Krise in Ecuador Polizei und Militär meutern gegen die Regierung

Weil ihnen die Regierung Vergünstigungen streicht, gehen die Sicherheitskräfte auf die Barrikaden: Ecuador wird von einer massiven Meuterei erschüttert. Polizisten stürmen den Kongress, Soldaten besetzen den Flughafen. Präsident Correa ist offenbar verletzt worden - und verhängte den Ausnahmezustand.

Sicherheitskräfte verbrennen Reifen an einer Polizeistation in Quito
dpa

Sicherheitskräfte verbrennen Reifen an einer Polizeistation in Quito


Quito/Washington - In Ecuador gerät die Lage bei den Protesten von Sicherheitskräften gegen Kürzungen ihrer Löhne immer weiter außer Kontrolle. Nachdem Soldaten zunächst den internationalen Flughafen der ecuadorianischen Hauptstadt Quito besetzt hatten, stürmten Polizisten am Donnerstag auch das Kongress-Gebäude, wie ein Parlamentssprecher mitteilte.

Staatspräsident Rafael Correa verurteilte die Proteste der Polizisten und Soldaten als "Putschversuch" und verhängte den Ausnahmezustand.

Der Staatschef, der Umfragen zufolge großen Rückhalt in der Bevölkerung genießt, hatte noch versucht, die Meuterer umzustimmen. Dabei musste er aber unter dem Einsatz von Tränengas durch seine Leibwache in Sicherheit gebracht werden. Im ecuadorianischen Fernsehen war zu sehen, wie eine Tränengasgranate in unmittelbarer Nähe des Kopfes von Correa explodierte. Der Staatschef, der erst vor kurzem am Knie operiert worden war, verlor eine seiner Krücken und musste in ein bereitstehendes Auto getragen werden. Helfer streiften ihm eine schwarze Gasmaske über. Anschließend wurde der linksgerichtete Correa wegen Atembeschwerden infolge des Tränengases ins Polizeikrankenhaus in Quito gebracht.

Dort wiederum würden Unbekannte versuchen, in sein Zimmer vorzudringen, sagte er später in einem Telefoninterview. Er bange um sein Leben. Während die Leitung der Klinik betonte, er werde dort nicht gegen seinen Willen festgehalten, riefen Mitglieder der Regierung dazu auf, den Präsidenten zu "befreien".

Der Opposition warf Correa vor, die Krise durch Falschinformationen ausgelöst zu haben. Ecuador hat eine lange Geschichte von Umstürzen und die politischen Strukturen gelten als labil.

Soldaten blockieren Flughafen in Quito

Insgesamt 150 Soldaten hatten zunächst den Flughafen Mariscal Sucre der Hauptstadt Quito blockiert. Der Flugverkehr musste daraufhin eingestellt werden. Mit der Aktion protestierten die Militärangehörigen gegen das Vorhaben der Regierung, finanzielle Vergütungen wie Dienstalterszulagen für Polizisten und Soldaten zu streichen. Die Kürzungen sind Teil eines Maßnahmenpakets für den öffentlichen Dienst, mit dem die staatlichen Ausgaben für Gehälter gesenkt werden sollen. Correa hatte eine Abkehr von der Reform am Donnerstag entschieden abgelehnt.

Dann nahm die Meuterei ihren Lauf.

Etwa 1000 Polizisten verbarrikadierten sich in der größten Polizeikaserne der Hauptstadt Quito. Schulen, Banken, Geschäfte und andere Flughäfen im Land wurden vorsorglich geschlossen. Örtliche Medien berichteten von ersten Plünderungen.

Nichtsdestotrotz betonte ein Sprecher der Sicherheitskräfte, dass sich die Aktion nicht gegen den Präsidenten richte und keine politischen Ziele habe. Correa versuchte, die Beamten umzustimmen. Doch er wurde ausgebuht und bedrängt. Dabei riss sich der für dramatische Gesten bekannte Staatschef die Krawatte vom Hals und knöpfte sein Hemd auf, um zu zeigen, dass er keine kugelsichere Weste trägt.

"Wenn sie den Präsidenten töten wollen, dann tötet ihn. Aber ich weiche nicht zurück", sagte Correa.

