Krisen-Rede Sarkozy schwört Franzosen auf harte Zeiten ein

"Die Angst ist zurück": In einer Rede zur Krise hat Frankreichs Präsident Sarkozy seinen Landsleuten Einschnitte angekündigt - neue Pläne zur Euro-Rettung will er am Montag mit Kanzlerin Merkel vorstellen.
Frankreichs Präsident Sarkozy in Toulon: "Europa muss sich schnell ändern"

Frankreichs Präsident Sarkozy in Toulon: "Europa muss sich schnell ändern"

Foto: ERIC FEFERBERG/ AFP

Paris - Er wetterte gegen Fehler der Vergangenheit, kündigte harte Opfer für die Zukunft an: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat seine Landsleute in einer Grundsatzrede zur Zukunft der EU auf harte Zeiten eingeschworen. Vor 5000 Zuhörern betonte er am Donnerstag in der Mittelmeerstadt Toulon: "Die Angst ist heute zurück".

Sarkozy präsentierte sich in der landesweit im Fernsehen übertragenen Rede als verantwortungsvoller Politiker. Er wolle, entgegen aller Ratschläge, den Franzosen in aller Deutlichkeit den Ernst der Lage nahebringen. Die Einführung der 35-Stunden-Woche und die Verkürzung der Lebensarbeitszeit seien schwere Fehler gewesen, deren Konsequenzen Frankreich heute zu zahlen habe.

Frankreich müsse alle Zweifel zerstreuen, dass es seine Schulden nicht zurückzahlen könne - damit es auch in schwierigen Zeiten weiter sein Schicksal bestimmen könne.

Sarkozy kündigte an, gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am kommenden Montag Vorschläge zur Sicherung der Zukunft Europas vorlegen zu wollen. Das Bundespresseamt in Berlin bestätigte das Treffen, bei dem es in Paris um die Vorbereitung des EU-Gipfels gehen solle. Merkel wird am Freitagmorgen eine Regierungserklärung zur Euro-Rettung halten.

"Europa muss sich schnell ändern"

Sarkozy sagte, Europa müsse sich schnell ändern, oder die Geschichte der Welt werde ohne Europa weitergeschrieben.

Der Ort für Sarkozys Krisenrede war bewusst gewählt: Im selben Saal in Toulon hatte er 2008 nach dem Fall der Investmentbank Lehman Brothers eine Rede zur damaligen Finanzkrise gehalten, in der er die Auswüchse des Finanzkapitalismus kritisierte. Nun sprach er davon, dass Frankreich die Chance habe, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Mit einer konsequenten Entschuldung kündige sich ein neuer Wirtschaftszyklus an, sagte Sarkozy, der auch erneut ein Festhalten an der Atomkraft im Lande bestätigte. Für Januar kündigte er zudem einen Gipfel mit allen Sozialpartnern an, um Konjunkturbremsen zu identifizieren und konsequent zu beseitigen.

Details des mit Bundeskanzlerin Merkel ausgearbeiteten Rettungsplans, der den Durchbruch in der Krise bringen soll, nannte er zunächst nicht. Paris und Berlin dringen auf zügige Änderungen der EU-Verträge für eine strengere Überwachung der Euro-Stabilitätsregeln.

fab/dpa/dapd
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