Kriegsverbrechen Langjährige Haftstrafen für Vergewaltigungen

Manche ihrer Opfer waren gerade einmal zwölf Jahre alt. Im bosnischen Bürgerkrieg folterten, vergewaltigten und verkauften sie Mädchen und Frauen. Erstmals sind in Den Haag drei Männer ausschließlich wegen sexueller Verbrechen verurteilt worden.


Den Haag - Das Uno-Kriegsverbrechertribunal verhängte die Strafen gegen drei bosnische Serben, die im Bosnienkrieg gefangene Musliminnen vergewaltigt und als Sex-Sklavinnen gehalten hatten. Gefängniskommandant Dragoljub Kunarac, 40, wurde zu 28 Jahren Haft verurteilt, sein Stellvertreter Radomir Kovac, 39, zu 20 Jahren und Zoran Vukovic, 44, ein weiterer Aufseher, zu zwölf Jahren Gefängnis. Sie vergewaltigten, folterten und erniedrigten ihre Opfer und verkauften einige, sobald sie ihrer überdrüssig waren, erläuterte die Vorsitzende Richterin. Dabei übten sie Terror auf ihre Opfer aus, von denen einige erst 12 und 15 Jahre alt waren.

"Für einen gezielten Einsatz der Vergewaltigungen als gewolltes Mittel der serbischen Kriegsführung hat sich kein Beweis gefunden", sagte Richterin Florence Mumba. Dennoch sei klar geworden, dass ein Ziel der von den drei Angeklagten ausgeübten sexuellen Gewalt gegen weibliche Zivilisten die Vertreibung der Muslims aus dem Gebiet war. Diese Kampagne der so genannten ethnischen Säuberung sei letztlich erfolgreich gewesen. Foca gehöre heute zur serbischen Region in Bosnien-Herzegowina und trage auch einen anderen Namen.

Die Opfer der sexuellen Gewalt waren den Tätern wehrlos ausgeliefert. Sie konnten auch nicht fliehen. "Es gab keinen Platz, wohin sie sich wenden konnten", zitierte die Richterin aus den Aussagen der zahlreichen Zeugen. Einige Frauen hatten vor Beginn ihrer Leidenszeit noch miterlebt, wie ihre Männer von Serben erschossen oder in Gefangenschaft verschleppt wurden. Eine Zeugin hatte im Prozess berichtet, dass sie ihre Tochter, die mit ihr misshandelt worden und später nach Montenegro verkauft worden war, nie wiedergesehen hat.

Die Taten der zur Militärpolizei oder zur serbischen Miliz gehörenden Angeklagten wurden vom Gericht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und als Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht bewertet. Dabei sahen die Richter nicht alle Punkte der Anklage als ausreichend bewiesen an. Die Schwere der eindeutig belegten Taten reichte aber für die Verhängung hoher Strafen aus.

Die Staatsanwaltschaft registrierte mit Genugtuung, dass die Verbrechen vom Gericht als besonders schwerwiegend beurteilt wurden. Zum ersten Mal sei sexuelle Versklavung als Straftatbestand anerkannt worden, hob Staatsanwalt Dirk Ryneveld nach der Urteilsverkündung hervor.



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