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10. Juli 2004, 09:39 Uhr

Kritik am Geheimdienst CIA

Bush glaubt weiter an seine Kriegsgründe

Ungeachtet der harschen Kritik am US-Geheimdienst CIA glaubt US-Präsident George W. Bush weiter an eine Gefahr, die vor dem Krieg von Saddam Hussein ausging. Trotzdem deutete er an, dass sich beim Geheimdienst einiges ändern müsse.

US-Präsident Bush: Eine bessere Welt ohne Saddam
AP

US-Präsident Bush: Eine bessere Welt ohne Saddam

Trotz der umfassenden Schelte des US-Senats an der Geheimdienstarbeit vor dem Irak-Krieg war die Entscheidung zum Waffengang richtig, meint Präsident George W. Bush. Kurz nach den ersten Veröffentlichungen über den Bericht rechtfertigt er erneut den Angriff auf Bagdad. "Die Welt ist besser dran ohne Saddam Hussein an der Macht", sagte Bush am Freitag während eines Wahlkampfauftrittes.

Bush nannte den Senatsbericht eine nützliche Bilanz der Versäumnisse der CIA. Zugleich verteidigte er die Entscheidung zum Krieg gegen Irak. Zwar seien keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden, "aber wir wussten, dass er sie herstellen konnte", sagte der US-Präsident in Kutztown in Pennsylvania. Ähnlich hatte der US-Präsident in den letzten Wochen immer wieder argumentiert. Trotzdem kündigte Bush auch Reformen beim Geheimdienst an. "Ich werde mit den Mitgliedern des Kongresses zusammenarbeiten, um erfolgreiche Reformen auf den Weg zu bringen", sagte er.

Am Freitag hatte der unabhängige Ausschuss des US-Senats seinen Abschlussbericht über die Geheimdienstarbeit vor dem Irak-Krieg veröffentlicht. Darin wird der CIA schlampige Arbeit, fahrlässige Blindheit und einseitige Information der Regierung vorgeworfen. Allerdings wird der Regierung nicht vorgeworfen, sie habe die Urteile der Agenten bestellt oder beeinflusst.

Besonders harsche Kritik übte der Senatsausschuss an dem am Sonntag aus dem Amt scheidenden CIA-Direktor George Tenet. Der republikanische Ausschussvorsitzende Pat Roberts sprach von einem "umfassenden Versagen der Geheimdienste".

Tenets Stellvertreter und designierter Nachfolger McLaughlin erklärte am Freitag, die CIA habe bereits Konsequenzen aus ihren Versäumnissen gezogen. "Obwohl wir der Meinung sind, dass die Einschätzungen nicht unbegründet waren, als sie vor fast zwei Jahren abgegeben wurden, haben wir seitdem gelernt, dass wir es hätten besser machen können", sagte McLaughlin auf einer Pressekonferenz.

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