Annektierte Halbinsel Russland meldet ukrainischen Angriff auf die Krim

Moskau behauptet, dass ukrainische Panzer auf die von Russland besetzte Krim vorstoßen wollten. Kiew dementiert.

Wladimir Putin auf der Krim (Archivbild)
REUTERS

Wladimir Putin auf der Krim (Archivbild)


Russland erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ukraine: Demnach hätten ukrainische Spezialtruppen mehrere Angriffe auf die von Russland annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim versucht. Diese seien aber vereitelt worden.

Ziel eines ukrainischen Kommandos sei es gewesen, Infrastruktureinrichtungen anzugreifen, erklärte der russische Geheimdienst FSB. Ein FSB-Agent und ein russischer Soldat seien bei der Verhaftung von "Terroristen" sowie bei Zusammenstößen mit "sabotierenden terroristischen Gruppen" auf der Krim getötet worden. Präsident Wladimir Putin warf der Ukraine angesichts der Berichte "Terror" vor.

Ein Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes wies die Vorwürfe zurück. Es handele sich um eine Falschinformation. Russischen Angaben zufolge soll sich der versuchte Sabotageakt am Wochenende zugetragen haben.

Außerdem sollen nach russischen Angaben ukrainische Truppen am Montag versucht haben, auf die Krim vorzustoßen. Russland habe die vom Verteidigungsministerium entsandten ukrainischen Kräfte aber zurückgeschlagen. Ukrainer hätten mit Panzern versucht, auf die Krim zu gelangen. Der FSB erhöhte nach eigenen Angaben nach den Vorfällen die Sicherheitsmaßnahmen auf der Krim.

Das Verteidigungsministerium in Kiew wies jede Beteiligung an den angeblichen Vorfällen zurück. Die Vorwürfe seien "der Versuch, die Umgruppierungen und das aggressive Vorgehen der Militäreinheiten der Russischen Föderation auf der Halbinsel zu rechtfertigen". Tatsächlich sind auf der Krim seit Tagen Truppenbewegungen festzustellen - dabei handelt es sich aber um russische Einheiten.

Kiew erklärte außerdem Moskauer Vorwürfe für haltlos, dass die Krim vom ukrainischen Festland aus beschossen worden sei. Verteidigungsminister Stepan Poltorak nannte die russischen Behauptungen eine Provokation. Unabhängige Berichte zu den angeblichen Vorfällen gab es nicht.

Seit Sonntag berichten vor allem ukrainische Offizielle von russischen Truppenbewegungen und Hubschrauberflügen im Norden der Krim. Die zeitweise gesperrten Kontrollpunkte zur Halbinsel funktionierten seit Mittwochmorgen aber wieder normal.

Moskau hatte die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel nach einem umstrittenen Referendum im Frühjahr 2014 zu russischem Staatsgebiet erklärt. Der Schritt wird international nicht anerkannt. Seit der Annexion der Krim blieb es auf der Halbinsel weitgehend friedlich. Im Osten der Ukraine kämpfen allerdings weiterhin ukrainische Regierungssoldaten gegen prorussische Rebellen. In dem Konflikt wurden bereits rund 9500 Menschen getötet.

cth/Reuters/dpa



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