Kriegsverbrechen im Kongo Rebellenchef Bosco Ntaganda schuldig in allen Anklagepunkten

Der Rebellenführer Ntaganda, genannt "Terminator", muss sich wegen Kriegsverbrechen im Norden des Kongo verantworten. Erstmals fällte der ICC auch ein Urteil wegen sexueller Gewalt in dem Bürgerkrieg.

Bosco Ntaganda, ehemaliger Soldat Ruandas und des Kongo und Rebellenführer der CNDP
Eva Plevier/AFP

Bosco Ntaganda, ehemaliger Soldat Ruandas und des Kongo und Rebellenführer der CNDP


Die erste Anklage gegen den berüchtigten Warlord und kongolesischen Ex-General Bosco Ntaganda gab es schon 2006. Weil er bis 2013 weiter in der Armee der Demokratischen Republik Kongo diente, war er lange Zeit das Symbol für Straffreiheit in dem zentralafrikanischen Land.

Jetzt hat ihn der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag wegen Kriegsverbrechen in 18 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Als Kommandant habe Ntaganda die Rebellengruppe "Patriotische Kräfte für die Befreiung des Kongos" (CNDP) zu grausamen Verbrechen angetrieben, erklärte der Vorsitzende Richter Robert Fremr. "Ntaganda hatte eine wichtige militärische Position und war einer der Hauptführer."

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Ruanda: Wie der Völkermord zu zwei Kongokriegen führte

Für die Abertausende Opfer von Ntagandas Kriegsführung in der Provinz Ituri in den Jahren 2002 und 2003 könnte es spät ein wenig Genugtuung bringen. Für den ICC ist die Verurteilung ein dringend benötigter Erfolg: Es ist erst die dritte Verurteilung wegen Kriegsverbrechen in der 17-jährigen Geschichte des Gerichts und das erste Urteil zum Einsatz von sexueller Gewalt als Kriegswaffe im Kongo.

Vom Völkermordflüchtling zum Kriegsverbrecher

Ntaganda war 1994 aus seiner Heimat Ruanda vor dem Völkermord in den benachbarten Kongo geflohen. Dort schloss er sich in einem Flüchtlingslager der Ruanda Patriotic Front (RPF) des heutigen ruandischen Staatschefs Paul Kagame an. Die RPF konnte den Völkermord in seiner Heimat nach drei Monaten beenden.

Bosco Ntaganda, 2010 als kongolesischer General, seit 2006 zur Fahndung ausgeschrieben
AP/dpa

Bosco Ntaganda, 2010 als kongolesischer General, seit 2006 zur Fahndung ausgeschrieben

Von Ruanda ging Ntaganda dann erst als Soldat, später als Kommandierender in zwei Kongokriegen - 1996/1997 und 1998 bis 2003 - in den Kampf. Dort legte er sich ab 2002 als Stabschef der Miliz CNDP wegen seiner Grausamkeit den Kampfnamen "Terminator" zu. 2009 stürzte Ntaganda den berüchtigten Rebellenchef Laurent Nkunda und setzte sich selbst an die Spitze der CNDP, ehe er sie für einige Jahre mit der kongolesischen Nationalarmee verschmolz.

Ntaganda soll zeitweilig die Unterstützung des ruandischen Präsidenten Kagame genossen haben. 2013 hatte sich der "Terminator" nach sieben Jahren auf der Flucht selbst gestellt. Manche vermuten, nachdem Kagame ihn fallen gelassen hatte. Ntaganda hatte stets seine Unschuld beteuert. "Ich bin ein Revolutionär, kein Verbrecher", hatte er im vergangenen Jahr in seinem Schlusswort den Richtern erklärt. Er kann nun Berufung gegen das Urteil einlegen.

cht/dpa/Reuters

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