Kriegs-Zar Drei-Sterne-General soll Bush im Irak und in Afghanistan retten

Selbst die eigene Partei ist mit den Kriegen ihres Präsidenten unzufrieden: Nun hat George W. Bush einen Chefkoordinator für den Irak und Afghanistan ernannt. Douglas Lute übernimmt einen Job, den etliche Generäle abgelehnt haben.


Washington - Wochenlang hatte die Suche nach dem Richtigen gedauert: Nun hat US-Präsident Bush - wie zuletzt vermutet - den Drei-Sterne-General Douglas Lute zum neuen Chefkoordinator für die Kriege im Irak und in Afghanistan ernannt. Demnach wird der neue "Kriegszar", wie Lute in US-Zeitungen genannt wird, vom Pentagon ins Weiße Haus wechseln und dort als Berater des Präsidenten die Stelle eines stellvertretenden Sicherheitsberaters einnehmen. Lute wird künftig nicht nur Bush Bericht erstatten, sondern darf beispielsweise auch dem Pentagon und dem Außenministerium Weisungen erteilen.

Drei-Sterne-General: Douglas Lute ist Bushs neuer "Kriegs-Zar"
REUTERS

Drei-Sterne-General: Douglas Lute ist Bushs neuer "Kriegs-Zar"

Die Stelle des Chefkoordinators ist von Bush angesichts der Probleme in beiden Kriegen neu geschaffen worden. Lute soll nach Bushs Worten als Verbindungsglied zwischen dem Präsidenten, dem nationalen Sicherheitsberater Steven Hadley sowie den Fachministerien und der US-Militärführung im Irak und in Afghanistan dienen. Bush würdigte die Verdienste des Generals, der während seiner Zeit im US-Zentralkommando Kampfeinsätze in beiden Ländern plante und durchführte. Er war unter anderem auch in Deutschland stationiert.

Lutes Ernennung, die vorerst noch nicht amtlich ist, muss vom Senat bestätigt werden. Kritiker merkten an, dass ein solcher Posten schon viel früher hätte geschaffen werden müssen. Zum jetzigen Zeitpunkt könnte eine neue Koordination der Militäreinsätze nur noch Verwirrung stiften.

Die Suche nach dem richtigen Kandidaten dauerte so lange, weil mehrere pensionierte Vier-Sterne-Generäle den hochrangigen Posten dankend abgelehnt hatten.

Clinton und Obama für Irak-Rückzug im März 2008

Die demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Barack Obama haben sich derweil hinter die Senatsforderung nach einem Truppenabzug aus dem Irak zum 31. März 2008 gestellt. Danach würden der Regierung keine Finanzen für den Militäreinsatz mehr bewilligt, bekräftigten die beiden Senatoren gestern in separaten Erklärungen. Für heute steht im Senat eine Abstimmung über die Irak-Mission an. Sie gilt als symbolisch bedeutend, doch hat Bush bereits sein Veto angekündigt.

Obama erklärte in einem Schreiben, nach 1518 Tagen Krieg zeichne sich im Irak immer noch keine Lösung ab. Es müsse deshalb ein starkes Signal an die irakische Regierung, den US-Präsidenten und die Republikanische Partei ausgesendet werden, dass es so nicht weiter gehen könne. Clinton schloss sich später dieser Einschätzung an. Sie werde ebenfalls für eine Kürzung der Mittel für den Einsatz stimmen, erklärte ihr Sprecher Philippe Reines.

Vor der Erklärung dieser beiden Präsidentschaftsinteressenten hatte ihr Mitbewerber Chris Dodd öffentlich beklagt, dass sich noch nicht alle demokratischen Kandidaten hinter die Abzugsforderung des Senats gestellt hätten. Clinton und Obama lehnten es bislang ab, sich auf einen konkreten Zeitplan festlegen zu lassen

flo/dpa/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.