Kriegsverbrechen Kroatischer Ex-General Gotovina gefasst

Der ehemalige kroatische General Ante Gotovina ist auf Teneriffa gefasst worden. Er wird für den Tod zahlreicher Serben im kroatischen Unabhängigkeitskrieg verantwortlich gemacht.


Belgrad - Die Chefanklägerin des Uno-Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte, informierte heute in Belgrad über die Festnahme: "Er ist jetzt in Haft." Sie dankte den kroatischen und spanischen Behörden für die Zusammenarbeit. Gotovina wurde am Donnerstag von Teneriffa in ein Gefängnis außerhalb Madrids gebracht und soll in den kommenden Tagen an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt werden.

Ante Gotovina: Der General soll für die "Operation Sturm" verantwortlich gewesen sein
AFP

Ante Gotovina: Der General soll für die "Operation Sturm" verantwortlich gewesen sein

Der Ex-General war den Angaben zufolge auf der Grundlage eines internationalen Haftbefehls gestern Abend in einem Hotel im Touristenort Playa de las Américas im Süden von Teneriffa festgenommen worden. Die spanische Polizei sei ihm bereits seit mehreren Tagen auf den Fersen gewesen. Gotovina habe sich auf verschiedenen Inseln des Archipels versteckt gehalten.

Gegen ihn wurde 2001 Anklage erhoben, seitdem war er auf der Flucht. Gotovina soll für den Tod von 150 Serben und die Vertreibung weiterer 150.000 Menschen während der kroatischen Offensive 1995 in der Krajina verantwortlich sein. Hunderte weitere gelten bis heute als vermisst. Mehrere Zehntausend Menschen wurden in die Flucht getrieben. Zu den im Februar 2004 vom Haager Tribunal veröffentlichten Anklagepunkten zählen Verfolgung aus politischen, ethnischen und religiösen Motiven, Mord, Vertreibung, Plünderung und Verletzung des Kriegsrechts.

Die Forderung nach einer Auslieferung des Ex-Generals hat in diesem Jahr die Aufnahme von Beitrittsgesprächen der EU mit Kroatien verzögert. Die Regierung in Zagreb hatte jedoch stets erklärt, dass Gotovina das Land verlassen habe und dass sein Aufenthaltsort unbekannt sei. Von zahlreichen Landsleuten wird er immer noch als Held und Symbol der Unabhängigkeit des Landes verehrt.

In Kroatien kam es am Donnerstagabend zu Protesten gegen die Festnahme Gotovinas. In der Hauptstadt Zagreb demonstrierten mehrere hundert Anhänger des Ex-Generals vor dem Regierungsgebäude. Der Protest verlief nach Medienangaben friedlich.

Nato und EU begrüßten die Festnahme. Am Rande eines Treffens der Außenminister der Allianz sagte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer in Brüssel: "Das sind gute Nachrichten." EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn sagte: "Es ist fundamental wichtig, dass alle Beschuldigten vor Gericht gestellt werden." Nur so könne es zur Versöhnung auf dem westlichen Balkan kommen und das Internationale Tribunal in Den Haag seine Arbeit erfolgreich beenden. Rehn forderte die Serben auf, endlich die auch als Kriegsverbrecher gesuchten Ratko Mladic and Radovan Karadzic an Den Haag auszuliefern.



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