Kuba Castro zu geschwächt für Geburtstagsfeier

Der erkrankte kubanische Staatschef Fidel Castro hat sich zu Beginn der mehrtägigen Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag entschuldigen lassen: Seine Gesundheit lasse die Strapazen nicht zu. Das Jubiläum der Revolution wird wahrscheinlich ohne ihren Helden begangen.


Havanna - Castro ließ schriftlich seine Teilnahme am Beginn der Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag im Karl-Marx-Theater in der kubanischen Hauptstadt absagen. Dort warteten 1500 geladene Gäste aus aller Welt, um den kubanischen Staatsmann zu feiern. Auch der amtierende Präsident Kubas, Fidels Bruder Raúl Castro, kam nicht zu der Veranstaltung.

Staatschef Castro: Zu krank für Feiern
AFP

Staatschef Castro: Zu krank für Feiern

In einem Brief an die Stiftung Guayasmin, die für die Organisation der Geburtstagsfeiern zuständig ist, schrieb Fidel Castro, er empfinde "großen Schmerz", nicht teilnehmen zu können. "Ich bin nach Angaben der Ärzte noch nicht in der Lage, eine solch kolossale Begegnung zu meistern."

Die Gala ist der Startschuss für eine ganze Reihe von Veranstaltungen zum Geburtstag Castros geben soll. Castro hatte bereits am 13. August Geburtstag, verschob die Feiern aber wegen seiner Krankheit.

Die Feierlichkeiten, die am Dienstag begannen, dauern bis zum 2. Dezember, wo sie mit einer Militärparade ihren Höhe- und Schlusspunkt finden sollen. Erinnert wird auch an die Landung Castros an der kubanischen Küste am 2. Dezember 1956, als er mit seinem Bruder Raúl und Ernesto "Che" Guevara sowie 79 weiteren Revolutionären den Kampf begann. Drei Jahre später siegten die Guerilleros; seitdem bestimmt Fidel Castro als inzwischen dienstältester Präsident der Welt die Geschicke Kubas.

Der kubanische Revolutionsführer ist seit seiner Darmoperation Ende Juli nicht mehr öffentlich aufgetreten und war seitdem nur auf Fotos oder Filmaufnahmen zu sehen. Sein Bruder Raúl führt die Regierungsgeschäfte. Doch langsam scheinen sich die Kubaner an den Gedanken zu gewöhnen, dass "Fidel" einmal nicht mehr sein könnte.

In einem sind sich Freunde wie Feinde einig: Castro besitzt Zähigkeit und Charisma. In seinen 47 Amtsjahren hat er zehn US-Präsidenten und zahlreiche Attentatsversuche überstanden. Selbst das Ende der Sowjetunion, der großen Schutzmacht des kleinen Karibikstaates, konnte Castro nicht zu Fall bringen: Mehr als 15 Jahre nach dem Zerfall des Warschauer Pakts und 44 Jahre nach der Verhängung der Wirtschaftsblockade durch die USA steht der alte Widerstandskämpfer noch immer an der Spitze Kubas.

Zur Sicherhung seiner Macht griff Castro auf der Karibikinsel hart durch. Systemgegner wurden drangsaliert oder eingesperrt. Viele von Castros Kampfgefährten und Verwandten verließen ihn im Laufe der Jahre. Seine Tochter Alina floh 1993 nach Miami und beschimpfte ihn als "selbstgerechten Tyrannen". Seine Schwester Juanita forderte seinen Rücktritt. Sein Bruder Raúl hingegen blieb ihm treu. Er dürfte ihn an der Spitze des Staates ablösen.

jaf/AFP/AP/rtr



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