Krise in Venezuela Präsident Maduro erlässt Demo-Verbot

Venezuelas Machthaber will keinen Protest rund um das Verfassungsreferendum. Von der Opposition wird das ignoriert - die Zahl der Toten steigt. Die US-Regierung fordert Diplomatenfamilien zur Ausreise auf.

Demonstrant in Venezuela
DPA

Demonstrant in Venezuela


Venezuela versinkt im Chaos: Vor der umstrittenen Wahl zur Verfassungsversammlung am Sonntag hat die Regierung von Präsident Nicolás Maduro alle Demonstrationen am Wochenende verboten. Während eines 48-stündigen Generalstreiks wurden unterdessen fünf weitere Menschen getötet. Die Zahl der Toten stieg damit seit Ausbruch der Proteste vor 120 Tagen auf 105. Vor diesem Hintergrund hat die US-Regierung Familien von Diplomaten aufgefordert, das Land zu verlassen.

Das seit 1999 von Sozialisten regierte Land mit den größten Ölreserven der Welt steht nach Jahren der Misswirtschaft am Rande des Ruins. Gewalt, Lebensmittel- und Medizinmangel prägen den Alltag. Präsident Maduro hat angekündigt, das von Hugo Chávez begonnene sozialistische Experiment notfalls auch mit Waffengewalt verteidigen zu wollen.

Oppositionsbündnis rief zur "Einnahme Venezuelas" auf

Die Wahl zur Verfassungsversammlung sollen 232.000 Sicherheitskräfte schützen. Die Opposition hat angekündigt, das Demonstrationsverbot zu ignorieren. Sie fürchtet den Umbau zu einer Diktatur über den Hebel der Reform. Das Bündnis Mesa de la Unidad Democrática (MUD) rief zur "Einnahme von Venezuela" auf.

Maduro bot dem MUD einen Dialog an - Bedingung der Opposition sind aber sein Abschied von der Macht, eine Absage der Verfassungsreform und Neuwahlen. Doch der Präsident wird darauf vermutlich nicht eingehen. Der Grund: Durch die Bevorzugung von Vertretern der Arbeiterklasse wird mit einer Mehrheit für Maduro gerechnet.

dop/dpa/Reuters



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