Kriegsverbrecher Liste mit Mladics Wohnungen veröffentlicht

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Karadzic ist gefasst, doch wo steckt sein Kumpan Ratko Mladic? Eine serbische Zeitung hat jetzt eine Liste mit dessen früheren Wohnorten veröffentlicht. Inzwischen wurde auch bekannt, dass der Mann, unter dessen Namen sich Karadzic versteckte, noch lebt.


Belgrad - Sieben Wohnungen stehen auf der Liste, die die serbische Zeitung "Politika" am Freitag abdruckte. Es handle sich dabei um die Wohnorte des untergetauchten Kriegsverbrechers Ratko Mladic bis Januar 2006, die den Behörden schon seit zwei Jahren bekannt seien. Die Adressen hätten eine zentrale Rolle im laufenden Prozess gegen elf angebliche Helfershelfer des früheren Militärchefs der bosnischen Serben gespielt. Bis auf eine Ausnahme befinden sich diese Wohnungen demnach alle in Neu-Belgrad.

Gesuchter Ex-Militärchef Mladic: Wohnte fast die ganze Zeit in Belgrad
REUTERS

Gesuchter Ex-Militärchef Mladic: Wohnte fast die ganze Zeit in Belgrad

Nach der Festnahme des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic wächst der Druck auf die serbischen Behörden, auch seinen damaligen Mitstreiter Mladic zu verhaften. Die unverzügliche Festsetzung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers wird von den USA und der EU als Voraussetzung für einen möglichen Beitritt in die Europäische Union gefordert. Mladic war Militärchef der bosnischen Serben im Bürgerkrieg zwischen 1992 und 1995, seit 13 Jahren ist er vom Uno-Tribunal wegen schwerster Kriegsverbrechen angeklagt.

Bis 2001 konnte Mladic sich in Serbien völlig frei bewegen. Er war zuletzt in einem Belgrader Fußballstadion gesehen worden. Seitdem hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, dass der als "Schlächter vom Balkan" bezeichnete Mladic von der Armee in deren Kasernen versteckt werde. Die Militärführung hat das stets bestritten. Die Regierung beteuerte wiederholt, sie kenne den Aufenthaltsort nicht.

Dragan Dabic lebt

Die serbische Regierung gab unterdessen bekannt, dass Dragan Dabic, dessen Identität Karadzic angenommen hatte, am Leben ist. Ursprünglich hieß es, der Namensgeber sei während des Bosnien-Kriegs 1993 ums Leben gekommen, was dem ehemaligen Serbenführer die ideale Chance geboten habe, sich als Dabic auszugeben.

Doch nun heißt es, der 66-Jährige Dragan Dabic arbeite als Bauer und Bauarbeiter in Ruma, nördlich von Belgrad. Die Identität in den Pässen der beiden Männer stimme 100-prozentig überein - bis auf das Foto. Dabic sei entsetzt gewesen, als er erfahren habe, dass einer der weltweit meistgesuchten Kriegsverbrecher unter seinem Namen gelebt habe, sagte der Regierungsbeamte Rasim Ljaric.

Karadzic war am Montag festgenommen worden und wird vom Internationalen Tribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen und Völkermord angeklagt. Der echte Dabic wurde am Donnerstagabend in Ruma von Reportern umringt. Auch die Polizei war dort und vernahm den Mann, um etwaige Verbindungen zu Karadzic zu untersuchen. Dabic war empört darüber, dass er einer entsprechenden Befragung unterzogen werden soll.

Sein Name ist offenbar nicht ungewöhnlich in Serbien. Allein in Belgrad stießen die Behörden nach eigenen Angaben auf sieben Personen mit dem gleichen Namen. Einige davon waren in jüngerer Zeit gestorben, andere lebten noch.

Mehrere hundert Ultranationalisten protestierten unterdessen in Belgrad erneut gegen die Verhaftung des früheren Präsidenten der bosnischen Serben. Die Demonstranten riefen in Sprechchören Karadzics Namen und kritisierten die pro-westliche serbische Regierung.

Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien
Völkermord
DPA
Völkermord ist der Rechtsbegriff für das schlimmste denkbare Verbrechen - Handlungen mit dem Ziel, ein Volk, eine Ethnie oder auch eine Glaubensgemeinschaft zu vernichten. Das Massaker von Srebrenica, bei dem im Juli 1995 rund 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden, wird von internationalen Strafrechtlern als ein solches Verbrechen eingestuft. Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic gilt zusammen mit seinem noch flüchtigen einstigen Militärchef Ratko Mladic als Hauptverantwortlicher für das Massaker.
Die Definition
Der Begriff Völkermord ist auch unter der Bezeichnung Genozid geläufig. Genozid ist aus dem griechischen genos (Herkunft) und dem lateinischen caedere (töten) zusammengesetzt. Der jüdische Anwalt Raphael Lemkin, der aus Polen in die USA geflüchtet war, prägte das Wort 1944, um eine Grundlage für die Bestrafung der Verbrechen zu legen, die von den Nationalsozialisten begangen wurden.

Völkermord umfasst nach Artikel zwei der Uno-Konvention 260 von 1948 Handlungen gegen Mitglieder einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe, die in der Absicht begangen werden, die Gruppe ganz oder zum Teil auszulöschen. Mit der Konvention 260 wurde der Völkermord international geächtet.
Die Straftatbestände
Zu den Straftatbeständen, die von der Völkermordskonvention erfasst werden, gehört das Töten, das Zufügen von ernsthaften körperlichen oder geistigen Schäden, die Auferlegung von Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen, die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung und die Verschleppung von Kindern.
Verurteilungen
Mit dem Ex-Soldaten Drazen Erdemovic wurde 1998 der erste Verantwortliche für das Massaker zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er wurde im Jahr 2000 in Norwegen vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Vier weitere Soldaten wurden zu Haftstrafen zwischen neun und 20 Jahren verurteilt.
Das Tribunal
AFP
Das Internationale Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien in Den Haag hat bisher einen Angeklagten wegen Völkermords verurteilt: den bosnisch-serbischen General Radislav Krstic wegen des Massakers von Srebrenica. Insgesamt erhob das Kriegsverbrechertribunal seit seiner Gründung vor 15 Jahren Anklage gegen 161 Menschen.
Die Anklage gegen Karadzic
AP
Radovan Karadzic ist vor dem Internationalen Tribunal für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Das von der Uno eingerichtete Tribunal in Den Haag wirft ihm vor, während des Kriegs in Bosnien zwischen 1992 und 1995 zusammen mit dem bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic einen Plan zur "ethnischen Säuberung" bestimmter Gebiete Bosnien-Herzegowinas erarbeitet zu haben. Zur Verwirklichung ihres Ziels eines großserbischen Staats hätten die bosnisch-serbischen Führer einen Aktionsplan in Gang gesetzt, der mit "Verfolgungen und Terrortaktiken" sowie Vertreibung und Vernichtung verbunden gewesen sei.
Die Gesuchten
Ratko Mladic

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Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic (Bild links) war hinter Karadzic die Nummer zwei auf der Fahndungsliste des Uno-Tribunals. Wie Karadzic ist auch der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg angeklagt. Dem 66-Jährigen droht lebenslange Haft, sollte er in den 15 Anklagepunkten schuldig gesprochen werden.

Mladic ist auf der Flucht, seit das Haager Tribunal 1995 seine Anklage veröffentlichte. Das Uno-Tribunal vermutet, dass er sich in Serbien versteckt hält, wo auch Karadzic nun verhaftet wurde. Er ist der einzige der 19 wegen des Massakers von Srebrenica angeklagten mutmaßlichen Haupttäter, der noch nicht gefasst ist.

Goran Hadzic

Der ehemalige Präsident der selbst ernannten serbischen Republik Krajina in Kroatien ist wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Der 49-Jährige soll für den Tod Hunderter kroatischer Zivilisten und die Deportation von Zehntausenden Kroaten durch die serbischen Truppen während des Kroatien-Krieges verantwortlich sein. Hadzic tauchte unter, kurz nachdem die Anklage gegen ihn im Juli 2004 bekanntgegeben wurde.

fat/AP/dpa



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