Flüchtlingskrise Kroatiens Regierungschef schlägt Alarm

Die meisten Grenzübergänge sind geschlossen, doch Tausende Flüchtlinge gelangen über die Felder nach Kroatien. Premier Milanovic warnt, er habe die Lage nicht mehr unter Kontrolle. Jetzt will er die Menschen nach Ungarn schicken.
Ministerpräsident Milanovic: Flüchtlinge nicht mehr registrieren

Ministerpräsident Milanovic: Flüchtlinge nicht mehr registrieren

Foto: Daniel Kasap/ dpa

Die Lage in Kroatien wird nach Ungarns Abschottungspolitik immer chaotischer. Sollte der Andrang der Flüchtlinge nicht abreißen, sei es nur "eine Frage der Zeit", bis der komplette Grenzverkehr eingestellt wird, sagte Innenminister Ranko Ostojic.

Bislang sind rund 14.000 Flüchtlinge in dem kleinen Balkanstaat angekommen. Das Land könne den Andrang nicht mehr kontrollieren, sagte Ministerpräsident Zoran Milanovic. Kroatien werde diese Last nicht mehr akzeptieren.

"Sie bekommen Nahrungsmittel, Wasser und medizinische Hilfe, dann können sie ihre Reise fortsetzen", sagte der Regierungschef. "Wir haben ein Herz, aber wir haben auch einen Kopf." Er habe eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates einberufen, um eine Änderung der Flüchtlingspolitik zu erörtern.

Die ins Land drängenden Flüchtlinge will der Regierungschef jetzt nach Ungarn umleiten lassen: Ab heute verfolgen wir eine neue Methode, wir gehen jetzt zu Plan B über. " Die ungarische Regierung baut jedoch auch an der Grenze zu Kroatien weiterhin einen Zaun, um - wie bereits an der Grenze zu Serbien - die Ankunft weiterer Flüchtlinge zu verhindern. Der EU warf Milanovic vor, Kroatien mit dem Problem allein zu lassen und sich um eine Lösung zu drücken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe außerdem mit der von ihr vertretenen Grenzöffnung für Flüchtlinge der der Darstellung Deutschlands als "Land der Herzen" zur Krise beigetragen. "Das war in gewisser Weise für diese Leute die Einladung", sagte Milanovic.

Flüchtlinge strömen nach Augenzeugenberichten in der Region um Sid über Felder über die Grenze von Serbien nach Kroatien. Die offiziellen Grenzübergänge in der Gegend waren zuvor geschlossen worden. Wegen des starken Andrangs der vergangenen Tage hatte die Regierung in Zagreb in der Nacht zum Freitag sieben von acht Grenzübergängen zu Serbien geschlossen. Allein in der vergangenen Nacht waren 30 Busse aus dem Nachbarland an die Grenze gekommen. Oppositionsführer Tomislav Karamarko verlangte den Einsatz der Armee, um den Andrang aus Serbien zu stoppen.

Denn ein Ende ist nicht abzusehen: Rund 8000 Flüchtlinge warteten in Beli Manastir im Nordosten des Landes nahe Ungarn, um weiter in Richtung Slowenien reisen zu können. Slowenien will allerdings einige Hundert Flüchtlinge schon zurückschicken. Doch Kroatiens Regierung weigere sich strikt, diese Menschen wieder einreisen zu lassen, berichtete die Polizei.

Slowenien wies die Behauptung Kroatiens zurück, beide Länder planten einen humanitären Korridor, um die Flüchtlinge in Richtung Österreich und Deutschland weiterreisen zu lassen. Die Äußerungen des kroatischen Innenministers seien gefährlich, weil sie etwas versprächen, was nicht geschehen dürfe, sagte Sloweniens Regierungschef Miro Cerar dem Fernsehsender RTV Slo.

Sein Land dürfe niemanden durchlassen, der die Bedingungen für die Einreise in den Schengen-Raum nicht erfülle. Slowenien stoppte außerdem den internationalen Zugverkehr - zunächst bis 18 Uhr.

Video: Balkanroute wird für viele Flüchtlinge zur Sackgasse

SPIEGEL ONLINE
als/dpa/Reuters
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