Krise in der Elfenbeinküste Zusätzliche Blauhelme sollen Bürgerkrieg verhindern

Der Elfenbeinküste droht ein neuer Bürgerkrieg - die Armee des selbsternannten Präsidenten Gbagbo terrorisiert Gegner und Uno-Soldaten. Jetzt hat die internationale Gemeinschaft den Druck verschärft. Die Vereinten Nationen stocken ihre Truppe auf, Brüssel setzt Sanktionen in Kraft.


Abidjan - Die Uno-Blauhelmsoldaten in der Elfenbeinküste werden bedroht und eingeschüchtert - nun haben die Vereinten Nationen eine Aufstockung der Truppen beschlossen. Nach einer Entscheidung des Uno-Sicherheitsrats sollen bis Ende März bis zu 500 zusätzliche Soldaten vorübergehend in den westafrikanischen Staat entsandt werden.

Zuvor hatte der Rat das Mandat der mehr als 8600 Blauhelme in dem Land bis Ende Juni 2011 verlängert.

Eine weitere Eskalation der Lage dort soll verhindert werden - in den Jahren 2002 und 2003 hatte ein Bürgerkrieg das westafrikanische Land schwer erschüttert, nach den Präsidentschaftswahlen Ende November war die Gewalt erneut aufgeflammt - ein Machtkampf um das Präsidentenamt ist entbrannt.

Der formell abgewählte Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo - der sich selbst weiterhin als Staatsoberhaupt sieht und von der Armee unterstützt wird - hatte die Uno-Soldaten am vergangenen Wochenende des Landes verwiesen. Am Montag berichteten die Vereinten Nationen dann, dass bewaffnete Männer nachts in die Häuser ihrer Mitarbeiter eingedrungen seien und sie aufgefordert hätten, das Land zu verlassen.

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Machtkampf in der Elfenbeinküste: Tote und Verletzte
Die internationale Gemeinschaft hat derweil den Druck auf Gbagbo erhöht, den Sieg seines Konkurrenten Alassane Ouattara anzuerkennen. Der Uno-Sicherheitsrat rief in einer einstimmig beschlossenen Resolution alle Parteien und Akteure dazu auf, "den Willen des Volkes und den Ausgang der Wahl zu respektieren", um den Frieden in der Elfenbeinküste zu gewährleisten.

Gbagbo heuert prominenten US-Anwalt an

Gleichzeitig hat die EU Sanktionen gegen Gbagbo in Kraft gesetzt und ein Einreiseverbot verhängt. Die EU setzt damit bereits die vor einer Woche beschlossenen Maßnahmen um. Gbagbo und seine Ehefrau stünden auf einer Liste mit insgesamt 19 Personen, die noch Ende der Woche von den Mitgliedstaaten der EU bestätigt werden solle, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Dienstes der EU. Die Sanktionen sehen vor, Gbagbos Vermögen einzufrieren und eine Visum-Sperre gegen ihn zu verhängen.

Nach der Präsidentenwahl am 28. November kam es zu heftigen Auseinandersetzungen um die Macht. Nach Angaben der Wahlkommission ging Alassane Ouattara als Sieger der Abstimmung hervor. Allerdings erklärte der Verfassungsrat - der von einem engen Verbündeten Gbagbos geführt wird - die Abstimmung für ungültig. Gbagbo ließ sich erneut als Staatschef vereidigen. Die internationale Gemeinschaft sieht dagegen in Ouattara den neuen rechtmäßigen Präsidenten.

Am Montag wurde bekannt, dass Gbagbo den prominenten US-Anwalt Lanny Davis angeheuert hat, der offenbar helfen soll die Situation zu klären. Er solle nicht untersuchen, wer bei den Wahlen am 28. November gewonnen habe, es sei vielmehr seine Aufgabe, hinsichtlich der Abstimmung fair die Fakten zu bewerten, sagte Davis bei einer Pressekonferenz.

Bei Zusammenstößen von Anhängern beider Seiten sind nach Angaben der Vereinten Nationen in den vergangenen Tagen in der Elfenbeinküste mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Die Elfenbeinküste produziert etwa 40 Prozent des weltweiten Kakaos. Am Markt wird eine Unterbrechung der Ausfuhren befürchtet. Bislang sind die Bohnen zwar weiter zum Hafen gelangt, es gab jedoch Verzögerungen bei der Abfertigung.

anr/dapd/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
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3of5 21.12.2010
1. Kakao
Oh nein, Schokoladeverknappung, gerade jetzt im Winter!
lemming51 21.12.2010
2. Überlegung
Zitat von sysopDer Elfenbeinküste droht ein neuer Bürgerkrieg - die Armee des selbsternannten Präsidenten Gbagbo terrorisiert Gegner und Uno-Soldaten. Jetzt hat die internationale Gemeinschaft den Druck verschärft. Die Vereinten Nationen stocken ihre Truppe auf, Brüssel setzt Sanktionen in Kraft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,735801,00.html
Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, sich aus den ganz hoffnungslosen Staaten (Schwarz-)Afrikas ganz einfach rauszuhalten und die Dinge ihren (schlimmen) Lauf nehmen zu lassen, da es eh ein Fass ohne Boden ist. Aber nein, wir haben ja solide (?) wirtschaftliche Interessen dort.........................
armin.k 21.12.2010
3. Keine Blauhelme, sondern Grünhelme!
Schickt doch mal die friedensbewegten Grünen Roth, Trittin, Künast,... dorthin, damit sie mal beweisen können, dass man ohne ausl. Soldaten Bürgerkrieg und Blutvergiessen verhindern kann! Frieden schaffen ohne Waffen!
elbröwer 21.12.2010
4. Politkanibalen
Die Afrikaner hatten ein einziges Mal eine gute Zeit, das war die Kolonialzeit. So schlimm das klingt, ist es doch die Wahrheit. Die neuzeitliche Raffgier in Verbindung von animalistischen Traditionen macht aus den Wahnsinnigen wahre Mordmonster. Moral und Ethik ohnehin unbekannt. Es wäre gut sich von dort fern zu halten damit die ihren eigenen Läuterungsprozeß durchlaufen. In Europa hat das auch Millionen an Toten gekostet.
Centurio X 21.12.2010
5. Und auch die wieder wichtigtuende Ex-Bischöfin, die sich
Zitat von armin.kSchickt doch mal die friedensbewegten Grünen Roth, Trittin, Künast,... dorthin, damit sie mal beweisen können, dass man ohne ausl. Soldaten Bürgerkrieg und Blutvergiessen verhindern kann! Frieden schaffen ohne Waffen!
...schon wieder in die Öffentlichkeit drängt,hätte dort ein Betätigungsfeld. Sie könnte ja dort der Welt beweisen, wie man mit Kerzen, Bibeln und Haleluja-Frohlocken den Frieden festigt!
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