Kritik an Militäraktionen Scharon will die Jagd fortsetzen

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat die internationale Kritik an den jüngsten Militäraktionen gegen Palästinenser, bei denen sechs Zivilisten getötet und mehr als 60 verletzt wurden, zurückgewiesen. Israel werde auch weiterhin Jagd auf "die Köpfe extremistischer Terrororganisationen" machen, sagte Scharon.

Ramallah - Die Tageszeitung "Jediot Acharonot" zitierte Scharon mit den Worten, er werde nicht warten, bis der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas ein Waffenstillstandsabkommen mit der radikalislamischen Hamas-Organisation erzielt habe. "Wenn die Palästinensische Autonomiebehörde ihren Pflichten nicht nachkommt, werden wir das an ihrer Stelle tun."

Den USA sei stets klar gewesen, dass Israel seinen Kampf gegen militante Palästinenser nicht einstellen werde, sagte Scharon. US-Präsident George W. Bush hatte den israelischen Anschlag auf den Hamas-Führer Abd al-Asis al-Rantissi ungewöhnlich scharf kritisiert und als Gefährdung der Sicherheit Israels bezeichnet.

Arafat trifft sich mit "Brüdern" der Hamas

Der ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman bemühte sich unterdessen in Ramallah, zwischen Abbas und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat eine Einigung über den Umgang mit Hamas und anderen militanten Organisationen zu vermitteln, wie aus Delegationskreisen verlautete. Während Abbas jegliche Gewalt gegen Israel klar verurteilt hat, waren Arafats Aussagen dazu teilweise mehrdeutig.

Bei einem gemeinsamen Auftritt der beiden palästinensischen Spitzenpolitiker nach dem Treffen kündigte Arafat neue Verhandlungen mit der Hamas an. "Wir werden ein sehr wichtiges Treffen mit unseren Brüdern haben", sagte Arafat. Die Hamas hatte erst am Freitag Verhandlungen über eine Waffenruhe abgesagt. Nach dem Angriff auf ihren Führer Rantissi, der den gezielten israelischen Angriff verletzt überlebte, kündigte sie am Dienstag blutige Rache an.

Gericht stoppt Abbau von Siedlungen

Das Oberste Gericht Israels setzte unterdessen die Umsetzung eines wichtigen Punkts des Friedensplans vorübergehend aus. Nach dem Abbau von zehn ungenehmigten, unbewohnten Siedlungen am Montag und Dienstag hatten Siedler das Gericht angerufen, um die Zerstörung von drei bewohnten Siedlungen aufzuschieben. Das Gericht stimmte zu, die Aktion für mindestens einen Tag auszusetzen.

Dutzende israelischer Demonstranten, darunter Mitglieder der Luftwaffe, haben am Mittwoch vor dem Verteidigungsministerium in Tel Aviv scharf gegen die Tötung palästinensischer Frauen und Kinder bei den jüngsten Militärangriffen protestiert. Mitglieder einer Protestgruppe, die zur Verweigerung des Wehrdienstes in den Palästinensergebieten aufruft, verurteilten den Angriff auf Rantissi, bei dem drei Palästinenser, darunter eine Mutter und ihre kleine Tochter, getötet wurden.

Einer der Demonstranten, ein 31-jähriger Reservist in der Luftwaffe, sagte: "Ich schäme mich, in einer Luftwaffe zu dienen, deren Piloten zur Teilnahme an Einsätzen bereit sind, bei denen Frauen und Kinder ermordet werden." Die Demonstranten riefen Verteidigungsminister Schaul Mofaz dazu auf, "nicht länger die Piloten zur Zerstörung des internationalen Friedensplans zu missbrauchen".