Kriegsfolgen USA beklagen im Irak mehr Opfer als am 11. September

Im Irak sind seit heute mehr Tote zu beklagen, als Menschen durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 umgekommen sind. Seit Kriegsbeginn fielen 2978 Soldaten - und die Gewalt nimmt kein Ende: Heute erschütterte eine Attentatserie mit mindestens 25 Toten Bagdad.


Hamburg - Es ist traurige Routine: Fast täglich verkündet die US-Armee den Tod weiterer Soldaten im Irak. Heute gaben die Militärs bekannt, dass am ersten Weihnachtstag bei einer Bombenexplosion südwestlich von Bagdad zwei Soldaten getötet wurden. Die Patrouille habe verhindern sollen, dass Terroristen Bomben am Straßenrand deponieren - dann sei in der Nähe eines Armee-Fahrzeugs eine solche Bombe explodiert.

Nach Zählung der der Nachrichtenagentur AP waren dies die Todesfälle 2973 und 2974 seit dem Kriegsbeginn vor knapp vier Jahren. 2973 ist auch die offizielle Zahl der Menschen, die am 11. September 2001 bei den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington starben.

Anschlagserie im Südwesten von Bagdad: Iraker neben ausgebranntem Fahrzeug nach einer der Autobomben-Explosionen
REUTERS

Anschlagserie im Südwesten von Bagdad: Iraker neben ausgebranntem Fahrzeug nach einer der Autobomben-Explosionen

Im Laufe des Vormittags musste das US-Militär schon den Tod weiterer Soldaten melden – die Zahl der Gefallenen stieg auf 2978. Zwar geht das US-Verteidigungsministerium wegen anderer Zählweise von 15 Toten weniger als die Nachrichtenagentur aus, doch trotzdem setzt die ungebrochene Gewalt US-Präsident Bush weiter unter Druck. Er will nach Silvester eine neue Strategie für den Irak vorlegen; als eine Möglichkeit gilt die Entsendung zusätzlicher Kampftruppen.

Deutlich größer ist die Zahl der zivilen Toten im Irak - alleine heute starben in Bagdad bei einer Attentatserie mindestens 25 Menschen, 35 wurden verletzt. Im Südwesten der Stadt waren zeitgleich drei Autobomben explodiert. Sie gingen an einer viel befahrenen Kreuzung im Südwesten der Stadt in einem schiitischen Bezirk hoch.

Nach einer US-Studie verüben Aufständische im Irak Woche für Woche mehr als 900 Anschläge. Hauptziel seien die US-Truppen und ihre Verbündeten, die meisten Opfer seien aber Iraker.

Weil jeden Tag erneut Iraker und Amerikaner im Irak getötet werden, werden die Medien in den USA wohl schon bald vom Überspringen der nächsten symbolischen Zahl berichten: Noch bevor Bush seine neue Strategie verkündet, könnte der Irak-Einsatz für 3.000 US-Soldaten tödlich gewesen sein.

sac/ap/Reuters



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