Kuba Castro spricht von Rücktritt

Fidel Castro bereitet die Kubaner auf neue Zeiten vor: In einer im Fernsehen verlesenen Botschaft kündigte der 81-Jährige erstmals die Möglichkeit eines Rückzugs an. Seit über einem Jahr ist der schwerkranke kubanische Staatschef nicht mehr öffentlich aufgetreten.


Havanna - Fidel Castro wandte sich per Brief, den er im kubanischen Staatsfernsehen verlesen ließ, an die Bevölkerung. In dem Schreiben heißt es: "Es ist meine Pflicht, mich nicht an das Amt zu klammern oder den Aufstieg viel jüngerer Menschen zu blockieren." Vielmehr wolle er seine "Erfahrungen und Ideen" weitergeben.

Will "Erfahrungen und Ideen" weitergeben: Kubas Staatschef Fidel Castro
REUTERS

Will "Erfahrungen und Ideen" weitergeben: Kubas Staatschef Fidel Castro

Mit dem Brief deutet der 81-Jährige erstmals die Möglichkeit seines Rückzugs an. Castro hatte nach einer schweren Darmoperation seinem 76-jährigen Bruder Raúl bereits im Sommer 2006 die Macht vorläufig übertragen.

Seit seiner Operation ist Castro auf der Karibikinsel nicht mehr öffentlich aufgetreten, sondern nur noch in Fernsehbeiträgen zu sehen. Allerdings liefert er seit März wöchentliche Kolumnen über die Weltpolitik, die in den Zeitungen des Landes erscheinen.

Regierungsvertreter haben versichert, dass Castro seinen Pflichten auch während seines Genesungsaufenthalts an einem unbekannten Ort nachkommt. Allerdings gab es bislang keine amtliche Aussage darüber, ob - und wenn ja, wann - Castro die politische Führung wieder übernimmt.

In seinem Brief schreibt Castro weiter, "man muss seinen Prinzipien bis zum Ende treu bleiben". Er sei "fest davon überzeugt", dass die aktuellen Probleme Kubas mehr Lösungen erforderten "als die, die auf einem Schachbrett enthalten sind". "Nicht ein einziges Detail darf übersehen werden", warnt Castro in dem Schreiben. Das Fernsehen zeigte, dass der Brief Castros Unterschrift trug.

Trotz anklingender Rückzugsgedanken ließ Castro keinen Zweifel daran, dass ein möglicher Ruhestand keineswegs Stillstand bedeuten würde: In seinem Brief würdigte er den Star-Architekten Oscar Niemeyer, der dieser Tage seinen 100. Geburtstag feiert. Castro verwies darauf, dass es Menschen gebe wie Niemeyer, die auch im hohen Alter noch aktiv seien. Daran wolle er sich ein Beispiel nehmen.

Castro ist Chef der Kommunistischen Partei Kubas, Präsident des Staatsrats und des Ministerrats sowie militärischer Oberbefehlshaber seines Landes. Anfang des Monats waren die Spekulationen über Castros politische Zukunft lauter geworden: Am 2. Dezember wurde er erneut für das kubanische Parlament nominiert - unabdingbare Voraussetzung für eine mögliche weitere Präsidentschaft.

Aus dem Kreis der aus den Parlamentswahlen am 20. Januar hervorgehenden 614 Mandatsträger werden die 31 Mitglieder des Staatsrats gewählt, dessen Vorsitzender wiederum Staatschef ist. Wäre Castro nicht nominiert worden, wäre dies politischen Beobachtern zufolge das Signal gewesen, dass er die Macht endgültig seinem ebenfalls nominierten Bruder überlassen will.

amz/AFP



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