Kritik an Brown Sarkozy verärgert britische Regierung

Sein Auftritt galt vor allem der eigenen Nation - aber verärgert hat Frankreichs Präsident einen EU-Partner: In einem Interview hat Nicolas Sarkozy die Rezepte des britischen Premiers Brown scharf kritisiert. Der Elysée-Palast musste jetzt die Wogen glätten.


Paris/London - Der Auftritt erfolgte zur besten Sendezeit und er sollte wohl bis in den letzten Winkel des Landes dringen: Als Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Donnerstagabend in einem Interview seine Politik in der Finanzkrise erklärte, übertrugen die drei größten TV- und die drei größten Radiosender Frankreichs das Ereignis.

Brown und Sarkozy (im März 2008): Britisch-französische Irritationen
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Brown und Sarkozy (im März 2008): Britisch-französische Irritationen

90 Minuten stand Sarkozy Rede und Antwort und versuchte, das Vertrauen der Franzosen zu gewinnen, die sich zunehmend vom Staatschef abwenden. In einer Umfrage gaben zuletzt nur noch 39 Prozent an, sie seien zufrieden mit Sarkozy, fünf Punkte weniger als im Vormonat. In der vergangenen Woche demonstrierten rund 2,5 Millionen Menschen mit einem Generalstreik gegen seine Reformpolitik.

Sarkozy erklärte am Donnerstag, dass er die Gewerbesteuer 2010 abschaffen werde, um Arbeitsplätze in Frankreich zu schützen. Außerdem kündigte er einen stärkeren Dialog mit den Gewerkschaften an. Ob es ihm damit gelungen ist, die Franzosen von seinem Kurs der Reformpolitik zu überzeugen, müssen die nächsten Wochen zeigen. Sicher ist dagegen, dass Sarkozy mit seinem Auftritt die britische Regierung verärgert hat. In dem Interview hatte sich Frankreichs Staatschef unter anderem kritisch über die Entscheidung des britischen Premiers Gordon Brown geäußert, die Mehrwertsteuer um 2,5 Prozentpunkte zu senken, um die Konjunktur anzukurbeln. Die Entscheidung von Brown habe "absolut nicht funktioniert", sagte Sarkozy.

Frankreichs Präsident setzt in der Krise stärker auf Investitionen in die Infrastruktur statt auf umfassende Steuergeschenke und fügte deshalb hinzu: "Großbritannien senkt seine Steuern. Das wird ihnen nichts bringen." Der Konsum werde in dem Land weiter zurückgehen. Die französische Reaktion auf die globale Finanzkrise müsse eine andere sein als die in Großbritannien, fügte Sarkozy hinzu - "weil die Briten keine Industrie haben".

Der Gescholtene in Number 10 Downing Street war darüber not amused: Einem Bericht des britischen "Telegraph" zufolge zeigte sich Brown regelrecht "verärgert" und "aufgebracht" angesichts der offenen Kritik aus Frankreich. Am Freitag bemühte sich der Elysée-Palast Berichten von "Telegraph" und "Times Online" zufolge in einem Telefonat mit britischen Regierungsvertretern, die Irritationen aus dem Weg zu räumen. "Der Elysée-Palast war mit uns in Kontakt, um uns zu versichern, dass die Äußerungen nicht als Kritik an der britischen Wirtschaftspolitik gemeint waren - das ist nett", sagte ein sichtlich verärgerter Brown-Sprecher laut "Times Online". Sarkozy habe vielmehr in einer innenpolitischen Angelegenheit gesprochen und die Äußerungen nicht als "Attacke" gemeint.

Ob das Telefonat von französischer oder von britischer Seite ausging, wollte der Sprecher nicht sagen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Brown über die Reaktion von europäischen Partnern auf seine Politik ärgert: Im Dezember 2008 hatte Finanzminister Peer Steinbrück für erhebliche Irritationen in London gesorgt, als er in einem Interview mit der Zeitschrift "Newsweek" über Browns Mehrwertsteuersenkung herzog. Keiner wisse, ob die Menschen "wirklich einen DVD-Spieler kaufen, weil der nun 39,10 statt 39,90 Pfund koste", sagte der SPD-Politiker und warf Brown ein "Herumschmeißen mit Milliarden" vor.

hen



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