Kritik am Staudammprojekt Chinesischer Aktivist nach Interview zusammengeschlagen

Ein chinesischer Bürgerrechtler ist nach einem regierungskritischen Interview mit der ARD zusammengeschlagen worden. Der Mann soll in Lebensgefahr schweben. NDR-Intendant Jobst Plog protestierte beim Botschafter Chinas.


Peking - Der Bürgerrechtler Fu Xiancai sei in der vergangenen Woche wegen des Interviews von den Sicherheitsbehörden in der Provinz Hubei einbestellt worden, berichtete die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch. Auf dem Weg nach Hause sei er angegriffen worden.

Ein ARD-Korrespondent berichtete aus Peking, Fu habe offenbar Brüche im oberen Halswirbelbereich erlitten und sei derzeit vom Hals abwärts gelähmt. "Sein Leben scheint in Gefahr", sagte der Korrespondent. Die Polizei in Hubei nahm zu den Angaben nicht Stellung.

Fu setzte sich seit den neunziger Jahren für die mehr als eine Millionen Menschen ein, die während des Baus des Drei-Schluchten-Damms zwangsumgesiedelt wurden. In dem ARD-Interview hatte er eine bessere Entschädigung gefordert. Nach Angaben von Human Rights war der Angriff Teil einer ganzen Serie. Die Organisation beschuldigte die Behörden, die Täter nicht zu bestrafen.

NDR-Intendant Plog protestierte beim chinesischen Botschafter in Berlin. In dem Schreiben fordert er den Diplomaten Ma Canrong auf, "alles in Ihren Kräften Stehende zu veranlassen, dass dem schwer verletzten Fu Xiancai jede notwendige und mögliche medizinische Versorgung zuteil wird".

Der Bau des heftig umstrittenen Staudamms wurde im Mai abgeschlossen. Das umgerechnet etwa 20 Milliarden Euro teure Projekt kontrolliert die Flutung von Chinas längstem Fluss Jangtse. In einigen Jahren soll der Damm zudem seinen vollständigen Betrieb als weltgrößten Wasserkraft-Anlage aufnehmen. Ab 2009 sollen die 26 Turbinen so viel Strom produzieren wie fast 20 mittelgroße Atomkraftwerke.

als/Reuters/dpa



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