Kriegsfolgen US-Armee beklagt mehr Veteranen-Selbstmorde als Gefallene im Irak
New York - Die Selbstmordrate unter ehemaligen US-Soldaten ist doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung des Landes. Allein 2005 haben sich 6256 ehemalige Soldaten umgebracht, berichtet CBS - das sind durchschnittlich 17 Suizide pro Tag. Der Studie des Fernsehsenders liegt eine Umfrage in 45 US-Bundesstaaten zu Grunde.
Die Selbstmordrate in der Gesamtbevölkerung liege bei 8,9 von 100.000 Menschen, bei ehemaligen Armeeangehörigen 18,7 bis 20,8. Unter jungen Menschen zwischen 20 und 24 Jahren liege die Rate sogar bei 22,9 bis 31,9 - und damit viermal so hoch wie bei Altersgenossen, die nicht in der Armee dienten.
Laut "New York Times", die ebenfalls über die CBS-Studie berichtet, ist die Zahl der Selbstmorde Ex-Armeeangehöriger sogar höher als die Zahl aller US-Soldaten, die seit 2003 im Irak-Einsatz ums Leben gekommen sind. Dort starben 3863 Armeeangehörige. Das Blatt spricht von einer regelrechten Suizid-Epidemie.
"Diese Zahlen zeigen ganz deutlich das Ausmaß der mentalen Gesundheitsprobleme", zitiert die CBS-Sendung Paul Sullivan, der sich für die Rechte ehemaliger Armeeangehöriger einsetzt. CBS zitiert auch den Vater eines 23-jährigen Soldaten, der sich 2005 das Leben nahm, der der US-Regierung und dem Generalstab vorwirft, das wahre Ausmaß des Problems verschleiern zu wollen. Die Regierung "will keine Zahlen", sagte Mike Bowman dem Sender CBS. Sein Sohn hatte an einem der gefährlichsten Plätze im Irak Dienst getan: Der Flughafenstraße. "Als er zurückkam, waren seine Augen tot. Kein Leuchten mehr", beschrieb seine Mutter dem Sender die Veränderung des jungen Mannes. Acht Monate später, am Thanksgiving Day, beging er Selbstmord.
In den USA leben 25 Millionen ehemalige Armeeangehörige, von denen laut CBS 1,6 Millionen in Afghanistan und im Irak kämpften. Die Studie des Senders bezieht jedoch nicht nur diese Soldaten ein sowie jene, die in Vietnam und im Zweiten Weltkrieg kämpften, sondern alle ehemaligen US-Soldaten.
Schon im Juni war eine Studie bekannt geworden, der zufolge Kriegsveteranen in den USA ein doppelt so hohes Selbstmordrisiko haben wie die restliche Bevölkerung. In der vergangenen Woche zeigte eine andere erschreckende Studie über Kriegsheimkehrer, dass sie einen überdurchschnittlichen Anteil unter den Obdachlosen im Land haben: 25 Prozent - obwohl sie lediglich 11 Prozent der erwachsenen Gesamtbevölkerung stellen.
Irak: Strategien und Abzugspläne
anr/ler/AFP