Krise in Fernost Kim-Regime droht Ausländern in Südkorea

Das Regime in Pjöngjang stößt neue Drohungen aus - jetzt rät es Ausländern in Südkorea, das Nachbarland zu verlassen. Man wolle nicht, dass ihnen im Falle eines Krieges etwas passiert. Der Verbündete China reagiert mit einer Warnung: Chaos auf der koreanischen Halbinsel sei nicht erwünscht.
Krise in Fernost: Kim-Regime droht Ausländern in Südkorea

Krise in Fernost: Kim-Regime droht Ausländern in Südkorea

Foto: AFP/ KCNA

Pjöngjang/Seoul - Nordkorea hat allen in Südkorea lebenden Ausländern nahegelegt, das Land zu verlassen. "Wir wollen, dass den Ausländern in Südkorea im Falle eines Krieges nichts passiert", hieß es am Dienstag in einer Erklärung des Asien-Pazifik-Friedenskomitees in Pjöngjang. Alle ausländischen Organisationen, Unternehmen und Touristen sollten sich über Schutzräume informieren und im Voraus Pläne zur Abreise zurechtlegen, wurde ein Sprecher des Komitees von den Staatsmedien zitiert.

Die deutsche Botschaft in Seoul schätzt, dass sich derzeit ungefähr 5000 Bundesbürger in Südkorea aufhalten. Weiterhin geöffnet ist auch die deutsche Botschaft in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang, wo acht aus Berlin entsandte Diplomaten arbeiten.

Die sieben EU-Staaten mit Botschaften in Nordkorea, darunter auch Deutschland, wollen ihre Diplomaten trotz der Provokationen nicht aus der Hauptstadt Pjöngjang abziehen. Dies sagte ein EU-Diplomat in Brüssel. Neben Deutschland planten auch Bulgarien, Großbritannien, Polen, Rumänien, Tschechien und Schweden "derzeit keine Evakuierung der Botschaften". Es gebe keine Anzeichen für erhöhte militärische Aktivität in Pjöngjang. "Die Lage ist angespannt und potenziell brisant, aber wir glauben nicht, dass wir am Rande eines bewaffneten Konflikts stehen", sagte der Beamte.

China fordert Sicherheit für Ausländer

Die nordkoreanische Führung hatte erst am Freitag die Botschaften in Pjöngjang aufgefordert, eine Evakuierung zu prüfen. Sie könne im Falle eines Krieges die Sicherheit des Personals nicht garantieren.

China reagierte am Dienstag auf die neue Provokation aus Pjöngjang: Der Verbündete Nordkoreas ging auf Distanz. Die Führung in Peking sagte, man wolle kein Chaos auf der koreanischen Halbinsel. Diese sei ein "enger Nachbar" Chinas, und Peking wolle "nicht das Chaos des Krieges vor seiner Haustür sehen", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Dienstag.

Alle Beteiligten seien aufgerufen, die "legitimen Rechte, Vorteile und die Sicherheit von Bürgern anderer Länder" zu schützen, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Hong Lei Reportern. China wolle "Frieden statt Krieg, Dialog statt Konfrontation, Entspannung statt Spannungen".

In Kaesong ruht zum ersten Mal die Arbeit

Zuvor hatte das Regime in Pjöngjang die letzte verbliebene Verbindung zum Süden gekappt - durch die Schließung der gemeinsam mit dem Süden betriebenen Sonderwirtschaftszone Kaesong. Dieser Industriepark liegt auf nordkoreanischem Gebiet.

Damit ruht die Arbeit in Kaesong zum ersten Mal, seitdem die gemeinsam mit dem Süden betriebene Sonderwirtschaftszone 2004 eingerichtet wurde. Der Industriepark, in dem 123 südkoreanische Unternehmen produzieren, ist das letzte große Gemeinschaftsprojekt der beiden Länder. In Kaesong arbeiteten bis zu 53.000 nordkoreanische Arbeiter für südkoreanische Firmen. Auf dem Gelände befinden sich noch knapp 500 Südkoreaner.

Formell befinden sich Süd- und Nordkorea seit dem Ende ihres Konflikts von 1950 bis 1953 noch immer im Kriegszustand. Pjöngjang hatte wegen der Ausweitung der Uno-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischer Militärmanöver unter anderem den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt.

Fotostrecke

Konflikt mit Korea: Japan bringt Raketenabwehr in Tokio in Stellung

Foto: YOSHIKAZU TSUNO/ AFP

Tokio installiert "Patriot"-Raketen

Japan brachte wegen der anhaltenden Drohungen durch das Regime in Pjöngjang Raketenabwehrvorrichtungen in Stellung - und das mitten in der Hauptstadt Tokio. Eine PAC-3-Abschusseinheit wurde auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums im Stadtteil Ichigaya aufgestellt. Medienberichten zufolge wurden auch an zwei anderen Orten im Großraum der Millionenmetropole "Patriot"-Raketen stationiert.

Das Regime von Kim Jong Un hatte immer wieder mit Angriffen gedroht. Es ließ zudem am Freitag nach südkoreanischen Berichten zwei Mittelstreckenraketen an die Ostküste des Landes verlegen und installierte sie auf mobilen Abschussrampen. Die Flugkörper haben den Angaben zufolge eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder die US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen. Die US-Regierung verlegte Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe in die Krisenregion.

heb/Reuters/dpa/AFP