Kriegsgefangenenstatus Rotes Kreuz will Saddam bald besuchen

Nachdem Saddam Hussein offiziell zum Kriegsgefangenen erklärt worden ist, will das Internationale Rote Kreuz den irakischen Ex-Diktator so bald wie möglich besuchen. Der amerikanische Zivilverwalter im Irak sagte, ein Prozess gegen Saddam sei frühestens in einem halben Jahr zu erwarten.


Saddam: Besuch vom Roten Kreuz kann sich hinziehen
DDP

Saddam: Besuch vom Roten Kreuz kann sich hinziehen

Hamburg - Der Sprecher des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK), Ian Piper, sagte gegenüber der Schweizer Nachrichtenagentur sda in Genf, seine Organisation habe bereits Ende Dezember gefordert, Zugang zum früheren irakischen Machthaber zu erhalten.

Piper schätzt, dass es noch Wochen dauern könne, bis es soweit sein könnte. Ein genauer Termin stehe noch nicht fest. Obwohl es sich bei Saddam Hussein um einen prominenten Gefangenen handle, sei er aus der Sicht der Gefangenenbesuche für das IKRK "einer unter vielen, mit den gleichen Rechten wie alle anderen".

Das Pentagon hatte Saddam offiziell zum Kriegsgefangenen erklärt. Damit fällt er voll unter die Bestimmungen der Genfer Konventionen. Laut Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sei er zu deren Bedingungen bereits seit seiner Gefangennahme am 13. Dezember behandelt worden.

Laut Piper hat das IKRK nach den Konventionen über die Behandlung von Kriegsgefangenen das Recht, alle Personen, die im Zuge eines bewaffneten Konflikts gefangen genommen wurden, zu besuchen; seien es Kriegsgefangene, Verwundete oder Zivilpersonen. Nach IKRK-Angaben war Saddam seit seiner Festnahme durch die Genfer Konvention geschützt - entweder als Kriegsgefangener oder als Zivilinternierter.

Bremer: Saddam-Prozess frühestens in einem halben Jahr

Der Prozess gegen den gestürzten Diktator kann nach Ansicht des US-Verwalters für den Irak, Paul Bremer, frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres stattfinden. Voraussichtlich müsse zuerst die Machtübergabe an eine provisorische irakische Regierung stattfinden, sagte Bremer in einem Interview mit der arabischen Zeitung "Al-Hayat". Zudem werde es nicht einfach sein, ein irakisches Gericht nach internationalen Maßstäben zu etablieren.

Bremer dementierte Berichte, nach denen Saddam bei seiner Festnahme südlich von Tikrit unter Drogen gesetzt worden sei. Er habe einfach "müde und abgeschlagen" gewirkt.

Der US-Verwalter sagte in dem Interview, die US-Regierung lehne eine irakische Föderation auf ethnischer Basis ab. Es müsse ein vereinigtes Irak geben. Allerdings könne sich Washington ein föderatives System auf geographischer Grundlage vorstellen.

Der Vorsitzende der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP), Massud Barsani, hatte Ende Dezember ein föderatives politisches System für den Irak gefordert, um die Rechte der Kurden zu garantieren. In der künftigen Verfassung müsse eine Machtteilung zwischen Arabern, Kurden und anderen Gruppen festgeschrieben werden, sagte Barsani, der Mitglied des provisorischen Regierungsrates im Irak ist.

Am Donnerstag hatte der Chef der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), Dschalal Talabani, der irakischen Zeitung "Al-Sabah" gesagt, die beiden Kurdenparteien hätten nicht die Eingliederung der Stadt Kirkuk in das nordirakische kurdische Autonomiegebiet gefordert. "Kirkuk ist aber historisch Teil des Kurdengebiets", betonte er. Alle Gruppen, die sich dem Kurdengebiet freiwillig anschließen wollten - Kurden, Turkmenen, Araber, Assyrer und Christen - seien willkommen, fügte er hinzu.



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