Kriegsstudie Jeder fünfte Irak-Veteran ist traumatisiert

Depressionen, posttraumatische Störungen, Alpträume: Jeder fünfte US-Soldat leidet einer Studie zufolge unter schweren psychischen Problemen. Oft beginnt der Leidensdruck erst mit der Rückkehr aus dem Krisengebiet - laut den Gutachtern ist die Betreuung der Veteranen in den USA mehr als dürftig.


Washington - Es ist der tägliche Blick auf Blut und Bomben, die monatelange Konfrontation mit dem Tod, die Soldaten in Krisengebieten noch Jahre nach ihrer Rückkehr verfolgt. Für eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Instituts Rand Corporation wurden 2000 Veteranen aus den USA befragt, die zuvor in Krisengebieten wie dem Irak oder Afghanistan im Einsatz waren - und die Gutachter sind von den Ergebnissen alarmiert.

Irak-Veteranen in den USA: Nur die Hälfte der psychisch belasteten Soldaten ist in Behandlung
AP

Irak-Veteranen in den USA: Nur die Hälfte der psychisch belasteten Soldaten ist in Behandlung

Jeder fünfte US-Soldat hat der Untersuchung zufolge nach der Rückkehr von Einsätzen im Irak oder Afghanistan unter psychischen Problemen zu leiden. Bei etwa 300.000 Veteranen hätten die Kriegseinsätze Depressionen oder posttraumatische Störungen verursacht.

Etwa die Hälfte der psychisch Belasteten habe berichtet, während ihres Einsatzes erlebt zu haben, dass ein Kamerad schwer verletzt oder getötet wurde. Etwa 45 Prozent gaben an, getötete oder schwer verletzte Zivilisten gesehen zu haben. Bislang wurden aus den USA rund 1,6 Millionen Soldaten nach Afghanistan oder in den Irak entsandt.

Die Wissenschaftler beklagten in dem Gutachten eine mangelnde psychologische Betreuung der Heimkehrer. Nur 53 Prozent jener Soldaten, die unter Depressionen oder Traumata litten, hätten in den vergangenen zwölf Monaten ärztliche Behandlung erfahren.

Den Männern und Frauen drohten schwere gesundheitliche Konsequenzen, erklärte Studienleiterin Terri Tanielan. Sollten sie nicht angemessen behandelt werden, habe dies sowohl für sie selbst als auch für das Land langfristige Auswirkungen, sagte Tanielan.

Ein weiteres großes Risiko sehen die Wissenschaftler in Hirntraumata, die vor allem durch am Straßenrand plazierte Sprengsätze hervorgerufen würden. Bei etwa 19 Prozent der Heimgekehrten seien Symptome dieser Verletzungen festgestellt worden, deren langfristige Auswirkungen auf die psychische Gesundheit bislang noch nicht eindeutig geklärt sind. Die US-Armee erkenne solche Hirntraumata erst seit kurzem als eine der "unsichtbaren Wunden" des Krieges an, heißt es in dem Bericht. Die Mehrzahl der Leidenden - 57 Prozent - wird demzufolge nicht ärztlich behandelt.

amz/AFP/AP



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