Krise in Thailand Armee und Rothemden machen Bangkok zum Schlachtfeld

Börse, Banken und Einkaufszentren in Bangkok brennen, bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den Rothemden gab es Tote: Von einer Kapitulation der militanten Opposition in Thailand kann keine Rede sein. Außenminister Westerwelle warnt vor einem Bürgerkrieg in dem bei Deutschen beliebten Urlaubsland.
Krise in Thailand: Armee und Rothemden machen Bangkok zum Schlachtfeld

Krise in Thailand: Armee und Rothemden machen Bangkok zum Schlachtfeld

Foto: Wally Santana/ AP

Bangkok - Die Anführer der sogenannten Rothemden haben sich nach dem Einmarsch der thailändischen Armee zwar ergeben, doch die Situation in Bangkok ist danach eskaliert. Mindestens sechs Menschen kamen am Mittwoch bei schweren Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und der militanten Opposition ums Leben, darunter ein italienischer Fotojournalist. Mindestens 60 Menschen wurden verletzt.

Sieben Anführer der Demonstranten hatten sich der Polizei ergeben, "um weiteres Blutvergießen zu vermeiden", wie sie sagten. Doch ihren Anhänger war das egal: Sie reagierten mit wütenden Protesten. Fensterscheiben wurden eingeschlagen und nach Behördenangaben insgesamt 15 Brände in der Hauptstadt gelegt. Die Börse, mehrere Banken, Einkaufszentren, das Siam-Theater und der Hauptsitz der städtischen Stromversorgung wurden in Brand gesteckt. Dicke Rauchwolken standen über der Zehn-Millionen-Einwohnerstadt.

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Angriff der thailändischen Armee: Offensive gegen Rothemden

Foto: Manish Swarup/ AP

Thaksin Shinawatra

Die Armee war im Morgengrauen mit Panzern in Bangkok eingerückt und hatte die Barrikaden der Rothemden eingerissen. Soldaten schossen auf Demonstranten, die Barrikaden anzündeten und sich in den Weg stellten. Viele setzten sich aus Angst vor Tränengasangriffen Masken auf. Die Demonstranten wurden aus dem seit Ostern besetzten Ratchaprasong-Geschäftsviertel weitgehend verjagt. Die Anhänger der Opposition würden aus der Innenstadt vertrieben, kündigte Regierungssprecher Panitan Wattanayagorn im Fernsehen an. Der Einsatz werde den ganzen Tag andauern. "Das ist der Tag X", sagte ein Soldat. In dem Protestcamp der Rothemden hatten sich wochenlang Tausende Oppositionelle hinter Barrikaden verschanzt, darunter auch Frauen und Kinder. Viele brachen am Mittwoch in Tränen aus. Die Rothemden hatten ihre Proteste Mitte März begonnen, um die Regierung zum Rücktritt zu zwingen. Sie sind hauptsächlich Anhänger des Ex-Regierungschefs und forderten mit ihren zunächst friedlichen Protesten den Rücktritt der amtierenden Regierung von Abhisit Vejjajiva. Seit dem Beginn der Auseinandersetzungen kamen insgesamt 74 Menschen auf Thailands Straßen ums Leben. Mehr als 1700 Menschen wurden verletzt. Ein Kompromissangebot mit vorgezogenen Wahlen scheiterte vergangene Woche in letzter Minute, weil die Oppositionellen neue Forderungen für einen Abzug stellten.

Doch auch nach Verhaftung der politischen Führung der Demonstranten tobten weiter schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und militanten Rothemd-Mitgliedern. Auch in anderen, bislang nicht betroffenen Teilen Bangkoks und im Nordosten des Landes gab es Zusammenstöße. Die Börse bleibt nach der Feuerattacke aus Sicherheitsgründen bis zum Ende der Woche geschlossen.

Die Regierungsgegner zogen nach dem Militäreinsatz zudem zu Medienunternehmen und bedrohten Reporter, weil sie deren Berichterstattung einseitig fanden. Alle Mitarbeiter der "Bangkok Post" wurden aufgerufen, das Gebäude zu verlassen, weil sich die Rothemden näherten, schrieb die Zeitung auf ihrer Web-Seite. Auch vor dem Gebäude der zweiten englischsprachigen Zeitung "The Nation" sammelten sich verärgerte Demonstranten.

"Eine Nacht des Leidens"

Die Zentrale des örtlichen Fernsehsenders Channel 3 wurde ebenfalls von Rothemden angegriffen, wie Mitarbeiter des Senders mitteilten. Die Regierungsgegner setzten Autos auf dem Parkplatz in Brand und drangen in das Gebäude ein. Eine Stunde später schlugen Flammen aus dem Gebäude, und die Übertragung des Senders brach ab. Mitarbeiter wurden mit Hubschraubern ausgeflogen oder flüchteten zu Fuß. Auch die in der Nähe angesiedelte englischsprachige Zeitung "Bangkok Post" brachte ihre Belegschaft in Sicherheit.

Nach neun Stunden schwerer Kämpfe in Bangkok teilten die Streitkräfte mit, sie hätten die Lage in dem belagerten Geschäftsviertel unter Kontrolle. "Polizisten und Soldaten haben ihre Operation jetzt eingestellt", sagte Heeressprecher Sansern Kawekamnerd.

Die Regierung verhängte ein Ausgehverbot von acht Uhr abends bis sechs Uhr früh. Sie rief die aufgebrachten Demonstranten zur Ruhe auf. "Heute Nacht wird eine weitere Nacht des Leidens sein", sagte Regierungssprecher Panitan Wattanayagorn. "Die Regierung ruft jeden, der Angriffe verübt, auf, diese zu stoppen." Durch die Militäroffensive sei es gelungen, rund um die strategische Ratchaprasong-Kreuzung und im Bezirk Lumpini die Sicherheit wiederherzustellen, sagte Panitan. Andere Orte der Hauptstadt seien hingegen noch nicht unter Kontrolle. Die Regierung schrieb zudem sämtlichen TV-Sendern eine Sonderberichterstattung vor, damit sie sich jederzeit an die Bevölkerung wenden könne.

Westerwelle warnt vor Bürgerkrieg

Bundesaußenminister Guido Westerwelle reagierte besorgt auf die Eskalation der Gewalt in Bangkok. Der Vizekanzler warnte vor einem Bürgerkrieg in Thailand. Der FDP-Chef rief sowohl die thailändische Regierung als auch die oppositionellen Demonstranten zur Zurückhaltung auf. "Jetzt muss für alle Seiten gelten: Ein Abgleiten des Landes in Chaos und Gewalt muss verhindert werden."

als/dpa/AP/Reuters/AFP
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