Krise in Pakistan Bhutto droht Musharraf mit Massendemonstrationen

Der Druck auf Pervez Musharraf wächst. US-Präsident Bush forderte Pakistans Machthaber auf, zur Demokratie zurückzukehren. Die Oppositionsführerin Benazir Bhutto kündigte Massendemonstrationen ihrer Anhänger an, wenn der Ausnahmezustand nicht beendet werde.


Islamabad/London – Die frühere Premierministerin Benazir Bhutto sieht für Pakistan nach der Verhängung des Ausnahmezustands die Gefahr einer "noch größeren Diktatur". Deshalb müsse die internationale Gemeinschaft den Druck auf Staatschef Pervez Musharraf erhöhen, hatte sie am Wochenende gefordert. Jetzt legte die Chefin der größten Oppositionspartei selber mit Drohungen nach.

Benazir Bhutto: Aufruf zum Widerstand gegen Musharraf
REUTERS

Benazir Bhutto: Aufruf zum Widerstand gegen Musharraf

Sie werde ihre Anhänger zu Massenkundgebungen auf die Straße bringen, wenn der Notstand in ihrem Land nicht aufgehoben und die Demokratie restauriert werde, kündigte Bhutto in der britischen "Times" an.

Seit Beginn des Ausnahmezustands am Samstag wurden nach pakistanischen Polizeiangaben mehr als 1500 Menschen festgenommen. In mehreren Städten ging die Polizei mit Schlagstöcken und Tränengas gegen Demonstranten vor.

Bhutto, die erst vor kurzem aus dem Exil nach Pakistan zurückkehrte, kündigte an, von Karatschi in die Hauptstadt Islamabad zu reisen. Dort werde sie sich mit anderen Oppositionspolitikern treffen, um für Freitag eine Großkundgebung im benachbarten Rawalpindi zu planen.

"Wenn wir nichts tun, glaubt Musharraf, dass das Volk unterstützt, was passiert ist. Aber das ist nicht so", erklärte Bhutto. "Die Menschen in diesem Land wollen, dass sich etwas verändert. Sie wollen, dass General Musharraf die Verfassung wiederherstellt, als Militärchef abtritt und Wahlen abhält."

Für Massenkundgebungen sprach sich auch Nawaz Sharif, ein anderer wichtiger Oppositionsführer aus. Es werde Zeit, dass die "ganze Nation gegen die diktatorischen Maßnahmen" von Musharraf aufstehe, forderte der frühere Premierminister in seinem Exil in Saudi-Arabien.

Auch die USA erhöhten den Druck auf Musharraf. Präsident George W. Bush forderte den Staatschef angesichts der internationalen Empörung über die Verhängung des Ausnahmezustands zu einer Rückkehr zur Demokratie auf. In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zu der Krise drängte er seinen wichtigen Verbündeten im so genannten Kampf gegen den Terror, rasch Wahlen abzuhalten und sein Amt als Armeechef niederzulegen. Zu einer möglichen Einstellung der US-Finanzhilfen für das Land äußerte sich Bush nicht.

"Wir erwarten, dass es so schnell wie möglich Wahlen geben wird, und dass der Präsident seine Militäruniform ablegt", sagte Bush. Der US-Präsident warf Musharraf vor, die Demokratie in Pakistan "untergraben" zu haben. Auf die Frage möglicher Sanktionen der USA für den Fall, dass sich Musharraf den Forderungen verweigert, sagte Bush nur: "Wir werden damit umzugehen wissen."

Pakistan ist in der Region der wichtigste Verbündete der USA im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida und die Taliban in Afghanistan. Seit 2001 hat Washington Finanzhilfen in Höhe von rund elf Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro) an Islamabad überwiesen.

als/AFP/dpa

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