an einem Wendepunkt: Von hier an sind die Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung so groß, dass sie dauerhaft und unumkehrbar sein könnten", sagt Marcia Brophy, Expertin für psychische Gesundheit von Save the Children im Nahen Osten.

Bombenangriffe sind größter Stressfaktor

Die Studie ist Save the Children zufolge die umfassendste ihrer Art. Zusammen mit Partnerorganisationen seien von Dezember 2016 bis zum Februar mehr als 450 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in sieben syrischen Regierungsbezirken befragt worden.

84 Prozent der Erwachsenen und fast alle Kinder, die im Auftrag der Hilfsorganisation Save the Children befragt wurden, machten Beschuss und Bombenangriffe als größte Stressfaktoren im Alltag aus.

71 Prozent der Erwachsenen berichteten, dass Kinder immer häufiger von Bettnässen und unbeabsichtigtem Wasserlassen betroffen seien. Beides sind nach Angaben von Save the Children Symptome von toxischem Stress und posttraumatischen Belastungsstörungen.

Toxischer Stress ist nach Angaben der Harvard University  die gefährlichste Form von Stress und entsteht, wenn dauerhaft eine große Menge an Stresshormonen ausgeschüttet wird. Er kann die Entwicklung des Gehirns und anderer Organe behindern - mit Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter.

"Die Mehrheit der syrischen Kinder lebt in ständiger, teils panischer Angst vor Gewalt", heißt es in der Studie. Die Hälfte von ihnen fühlten sich auch in der Schule nicht sicher. 51 Prozent der Erwachsenen geben an, Jugendliche würden zu Drogen greifen, um den Stress des Kriegsalltags zu bewältigen. Weil viele Ärzte aus Syrien geflohen sind und humanitäre Helfer oftmals nicht in die am schwersten betroffenen Gebiete gelangen, erhalten viele Kinder nicht die notwendige psychologische Betreuung.

Save the Children fordert deshalb unter anderem ein langfristiges Ende der Gewalt und die Einstellung von Angriffen auf zivile Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser. Der syrische Bürgerkrieg, der vor sechs Jahren begann und der wohl der schwerste Konflikt der Gegenwart ist, forderte Hundertausende Todesopfer. Millionen Menschen wurden vertrieben.

sep/dpa/AFP/AP