Kriegsverbrecher Serben und Uno dementieren Mladic-Festnahme

Das Uno-Kriegsverbrechertribunal und die serbische Regierung haben Meldungen dementiert, dass Ratko Mladic festgenommen wurde. Serbische Medien hatten zuvor berichtet, der seit Jahren als Kriegsverbrecher gesuchte General sei gefasst worden. Die Behörden sollen aber mit Mladic über eine Kapitulation verhandeln.


Hamburg - "Die Nachrichten über Ratko Mladic sind nicht korrekt. Das ist eine Manipulation, die die Regierung beschädigt und nicht zu ihren Anstrengungen beiträgt, vollständig mit Den Haag zusammenzuarbeiten", sagte Regierungssprecher Srdjan Djuric in Belgrad.

Ratko Mladic: Angeklagt wegen Völkermord
REUTERS

Ratko Mladic: Angeklagt wegen Völkermord

Möglicherweise steht die Festnahme aber unmittelbar bevor. Einem ranghohen Sicherheitsmitarbeiter zufolge ist der Aufenthaltsort des mutmaßlichen Kriegsverbrechers bekannt. Es liefen Verhandlungen über eine Kapitulation mit Mladic, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Zuvor hatte der bosnische TV-Sender BN aus Bijeljina nach Angaben der staatlichen serbischen Nachrichtenagentur Tanjug gemeldet, Mladic sei bereits gefasst. Der frühere Kommandierende der bosnischen Serben sei in Belgrad in Gewahrsam genommen worden, hatte Tanjug berichtet. Er werde über die bosnische Stadt Tuzla an das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt.

Eine Sprecherin des Uno-Tribunals in Den Haag sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE, ihr lägen keine Informationen über eine Festnahme vor. Später bestätigte die Sprecherin von Chefanklägerin Carla del Ponte, Florence Hartmann: "Wir dementieren formell die Festnahme von Mladic". Die Berichte serbischer Medien seien voreilig. "Unseres Wissens läuft noch nicht einmal ein Einsatz zur Festnahme." Hartmann forderte die serbische Regierung erneut auf, den ehemaligen General festzunehmen.

Mladic ist wegen Völkermords während des Bosnienkriegs 1992 bis 1995 angeklagt. Zusammen mit dem ebenfalls flüchtigen Chef der bosnischen Serben Radovan Karadzic soll er für die Ermordung von 8000 Muslimen in Srebrenica und den Tod von 10.000 Zivilisten bei der Belagerung Sarajevos verantwortlich sein.

In serbischen Zeitungen gab es schon mehrfach Berichte über eine bevorstehende Verhaftung Mladics. Derartige Vermutungen fielen zeitlich häufig mit Ultimaten westlicher Länder zusammen, durch die Druck auf das Land ausgeübt werden sollte. Auch jetzt drängt wieder ein solches Ultimatum: Die Europäische Union hat Belgrad mit dem Abbruch der Gespräche über engere Beziehungen gedroht, sollte der Exgeneral nicht bis Ende des Monats gefasst sein.

ler/Reuters/AP



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