Kriegsverbrechen Vier Serben wegen Massaker in Srebrenica verurteilt

Der Prozess war ein Test: Wie arbeitet die serbische Justiz die Kriegsverbrechen von Srebrenica auf? Vier Beteiligte, angeklagt wegen der Ermordung von sechs wehrlosen jugendlichen Bosniern, hat ein Kriegsverbrechertribunal nun zu insgesamt 58 Jahren Haft verurteilt.


Belgrad - Die vier Männer, allesamt Mitglieder der berüchtigten paramilitärischen Vereinigung "Skorpione", hatten sechs jugendliche bosnische Muslime während des Bosnienkriegs (1992 bis 1995) getötet und dies auf Video aufgenommen. Die Aufzeichnung wurde im Juni 2005 im Rahmen des Prozesses gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic entdeckt.

Zuerst hatte das Video nur innerhalb der Gruppe zirkuliert. Später strahlte es auch ein serbischer Fernsehsender aus und sorgte damit für heftigen Wirbel. Die serbische Öffentlichkeit hatte Vorwürfe serbischer Kriegsverbrechen bis dahin als Propaganda abgetan.

Wie das zuständige Gericht in Belgrad heute erklärte, hatten die verurteilten Serben die sechs Bosnier am 17. Juli 1995 in dem kleinen Ort Trnovo im damaligen Uno-Schutzgebiet im Osten Bosniens kaltblütig erschossen.

Erstes Urteil eines serbischen Gerichts im Fall Srebrenica

Der Befehlshaber der Einheit, Slobodan Medic, und ein zweiter Angeklagter wurden wegen der Bluttat zu jeweils 20 Jahren Haft verurteilt. Ein dritter Beschuldigter, der als einziger die Tat gestanden hat, erhielt 13 Jahre Haft. Der vierte Angeklagte wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Einen fünften Angeklagter, ebenfalls Mitglied der gleichen paramilitärischen Gruppe, sprach das Gericht frei.

Es war das erste Urteil eines serbischen Gerichts in Zusammenhang mit dem Massaker von Srebrenica, dem in den letzten Monaten des Bosnienkrieges 8000 muslimische Männer und Jungen zum Opfer fielen. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag bezeichnete im Februar das Massaker als einen Akt des Völkermordes und wies dem serbischen Staat eine Mitverantwortung an den Gräueltaten im Bosnienkrieg zu. Kurz darauf entschuldigte sich die amtierende Regierung der bosnischen Serbenrepublik für die Kriegsverbrechen.

Der Prozess galt als wichtiger Testfall dafür, wie die serbische Justiz die Kriegsverbrechen von damals aufarbeitet. Wegen dieses Verbrechens hat das Den Haager Uno-Tribunal den damaligen politischen Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und dessen Armeechef Ratko Mladic angeklagt. Beide sind seit über einem Jahrzehnt auf der Flucht.

In Kroatien wurde bereits ein Mitglied der Vereinigung zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er war ebenfalls durch das Video entlarvt worden.

fba/AP/dpa/Reuters



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