Kriegsgrunddebatte Ex-Ministerin fordert Blairs Rücktritt

Im Mai war die britische Entwicklungsministerin Clare Short aus Protest gegen den Irak-Krieg aus dem Amt geschieden. Jetzt fordert sie den Rücktritt von Premierminister Tony Blair. Er habe offenbar die Bodenhaftung verloren und die Öffentlichkeit über die wahren Kriegsgründe belogen.


 Wird von seiner ehemaligen Ministerin hart angegangen: Tony Blair
DPA

Wird von seiner ehemaligen Ministerin hart angegangen: Tony Blair

London - In einem am Freitag veröffentlichten Fernseh-Interview beschrieb Short den Premierminister als einen abgehobenen Politiker, dem der Erfolg zu Kopf gestiegen ist. "Es ist eine Art Hybris", sagte sie. Blair glaube jetzt, er sei kein gewöhnlicher "Sterblicher" mehr. Deshalb habe er es auch für legitim gehalten, die Öffentlichkeit vor dem Irak-Krieg "ein bisschen hereinzulegen". Er sei vor "Halbwahrheiten, leichten Täuschungen und Übertreibungen" nicht zurückgeschreckt, um das Land von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen.

"Ich bin sicher, er war überzeugt, dass das, was er tat, richtig war", sagte Short. "Aber ich bin auch sicher, dass er das Land hereingelegt hat, in mehrfacher Hinsicht und in einer Art, die inakzeptabel ist, wenn es um Krieg und Frieden geht." Es sei in Blairs eigenem Interesse und im Interesse Großbritanniens, wenn er jetzt zurücktrete.

Tony Blair steht unter zunehmendem Druck, weil im Irak noch keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden sind. Ein Untersuchungsausschuss des Unterhauses hatte in dieser Woche außerdem seine Informationspolitik vor dem Krieg kritisiert.



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