Kriegsverbrechen Serbischer Ex-General verurteilt

Das Uno-Tribunal hat den ehemaligen Top-Militär Perisic zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte seine Landsleute in den Bürgerkriegen in Bosnien und Kroatien mit Soldaten und Waffen versorgt - und so die Kriegsverbrechen erst ermöglicht. Das Urteil hat weitreichende Folgen.
Muss 27 Jahre ins Gefängnis - Ex-General Perisic

Muss 27 Jahre ins Gefängnis - Ex-General Perisic

Foto: Peter Dejong/ dpa

Den Haag - Erstmals hat das Uno-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag nachgewiesen, wie sehr Serbien in die Kriegsverbrechen in Bosnien und Kroatien verstrickt war. Der Militär des serbischen Autokraten Slobodan Milosevic, Generalstabschef Momcilo Perisic, muss dafür für 27 Jahre ins Gefängnis. Er habe für "die substanzielle Unterstützung" der Serben in den Bürgerkriegen in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) und Kroatien (1991-1995) gesorgt, begründete der Vorsitzende Richter in Den Haag, Bakone Moloto.

Damit stellte erstmals ein Gericht fest, dass Serbien und das damals noch gemeinsam mit Montenegro gebildete Jugoslawien maßgeblich in die kroatischen und bosnischen Bürgerkriege verwickelt waren. Dieser Nachweis dürfte bei verschiedenen Klagen gegen Serbien vor internationalen Gerichten in Zukunft eine Rolle spielen. Möglicherweise könnten sich darauf auch Schadensersatzansprüche in dreistelliger Milliardenhöhe gründen.

Die serbischen Armeen hätten ohne die von Perisic organisierte Unterstützung mit Waffen, Soldaten und Offizieren nicht ihre Verbrechen durchführen können, erklärten das Gericht weiter. Die Lieferung von Munition und Ersatzteilen habe die bosnischen und kroatischen Serben erst in die Lage versetzt, dort "Kriegsverbrechen" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" zu verüben. Der sei für die "extensive logistische Unterstützung" der Serben in den beiden Nachbarländern verantwortlich gewesen, so das Urteil.

Perisic habe in enger Kooperation mit Milosevic und dem bosnisch-serbischen Militärführer Ratko Mladic "riesige Mengen von Infanterie- und Artilleriemunition, Treibstoff, Ersatzteile und das Training und die technische Hilfe" sowie Offiziere und Soldaten bereitgestellt. Auch Mladic wird derzeit in Den Haag der Prozess gemacht. Das bedeute im Klartext, dass Belgrad die vielen Kriegsverbrechen in Sarajevo, Srebrenica und Kroatien erst ermöglicht habe, heißt es in der Perisic-Entscheidung.

Mit dem Urteil ahnde das Tribunal auch Perisics Rolle bei der monatelangen Belagerung Sarajevos und beim Massaker von Srebrenica im Juli 1995, sagte der Vorsitzende Richter Moloto. Damals waren die bosnisch-serbischen Truppen in die Uno-Schutzzone Srebrenica einmarschiert und hatten rund 8000 bosnische Muslime verschleppt und getötet.

Der heute 67-Jährige Perisic war von 1993 bis 1998 Generalstabschef der jugoslawischen Armee. Er hatte auf nicht schuldig plädiert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Internationale Strafgerichtshof habe das Urteil über Ex-General Perisic gesprochen. Tatsächlich stand er vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

heb/dpa/AFP/Reuters
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