Krise in Bolivien Venezuela weist US-Botschafter aus

Venezuelas Staatschef Chávez mischt sich in den diplomatischen Streit zwischen Bolivien und den USA ein: Auch er wies Washingtons Botschafter aus und droht mit einem Stopp der Öllieferungen.


La Paz/Caracas - Die Krise in Bolivien sorgt für einen Diplomatie-Krach mit den USA: Die US-Regierung erklärte den bolivianischen Botschafter in Washington zur unerwünschten Person, nachdem zuvor Bolivien den amerikanischen Botschafter zur Ausreise binnen 72 Stunden aufgefordert hatte. Aus Solidarität mit Boliviens linksgerichtetem Präsidenten Evo Morales ordnete Venezuelas Staatschef Hugo Chávez kurz darauf ebenfalls die Ausweisung des US-Botschafters aus Caracas an.

Polizist vor US-Botschaft in Bolivien: Diplomatischer Krieg mit Washington
AFP

Polizist vor US-Botschaft in Bolivien: Diplomatischer Krieg mit Washington

Boliviens Präsident Morales wirft dem US-Botschafter Philip Goldberg vor, die Autonomiebestrebungen der reichen Regionen in dem Andenstaat und damit die Spaltung des Landes zu unterstützen.

Auf die Ausweisung ihres Botschafters reagierten die USA, indem sie ihrerseits den bolivianischen Botschafter in Washington zum Verlassen des Landes aufforderten. Gustavo Guzman sei zur unerwünschten Person erklärt worden, teilte Außenamtssprecher Sean McCormack mit. Zuvor hatte das US-Außenministerium Morales' vorgeworfen, mit unbegründeten Anschuldigungen die beiderseitigen Beziehungen "schwer beschädigt" zu haben.

Venezuelas Präsident Chávez zeigte sich umgehend mit Morales solidarisch. "Von jetzt an ist Bolivien nicht mehr allein", sagte Chávez bei einer öffentlichen Veranstaltung in Puerto Cabello. Der US-Botschafter in Caracas, Patrick Duddy, müsse das Land binnen 72 Stunden verlassen. Auch Venezuelas Botschafter werde zurückbeordert. Venezuela werde erst wieder einen Botschafter in die USA schicken, wenn US-Präsident George W. Bush abgelöst worden sei.

Chávez zeigte sich gewohnt angriffslustig. Im Fall einer Aggression der USA gegen sein Land stelle Venezuela die Öllieferungen ein, sagte er. Zudem schimpfte er wiederholt über "Scheiß-Yankees" und warf den USA vor, Lateinamerika das "Joch des Imperiums" aufzwingen zu wollen. Den Aufenthalt von zwei russischen Kampffliegern in Venezuela, die dort Übungsflüge absolvieren sollen, hatte Chávez am Donnerstag als "Warnung" an die USA bezeichnet.

In Bolivien gingen unterdessen die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung weiter. In Cobija im nördlichen Departamento Pando seien dabei acht Menschen durch Schüsse getötet und rund ein Dutzend weitere verletzt worden, teilte die Regierung in La Paz mit. Wegen dieser "brutalen Ermordung von Bauern" gelte eine eintägige Staatstrauer, sagte Vize-Präsident Alvaro García Linera. Auch in den Regionen Santa Cruz, Tarija, Beni und Chuquisaca war es in den vergangenen Tagen zu Protesten und Gewaltausbrüchen gekommen. In mehreren Orten besetzen Regierungsgegner Zollstationen, Finanzämter und Telefonzentralen.

Morales, der erste indigene Präsident Boliviens, strebt eine Verfassungsreform an, die den armen Regionen des Landes mit indianischer Bevölkerungsmehrheit eine größere Teilhabe an den Ressourcen des Landes sichern soll. Die reichen Regionen, in denen viele Nachfahren europäischer Einwanderer leben, wenden sich gegen die Pläne und fordern Autonomie.

als/AFP



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