"Vaterlands"-Orden
Putin ehrt Hunderte Journalisten für Krim-Berichterstattung
Gelobt werden "hohe Professionalität und Objektivität": Wladimir Putin hat laut Zeitungsbericht 300 Journalisten für ihre Berichterstattung über die Krim-Annexion ausgezeichnet. Kreml-kritische Medien finden sich nicht auf der Liste.
Präsident Putin: Orden für "Verdienste um das Vaterland" ausgelobt
Foto: MIKHAIL KLIMENTYEV/ AFP
Moskau - Wladimir Putin hat einem Zeitungsbericht zufolge Hunderte Journalisten für ihre Berichterstattung über den Anschluss der Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland belobigt. Geehrt würden in dem Dekret der russischen Präsidenten "hohe Professionalität und Objektivität", berichtete die Moskauer Zeitung "Wedomosti" am Montag.
Es sei am 22. April unterzeichnet worden, werde aber bisher geheim gehalten, hieß es. Auf der Liste stünden insgesamt 300 Namen, darunter die von 90 Korrespondenten.
Die Orden für "Verdienste um das Vaterland" seien unter anderem an den Generaldirektor des Fernsehsenders NTW, Wladimir Kulistikow, und den Leiter der Rundfunkaufsicht, Alexander Scharow, überreicht worden. Auch die Chefredakteure der Staatsagentur Rossija Segodnja (Russland heute) und der Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda", Margarita Simonjan und Wladimir Sungorkin, erhielten demnach die Auszeichnung.
Kreml-kritische Medien wie der Internet-Fernsehsender Doschd oder der Radiosender Echo Moskwy stünden dagegen nicht mit Mitarbeitern auf der Liste. Während der "Operation Krim" im März ließen die Behörden zudem mehrere Kreml-kritische Internetportale sperren, auf denen russische Experten und Intellektuelle das Vorgehen Moskaus verurteilt hatten.
Moskau beklagt "massive" Menschenrechtsverletzungen in Ukraine
Zuvor hatte Putin auch russische Soldaten ausgezeichnet, die im Hintergrund die umstrittene "Operation Krim" gesichert hatten. Die Namen nannte er nicht - wohl auch, um sie vor möglichen Einreiseverboten oder Sanktionen der EU und der USA zu schützen. Die EU und die USA verurteilen den Anschluss der zur Ukraine gehörenden Krim an Russland als schweren Bruch des Völkerrechts.
Seit Beginn der Proteste in der Ukraine im Herbst macht die russische Regierung immer wieder deutlich, wen sie für die Krise im Nachbarland verantwortlich macht - nämlich Ultranationalisten und Neonazis.
Am Montag veröffentlichte das russische Außenministerium nun ein sogenanntes Weißbuch über die Krise in der Ukraine. Durch "Ultranationalisten, Extremisten und Neonazis" würden massiv Menschenrechte verletzt, wodurch der Frieden in ganz Europa bedroht sei, heißt es in dem Bericht. Das Dokument listet zahlreiche Fälle bis hin zu Folter auf, von denen insbesondere die russischsprachige Bevölkerung betroffen sei. Die Menschenrechtsverletzungen hätten einen "massiven Charakter", heißt es.
Die Vorwürfe aus Moskau werden mit Fotos von den Massenunruhen ergänzt, die im November zunächst in Kiew begonnen hatten. Der Kreml teilte mit, auch Präsident Putin sei der Bericht vorgelegt worden.