Kriegsverbrechen Zehntausende demonstrieren für Gotovina

In der kroatischen Hafenstadt Split haben zehntausende Menschen gegen die Auslieferung von Ex-General Gotovina nach Den Haag demonstriert. Er soll Montag erstmals dem Kriegsverbrecher-Tribunal vorgeführt werden.


Split/Wien - Allein in Split waren rund 40.000 Menschen zu der Demonstration gekommen. Viele hielten Kreuze oder Kerzen in ihren Händen oder schwenkten kroatische Fahnen. "Wir schämen uns für unsere Regierung und unser Parlament", rief ein Vertreter der nationalistischen Bürgerkriegsveteranen-Vereinigung HVIDRA den Teilnehmern zu. "Was für eine Regierung kann sich darauf konzentrieren, ihre eigenen Generäle zu verhaften und auszuliefern?"

Demo in Split: "Ante Gotovina - Stolz seines Heimatlandes"
AFP

Demo in Split: "Ante Gotovina - Stolz seines Heimatlandes"

Ante Gotovina sei ein "Symbol des kroatischen Volks", sein Prozess sei der "Prozess des kroatischen Volks", sagte Zeljko Strize, einer der Organisatoren in Split. Die Protestteilnehmer forderten die Regierung in Zagreb auf, sich für die Verlegung des geplanten Prozesses nach Kroatien einzusetzen. Bis zum Prozessbeginn müsse Gotovina auf freien Fuß gesetzt werden.

Es sei beschämend, dass die Behörden des Landes vor den Weltmächten kriechen, sagte Strize. Weitere Redner äußerten ähnliche Ansichten. Gotovina sei ein Held und kein Verbrecher, stand auf einigen Bannern zu lesen. Mehrere Demonstranten trugen schwarze T-Shirts mit dem Aufdruck "Ante Gotovina - Stolz seines Heimatlandes". Der Bürgermeister von Split, Zvonimir Pulic, und der Regierungschef der Region Split, Ante Sanader, wurden von der Menge niedergepfiffen. Viele Spruchbänder richteten sich auch gegen Kroatiens Präsident Stipe Mesic. Die Protestkundgebung ging friedlich zu Ende.

In der kroatischen Hauptstadt Zagreb sowie in Vukovar, Karlovac, Gospic, Djakovo, Bjelovar und Sibenik demonstrierten ebenfalls viele Menschen. Auch in einigen vorwiegend von Kroaten bewohnten Orten im benachbarten Bosnien gab es Demonstrationen für Gotovina. In Wien versammelten sich rund 300 Kroaten. Dort forderte die Menge, Mesic zu töten. Er sei ein Verräter, da er Gotovinas Festnahme nicht verhindert habe, hieß es.

Viele Kroaten verehren Gotovina bis heute als "Befreier". Im Jahr 1993 hatte er seine Heimatstadt Zadar gegen einen serbischen Angriff verteidigt. Die spanischen Behörden hatten den 50-Jährigen am Samstag an das Tribunal ausgeliefert. Am Montag soll er zum ersten Mal dem Gericht vorgeführt werden. Dem seit 2001 untergetauchten General wird der Tod und die Vertreibung von serbischen Zivilisten bei der Rückeroberung der Krajina zur Last gelegt.



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