Am Donnerstagnachmittag rief ein Sprecher der meuternden Polizisten seine Kollegen im Beisein mehrerer Polizeigeneräle auf, die Meuterei zu beenden. Zudem forderte er von der Regierung die Rücknahme des umstrittenen Gesetzes. Der oberste Militär des Landes, General Luis González, stellte sich hinter Correa: "Die Streitkräfte befolgen die Befehle des Oberbefehlshabers, des Präsidenten Rafael Correa", sagte der General.

Auch die Unterstützer des Präsidenten haben sich inzwischen formiert und demonstrieren. Laut Zeugenberichten zogen einige von ihnen zu dem Hospital, in dem sich Correa aufhält, und warfen Steine auf die Polizisten vor dem Gebäude.

Unterdessen hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wegen der politischen Krise in Ecuador eine Sondersitzung einberufen. Das Treffen solle noch am Donnerstag in Washington stattfinden, teilte die Organisation mit. Die US-Regierung erklärte, sie verfolge die Lage in dem südamerikanischen Land genau. Auch der südamerikanische Staatenbund Unasur wollte noch in der Nacht zu einem Sondergipfel der Staatschefs in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zusammenkommen, um über die Lage in Ecuador zu beraten.

sef/AFP/Reuters/dpa



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Seite 1
gg art 5 01.10.2010
1. USA hat die Hand im Spiel....
Zitat von sysopWeil ihnen die Regierung Vergünstigungen streicht, gehen die Sicherheitskräfte auf die Barrikaden: Ecuador wird von einer massiven Meuterei erschüttert. Polizisten stürmen den Kongress, Soldaten besetzen den Flughafen. Präsident Correa ist offenbar verletzt worden - und verhängte den Ausnahmezustand. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,720607,00.html
Aber in diesem Fall, wie in dem Venezuelas und Bolivien wird die USA damit nicht durchkommen. So schlecht wie der SpOn ist fast niemand informiert. Präsident Correa hat NICHT den Ausnahmezustand verhängt, konnte er garicht, da er von der Aufständischen Polizei gefangen gehalten wird. Der Ausnahmezustand wurde durch den Vicepräsidenten angeordnet. Momentan versuchen die Anhänger von Correa diesen aus dem Polizeihospital in das er verschleppt wurde zu befreien. Auf diese Leute wird geschossen.
SirTurbo, 01.10.2010
2. Aktion automatische Überschrift
Der Präsident wurde von der Armee aus der Gewalt der Polizei befreit. Einer Gewalt, in der er sich ja lt. spon gar nicht befunden hat. http://www.lemonde.fr/ameriques/article/2010/10/01/le-president-correa-libere-par-l-armee_1418570_3222.html#ens_id=1418545
creativefinancial 05.10.2010
3. neue Erkenntnisse
Zitat von SirTurboDer Präsident wurde von der Armee aus der Gewalt der Polizei befreit. Einer Gewalt, in der er sich ja lt. spon gar nicht befunden hat. http://www.lemonde.fr/ameriques/article/2010/10/01/le-president-correa-libere-par-l-armee_1418570_3222.html#ens_id=1418545
Während er sich als angebliche Geisel im Polizei-Krankenhaus befand und angeblich von der Aussenwelt abgeschnitten war, führte er FÜNF Telefongespräche mit HUGO CHAVEZ. In Venezuela standen zwei Herkules bereit, mit Spezialeinheiten unter der Leitung des Mannes, der schon in Honduras versuchte hatte, Zelaya zurückzubringen. Correa lehnt die angebotene Hilfe seines Chefs ab.
Gandhi, 05.10.2010
4. Sind sie sicher,
Zitat von creativefinancialWährend er sich als angebliche Geisel im Polizei-Krankenhaus befand und angeblich von der Aussenwelt abgeschnitten war, führte er FÜNF Telefongespräche mit HUGO CHAVEZ. In Venezuela standen zwei Herkules bereit, mit Spezialeinheiten unter der Leitung des Mannes, der schon in Honduras versuchte hatte, Zelaya zurückzubringen. Correa lehnt die angebotene Hilfe seines Chefs ab.
dass es FUENF und nicht sechs oder vier Gespraeche waren? Was haben die beiden denn zueinander gesagt? Hat Hugo versprochen, den Genossen auf jeden Fall rauszuhauen? Die Raktion hat doch sicher nicht ihre schmutzigen Haende im spiel. Als aussen stehender Beobachter koennen Sie da sicher Aufklaerungsarbeit leisten.
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