Krise in Zentralasien Schüsse bei Kundgebung in Kirgisien

Kirgisien kommt nicht zur Ruhe: Bei einer Kundgebung des gestürzten Präsidenten Bakijew fielen Schüsse, Menschen flüchteten in Panik. Der russische Premier Putin schaltete sich persönlich in die Querelen in der Krisenrepublik ein.

Leibwächter Bakijews bei Kundgebung in Osch: Gespannte Lage
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Leibwächter Bakijews bei Kundgebung in Osch: Gespannte Lage


Osch - Gegner und Anhänger des gestürzten kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew haben sich erneut Kämpfe geliefert. Bei einer Kundgebung Bakijews fielen am Donnerstag Schüsse. Teilnehmer flohen nach Berichten von Reportern in Panik.

Als Bakijew bei der Versammlung in der Stadt Osch vor etwa 2000 Anhängern das Podium betreten habe, sei das Feuer automatischer Waffen zu hören gewesen, berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP. Zum selben Zeitpunkt habe nur einige hundert Meter entfernt eine Veranstaltung von Unterstützern der Interimsregierung stattgefunden.

Zwischen den Gegner und Anhängern Bakijews sei es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, berichteten Reporter der kirgisischen Nachrichtenagentur Akipress.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax schrieb, Bakijews Leibwächter hätten in die Luft geschossen. Über Verletzte ist bislang nichts bekannt. Der gestürzte kirgisische Präsident habe nach den Schüssen "Rennt nicht, rennt nicht!" in Richtung der in Panik flüchtenden Menge gerufen. Anschließend habe Bakijew in einem Theater Deckung gesucht. Später sei er in einem Geländewagen weggebracht worden.

Es gab auch Spekulationen, wonach Bakijew Kirgisien verlassen könnte. Seine russische Ehefrau Tatjana hält sich in Moskau auf. Ein Sprecher des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin bestätigte, dass der Regierungschef mit Bakijew telefoniert habe. "Es stimmt, dass Putin mit Bakijew am Telefon gesprochen hat", sagte der Sprecher. Zum Inhalt des Gesprächs machte er keine Angaben.

Die Übergangsregierung in Bischkek teilte derweil mit, dass sie Bakijew nun doch nicht festnehmen wolle. "Nach den weiter geltenden Gesetzen haben wir doch kein Recht, ihn festzunehmen", sagte Regierungssprecher Edil Baissalow nach Beratungen mit westlichen Sondergesandten.

Zuvor hatte die Regierung unter Rosa Otunbajewa erklärt, dass Bakijew festgenommen und vor ein Gericht gestellt werde. Demnach könnte nun nur ein offizielles Rücktrittsschreiben den Machtwechsel in der Ex-Sowjetrepublik perfekt machen. Bakijew hatte sich zuletzt verhandlungsbereit gezeigt.

Am Mittwoch hatte Russland angekündigt, die Interimsregierung in Kirgisien mit insgesamt 50 Millionen Dollar (rund 37 Millionen Euro) unterstützen zu wollen. Auch die USA hatten nach einem Besuch des ranghohen Diplomaten Robert Blake in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek Unterstützung für die Übergangsregierung signalisiert.

Bakijew war Mitte vergangener Woche entmachtet worden. Nach der Erstürmung der Regierungsgebäude in der Hauptstadt Bischkek durch Anhänger der Opposition war er in seine Heimat im Süden Kirgisiens geflohen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften kamen mindestens 83 Menschen ums Leben.

mmq/AFP/dpa/apn

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