Kritik an Nordkorea China schlägt plötzlich scharfe Töne an

In ungewöhnlich scharfer Form hat China Nordkorea vor einer weiteren Eskalation der Lage gewarnt. Die Regierung in Peking verliert offenbar die Geduld mit dem Verbündeten. Zuvor hatte sich das Regime in Pjöngjang gegen seinen mächtigen Partner gewandt.
Chinesischer Posten an der Grenze zu Nordkorea: Unmissverständliche Nachricht

Chinesischer Posten an der Grenze zu Nordkorea: Unmissverständliche Nachricht

Foto: STR/ AFP

Peking - China hat die nordkoreanische Führung mit außergewöhnlich strengen Worten davor gewarnt, die Situation in Asien weiter eskalieren zu lassen. Zwar erwähnte Chinas Präsident Xi Jinping in seiner Rede am Sonntag Nordkorea nicht direkt - dennoch war die Nachricht unmissverständlich: Keinem Land dürfe erlaubt werden, eine Region oder gar die ganze Welt aus selbstsüchtigen Motiven ins Chaos zu stürzen, sagte Xi bei einer Versammlung auf der südchinesischen Insel Hainan.

Diplomaten wie der frühere US-Botschafter in China, Jon Huntsman, nannten die Aussagen Xis beispiellos. China verliere offenbar die Geduld mit seinem Verbündeten, sagte der Diplomat.

Auch das chinesische Außenministerium hatte sich bereits "ernsthaft besorgt" über die Lage gezeigt. Man sei gegen "provozierende Worte und Taten von irgendeiner Partei".

Damit setzt sich die chinesische Führung zumindest verbal vom bisherigen Schlingerkurs ab. Der funktionierte nach der Strategie: ein bisschen bedauern, milde Sanktionen - aber bloß kein Druck. Noch letzte Woche hatten die Kommentare aus Peking deutlich lascher geklungen als jetzt. Doch am Freitag brüskierte Pjöngjang offenbar neben vielen anderen Ländern auch China. Nach Presseberichten soll die nordkoreanische Regierung auch seinem Nachbarn China die Evakuierung seiner Botschaft in Pjöngjang nahe gelegt haben.

Nordkorea könnte ohne die chinesische Unterstützung kaum überleben: Es hängt von Öl und Nahrungsmitteln des Nachbarn ab, der liefert 80 Prozent des gesamten Energienachschubs. Im vergangenen Jahr kauften und verkauften beide Länder Waren und Dienstleistungen im Wert von knapp sechs Milliarden Dollar. Dies waren 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr. "Nordkoreas wirtschaftliche Abhängigkeit von China dürfte in der Zukunft noch größer werden", sagt der (Süd)-Koreanische Internationale Handelsverband voraus.

Inzwischen heizt sich der Konflikt stetig weiter auf. In Nordkorea gibt es am Montagmorgen nach Angaben der südkoreanischen Regierung Anzeichen für einen bevorstehenden weiteren Atomtest. Das sagte Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae am Montag bei einem Treffen mit Parlamentsabgeordneten in Seoul, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als extrem gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von Uno-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt. Am Samstag rief Pjöngjang den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea aus. Seit den fünfziger Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.

Als weitere Eskalationsstufe drohte das kommunistische Regime den USA offiziell mit einem Atomschlag. Allerdings bezweifeln Experten, dass das Land auf Jahre hinaus in der Lage sein wird, das US-Festland mit einer Atomrakete zu treffen.

ler/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.