Krise in Fernost Nordkorea kündigt Strategie für Atomrüstung an

Die Propagandaschlacht in Fernost geht in die nächste Runde. Nordkorea will sein Atomwaffenarsenal vergrößern und gleichzeitig die marode Wirtschaft ankurbeln. Das Politbüro der Arbeiterpartei habe bei seinem Treffen in Pjöngjang eine entsprechende strategische Linie beschlossen, hieß es am Sonntag.

Massenmobilisierung in Pjöngjang (am 29. März): Atomwaffen als "Leben der Nation"
AFP Photo/ KCNA via KNS

Massenmobilisierung in Pjöngjang (am 29. März): Atomwaffen als "Leben der Nation"


Seoul - Das Kriegsgetöse der nordkoreanischen Diktatur unter Führung von Kim Jong Un nimmt immer martialischere Formen an. Am Wochenende verkündete das Regime in Pjöngjang eine neue strategische Direktive, wonach das Arsenal an Nuklearwaffen vergrößert werden soll. Parallel dazu soll die als marode geltende Wirtschaft des asiatischen Landes angekurbelt werden. Das Politbüro der kommunistischen Arbeiterpartei habe die neue Linie beschlossen, "um den Aufbau der Wirtschaft und der Atomstreitmacht gleichzeitig zu betreiben", berichten am Sonntag die staatlichen kontrollierten Medien.

Das Wirtschaftsprogramm ziele auf Energie-Unabhängigkeit durch den Bau von Atomkraftwerken, zugleich soll die Landwirtschaft gestärkt und der Außenhandel intensiviert werden. Auch die Raumfahrtindustrie soll vorangetrieben werden. Nordkoreas erfolgreicher Satellitenstart im vergangenen Dezember wurde international jedoch kritisch beäugt: Die Uno nannte das Weltraumexperiment einen verkappten Test für mit Atomwaffen bestückte Interkontinentalraketen.

Ein hochrangiges Politbüro-Mitglied wurde mit blumigem Pathos zitiert: Nordkoreas Atomwaffen symbolisierten "das Leben der Nation". Sie würden niemals aufgegeben, solange die Imperialisten und ihre nuklearen Bedrohungen existierten. Die Sprengköpfe dienten weder als politische Verhandlungsmasse, noch versuche man durch sie US-Devisen zu erpressen. Westliche Analysten hatten zuvor gemutmaßt, Nordkoreas nukleares Muskelspiel der vergangenen Wochen diene vor allem dazu, auf politischer Bühne einen möglichst hohen Preis für die Abrüstung der Atomwaffen zu erzielen. Abrüstungsverhandlungen mit der Diktatur verlaufen seit Jahren ergebnislos.

Verärgert über harte Sanktionen, die im Februar von den USA verhängt wurden, übt sich das Land seit Wochen in Drohgebären. Am Samstag erklärte das Politbüro seinem demokratischen Nachbarn Südkorea den "Kriegszustand". Beide Länder befinden sich ohnehin seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950 - 1953) völkerrechtlich im Kriegszustand. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht geschlossen. Ein Waffenstillstandabkommen war vor kurzem von Nordkorea gekündigt worden.

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Konflikt mit Südkorea: Kriegsrhetorik aus Pjöngjang
Der zwischen Frieden und Krieg schwebende Zustand sei nun beendet, hieß es in der Proklamation des Regimes: Jede Provokation in der Nähe der Landes- und Seegrenze mit Südkorea werde in einen "umfassenden Konflikt und einen Atomkrieg" münden. Erneut wurden auch direkte Drohungen gegen die USA bekräftigt. Als mögliche Ziele nordkoreanischer Nuklearwaffen wurden - wie schon in den vergangenen Tagen - das Festland der USA, Hawaii und Guam sowie in Südkorea stationierte US-Truppen genannt.

Die südkoreanische Regierung erklärte am Samstag, die Drohungen aus dem Norden seien altbekannt. Im Verteidigungsministerium in Seoul, dem die Beziehungen zum Norden obliegen, hieß es, es gebe keine Hinweise auf ungewöhnliche Aktivitäten des nordkoreanischen Militärs. Die Äußerungen aus Pjöngjang seien nur eine weitere Provokationen.

Ähnlich äußerten sich die USA. Nordkorea habe eine "lange Geschichte der Kriegsrhetorik und Drohungen", sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats in Washington. Die jüngsten Ankündigungen folgten diesem bekannten Muster. Man nehme sie natürlich dennoch ernst.

bor/dpa/AP

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