Kriegsjahrestag Bush will im Irak durchhalten - und warnt seinen Nachfolger

Er sieht keinen Grund für eine Kurskorrektur: US-Präsident Bush hat zum fünften Jahrestag der Irak-Invasion seine Politik verteidigt - und die Verstärkung der Truppen als Erfolg gepriesen. Für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin fand er mahnende Worte.


Washington - Durchhalteparolen und Siegeszuversicht - US-Präsident George W. Bush zeichnet trotz aller Kritik ein positives Bild nach fünf Jahren Irak-Krieg. "Der Sturz Saddam Husseins war die richtige Entscheidung - und dies ist ein Kampf, den Amerika gewinnen kann und muss."

US-Präsident Bush: "Die Erfolge, die wir im Irak sehen, sind unbestreitbar"
REUTERS

US-Präsident Bush: "Die Erfolge, die wir im Irak sehen, sind unbestreitbar"

Bestätigt sah sich der Präsident bei seiner Rede im Verteidigungsministerium durch die Stabilisierung, welche die Aufstockung der US-Truppen im vergangenen Jahr im Irak gebracht habe. "Die Erfolge, die wir im Irak sehen, sind unbestreitbar."

Die jüngste Truppenverstärkung habe nicht nur die Wende gebracht, sondern auch die Tür zu einem "großen strategischen Sieg" gegen islamische Extremisten geöffnet, sagte Bush. Ohne diesen Schritt hätte die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak "die Ausmaße eines Völkermords erreichen können", sagte Bush. Der Irak sei zu einem Land geworden, in dem arabische und US-Streitkräfte gemeinsam gegen al-Qaida kämpften.

Bush räumte zwar ein, dass der Einsatz einen hohen Zoll sowohl an Menschenleben als auch an Finanzen gefordert habe. "Aber diese Kosten sind notwendig." Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz ab.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht vom 19. auf den 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Seitdem sind über 150.000 irakische Zivilisten und knapp 4300 US-Soldaten ums Leben gekommen. Die Gewalt im Irak ging aber erheblich zurück, seit die USA ihre Truppen um 30.000 Mann bis Juni vergangenen Jahres verstärkten. Doch das Land ist noch weit von friedlichen Verhältnissen entfernt, wie schwere Anschläge in den vergangenen Wochen belegen. Dennoch reduziert das US-Militär seine Truppen bereits wieder. Bis Juli sollen 20.000 Soldaten das Land verlassen haben, 140.000 werden dann dort vorerst noch stationiert sein.

In der Öffentlichkeit musste Bush vor allem wegen des Irak-Kriegs einen massiven Einbruch seiner Umfragewerte hinnehmen. Vor knapp eineinhalb Jahren gelang es deshalb den Demokraten, bei den Kongresswahlen den Republikanern die Mehrheit in beiden Kammern abzujagen. Im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf ist das Thema im Moment wegen der Folgen der Hypothekenkrise etwas in den Hintergrund gerückt.

Ohne ausdrücklich auf den gegenwärtigen Wahlkampf einzugehen, warnte Bush den nächsten Amtsinhaber im Weißen Haus vor einer raschen Beendigung des Einsatzes. Dies würde ein Vakuum schaffen, "in dem Terroristen und Extremisten Unterschlupf finden und zur Verbreitung von Chaos und Gewalt nutzen könnten", sagte Bush. "Der Irak würde im Chaos versinken." Radikal-islamische Terroristen würden dadurch gestärkt werden und die USA mit neuen Angriffen bedrohen.

flo/AFP/Reuters

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