Kriegseinsatz Obama verschiebt Frist für Irak-Abzug

Noch hat er seine Entscheidung nicht publik gemacht - doch führende US-Zeitungen berichten schon jetzt übereinstimmend darüber: Präsident Obama will die Truppen rund drei Monate später aus dem Irak zurückholen als im Wahlkampf versprochen. Nun peilt er einen Abzug bis August 2010 an.


Bagdad - Vermutlich am Ende der Woche wird der Präsident Details nennen: Barack Obama wird nach US-Zeitungsberichten in Kürze über den Abzug aller Kampftruppen aus dem Irak informieren. Wie die "Washington Post", die "New York Times" und das "Wall Street Journal" berichteten, favorisiert er nun den August 2010 als endgültiges Datum für den Abzug. Das wäre drei Monate später als im Präsidentschaftswahlkampf angekündigt - damals versprach Obama einen Rückzug der Soldaten binnen 16 Monaten.

US-Soldaten in Bagdad: Miltärs baten um mehr Zeit
REUTERS

US-Soldaten in Bagdad: Miltärs baten um mehr Zeit

Hintergrund der leichten Verzögerung laut US-Presse: Die Militärführung soll den Präsidenten um zusätzliche Zeit gebeten haben, um die Fortschritte bei der Sicherheitslage im Irak zu festigen, die politischen Institutionen zu stärken. Man wolle so sicherstellen, dass der Irak nicht erneut instabil werde, berichtete die "New York Times". Die Zeitung beruft sich auf namentlich nicht genannte Vertreter der Regierung.

Laut "Times" und "Journal" haben die Generäle Obama drei verschiedene Zeitpläne mit einer Abzugsdauer von entweder 16, 19 und 23 Monaten vorgelegt. Obama diskutiere derzeit alle drei Optionen mit Verteidigungsminister Robert Gates und Generalstabschef Mike Mullen, favorisiere aber den Zeitraum von 19 Monaten. Am Dienstag traf sich Obama mit Gates. Laut "New York Times" habe er sich seine Meinung noch nicht endgültig gebildet. Es sei aber davon auszugehen, dass er seine Entscheidung noch in dieser Woche bekanntgebe. Möglicherweise am Freitag, bei einem Besuch in North Carolina, entweder im Camp Lejeune oder im Fort Bragg.

Derzeit sind etwa 142.000 US-Soldaten im Irak stationiert. Auch nach einem Abzug der Kampftruppen würden Zehntausende Soldaten in dem Land bleiben, um die irakischen Truppen auszubilden, US-Einrichtungen zu schützen und Terroristen zu jagen, hieß es weiter. Wie viele dies genau sein werden, sei unklar. Einer von Obamas Sicherheitsberatern hatte im Wahlkampf von 30.000 bis 50.000 Soldaten gesprochen. In seiner Rede vor dem US-Kongress am Dienstag sagte Obama lediglich, er plane in Kürze darzulegen, wie er den Krieg im Irak auf verantwortungsvolle Weise beenden wolle.

Die "New York Times" zitierte einen Regierungsvertreter weiter, man sei zuversichtlich, dass die Bürger eine Verlängerung der Abzugsfrist akzeptieren würden. Obama habe immer gesagt, "dass er sich mit der Militärführung abstimmen und eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen wird". Zudem seien drei Monate "kein sehr großer Aufschub".

Die beiden verantwortlichen Kommandeure, General David H. Petraeus und General Ray Odierno, wollten dem Bericht zufolge keine Stellung nehmen, welche Abzugsdauer sie bevorzugen. Doch laut Regierungskreisen hätten sich beide "nicht besonders wohlgefühlt" mit dem ursprünglichen, schnelleren Plan Obamas.

cte/dpa



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