Kriegsverbrecher Serben empört über Urteile des Uno-Tribunals

Mit Empörung und Wut hat Serbien auf die Verurteilung von fünf Militärs und Politikern wegen Kriegsverbrechen im Kosovo reagiert. Die Entscheidung des Uno-Tribunals in Den Haag werde zu einem weiteren Vertrauensverlust in die Unabhängigkeit der Richter führen, hieß es.


Belgrad - In Serbien ist die Stimmung nach dem Urteil des Kriegsverbrechertribunals eindeutig: "Neue Haager Ungerechtigkeit", titelte die Zeitung "Press" am Freitag in Belgrad. "Von Anfang an war das ein politischer Prozess", zitierten die Medien Innenminister Ivica Dacic.

Fünf ehemalige Spitzenvertreter der Polizei, des Militärs und der Politik waren am Donnerstag vom Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu Haftstrafen von 15 bis 22 Jahren verurteilt worden. Sie seien vor einem Jahrzehnt in dem heute selbständigen Staat Kosovo an schwersten Verbrechen wie Massenmorden, Vergewaltigungen und der Vertreibung von Hunderttausenden Albanern beteiligt gewesen, lautete das Urteil. Ex-Präsident Milan Milutinovic war dagegen freigesprochen worden.

Trotz des Freispruchs für Milutinovic ist die Empörung bei den Serben groß. "Sie wurden verurteilt, weil sie ihre Arbeit machten und Serbien verteidigten", sagte der Politiker Dragan Markovic. Das Urteil werde zu einem "weiteren Vertrauensverlust" der Bevölkerung in die Unabhängigkeit der Uno-Richter führen, prophezeite der in der serbischen Regierung für Den Haag zuständige Minister Rasim Ljajic.

Politiker und Medien äußerten die Meinung, das Uno-Tribunal verurteile vor allem Serben wegen der Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien während der neunziger Jahre. Angeklagte Kroaten, Muslime und Albaner seien dagegen unverhältnismäßig oft freigesprochen worden.

als/AP



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