Kriegsgefahr in Nahost Hamas droht Israel mit Selbstmordanschlägen

Im Nahen Osten lassen beide Seiten nach Ablauf der Waffenruhe die Muskeln spielen. Auf die Vorbereitungen Israels für eine Offensive im Gaza-Streifen antwortete die Hamas umgehend: Die Islamisten drohen mit neuen Selbstmordanschlägen.


Gaza - Drohgebärden im Nahen Osten: Hamas-Sprecher Aiman Taha kündigte an, im Falle härterer israelischer Militäreinsätze im Gaza-Streifen werde man vor Anschlägen nicht zurückschrecken. "Der palästinensische Widerstand hat das Recht, jedes Mittel einzusetzen, um sein Volk vor der israelischen Aggression zu schützen, einschließlich Märtyrer-Operationen", sagte Taha.

Seit dem Ende der ohnehin brüchigen Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinenserorganisationen im Gaza-Streifen am Freitagmorgen hatten Kämpfer des Islamischen Dschihad ihre Angriffe auf Israel verschärft. Seitdem sind nach Angaben der Armee mehr als 60 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert worden. Am Montag schlug allerdings bis zum frühen Nachmittag nur eine einzelne Mörsergranate in Israel ein.

Am Sonntagabend hatte die israelische Luftwaffe Raketenstellungen militanter Palästinenser beschossen. Dabei wurden nach Angaben von Augenzeugen drei Kämpfer und ein Kind verletzt.

Hamas wirft Israel vor, es habe in den letzten Wochen mit einer Verschärfung der Blockade des Gaza-Streifens gegen die Vereinbarungen der von Ägypten vermittelten Waffenruhe verstoßen. Israel fordert als Bedingung für eine Lockerung der Blockade einen Stopp der Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen.

Der israelische Online-Dienst ynet berichtete am Montag, der ägyptische Außenminister Ahmed Abu al-Gheit habe während eines Telefongesprächs mit seiner israelischen Amtskollegin Zipi Livni Sorge über die Lage im Gaza-Streifen geäußert. Israel sei verpflichtet, seine Bürger vor den Angriffen von dort zu schützen und werde "nicht gleichgültig bleiben", entgegnete Livni.

Israel hatte am Wochenende eine größere Offensive angekündigt, die derzeit vorbereitet werde. Im Wahlkampf versprachen zudem mehrere Spitzenpolitiker, die Hamas im Gaza-Streifen zu stürzen. Die Regierung gab sich auch gegenüber Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon entschlossen, auf die Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen mit militärischen Mitteln zu reagieren. Wie am Montag aus Diplomatenkreisen verlautete, schrieb die israelische Uno-Botschafterin Gabriela Schalev in einem Brief an Ban, dass das Land "nicht zaudern" werde, "militärisch zu handeln". Außerdem wolle Livni in diesem Zusammenhang bald die ausländischen Botschafter in Israel einberufen. Ban hatte sich am Freitag besorgt über die Situation im Gaza-Streifen geäußert.

Doch noch versuchen beide Seiten auch, die Wogen zu glätten. Die Hamas kündigte am Montag an, im Gaza-Streifen eine Feuerpause einzuhalten - allerdings nur 24 Stunden lang. Auf Bitten der ägyptischen Vermittler seien die Raketenangriffe am Sonntagabend eingestellt worden, sagte Hamas-Vertreter Taha am Montag. Zudem ziehe die Gruppe eine Initiative für einen längerfristigen Waffenstillstand in Betracht.

Auch Israel schlug zwischendurch sanftere Töne an. Ein Kabinettsmitglied signalisierte am Montag die Bereitschaft, den Waffenstillstand mit der radikal-islamischen Bewegung doch noch zu verlängern. "Eine Waffenruhe ist natürlich eine Option und kann ernsthaft geprüft werden", sagte Sozialminister Isaac Herzog, der auch Mitglied des Sicherheitskabinetts ist, dem israelischen Rundfunk. "Wie viele meiner Kollegen bin ich bereit, die Fortsetzung der Waffenruhe unter für Israel günstigen Bedingungen in Betracht zu ziehen."

als/Reuters/AFP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.